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Friedrich Schiller: Maria Stuart - II,8

Gesprächsverlauf unter kommunikativem Aspekt

Aus Schüleraufsätzen

 
 
  Aus Schüleraufsätzen zur Interpretation der Dramenszene II,8 des 2. Aktes von Schillers Drama »Maria Stuart« (vgl. Arbeitsanregungen 1) stammen die folgenden Auszüge zur Analyse des Gesprächsverlaufs unter kommunikativen Gesichtspunkten.

Text 1:
Mortimer ist sehr glücklich über Leicesters Einsicht und freut sich, einen Partner zu haben. Sie verfolgen nun beide das Ziel, Maria zu helfen. vgl. S. 50 Z 1759-1760 „Freudig werf (...) ihrem Gegner. Leicester war Maria schon vor der Hochzeit mit Darnley zugeschrieben, doch er lehnte sie aus Ehrgeiz ab. Er hoffte, Elisabeth gewinnen zu können und somit König von England zu werden. Elisabeth spielte aber nur mit ihm. Zehn Jahre lang hat er ihr gedient und für sie gesorgt. (vgl. S. 51 Z 1770-1773) und (vgl. S.51, Z 1781-1786)

Text 2:
[...] Auch Leicester stellt sich die Frage, wie Mortimer dazu kommt, sich für Marias Leben einzusetzen, und wie er sie befreien könne. Mortimer erzählt ihm und antwortet ihm zugleich, dass er seinen Glauben geändert habe [vgl. Z 1745), dies ist nicht nur ein Vorteil für die schottische Königin, sondern auch gleichzeitig ein Vorteil für Leicester, der einen Freund gefunden hat (vgl. Z 1755) und dem er Vertrauen schenken kann. Was für Leicester bedeutet, dass er seinem Gaukelspiel freie Bahn lassen kann. [...]

Text 3:
[...] In Zeile 1756 –1764 wird deutlich, wie sehr Leicester für Maria schwärmt und wie eifersüchtig er auf die Ehemänner der schottischen Königin war. Er hoffte, dass ihm Elisabeth mehr geben könnte, als er von Maria abgestoßen wurde. Er will als Belohnung für die Befreiung seiner Geliebten, dass sie ihm ihr Herz schenkt und er sie besitzen darf (vgl. Z 1821). Auch hier werden die Charaktereigenschaften Leicesters deutlich. Leicester nutzt alles zu seinem Vorteil aus, er ist ein kalter Egoist. Die Vorwürfe, die Mortimer ihm macht, dass er schon eher etwas für die Rettung der schottischen Königin hätte tun können, sind berechtigt, die Antwort darauf ist, dass ihm ein Sündenbock gefehlt hat, dem er die Sache zuschieben könnte, wenn sie auffliegt. Mortimer weiß genau, dass das, was er vorhat, eine Heldentat ist und er verliert auch kein Wort daran, sich selbst zu loben (vgl. Z 1830).

Text 4:
Leicester versucht sich, wie auch in den folgenden Szenen, rauszureden und findet auch hier eine Antwort auf Mortimers Vorwurf, er hätte nur auf eine geeignete Gelegenheit gewartet, Maria zu befreien (vgl. Z 1850). [...]

Text 5:
Der Anfang des Gesprächs zwischen Mortimer und Leicester ist von Zweifel und Misstrauen dem anderen gegenüber geprägt. Sie schauen sich forschend an (II,8 1697) und versuchen durch Schmeicheleien, Herabsetzung der eigenen Persönlichkeit und Gegenargumente den Gesprächspartner zum ersten Schritt zu bewegen (vgl. II,8 1695-1717). Dies zeigt, wie prekär das Thema Maria Stuart in diesem England ist und welche Gefahren es mit sich bringen kann. Mortimer verliert dieses „Spielchen“ und gibt – vielleicht auch Marias wegen – auf und setzt den ersten Schritt, indem er Leicester Marias Brief übergibt. Durch diese Handlung tritt der erste Wendepunkt dieses Gesprächs ein. Durch die Entzückung, die Leicester für das beigefügte Bild Maria Stuarts zeigt (vgl. II,8 1726), wir der immer noch zweifelnde Mortimer, „der ihn während des Lesens scharf beobachtet“ (II,8 1726) überzeugt, dass Leicester ein Sympathisant Marias ist. [...]

Text 6:
[...] Da macht Mortimer ihm den Vorwurf, dass er bisher nichts zu iher Rettung getan habe. Dies ist ein erneuter Wendepunkt des Gesprächs.

Text 7:
Ab hier macht der nun im Gespräch dominierende Mortimer Leicester Vorwürfe über seine Tatenlosigkeit und Leicester versucht sich heruszureden: „Und hoffe noch das Äußerste zu verhindern, bis sich ein Mittel zeigt, sie zu befreien.“ (II,8 1838). Diese Äußerung spiegelt die Zurückhaltung und Angst Leicesters, die sich in vielen Aussagen wiederholt. Die Angst, dass sein doppeltes Gesicht enttarnt wird und er keine der beiden Frauen Macht erlangt.

Text 8:
[...]Leicester kann sein Glück kaum fassen, dass er endlich einen Verbündeten gefunden hat, bei dem er alle seine Sorgen loswerden kann. Er erzählt Mortimer davon, dass Maria ihm vor vielen Jahren zugedacht war, doch er wollte lieber Elisabeth wegen England, Marias Königreich war ihm zu klein und unbedeutend. ("Damals hielt ich Mariens Hand für mich zu klein, ich hoffte auf den Besitz der Königin von England." Z 1771-1773). Nach zehn Jahren gibt er Elisabeth auf, ihre Launen sind zu ungestüm: "Mit Sklavendemut unterwarf, das Spielzeug des kleinen grillenhaften Eigensinns, geliebkost jetzt von ihrer Zärtlichkeit Und jetzt mit sprödem Stolz zurückgeworfen" (Z 1784-1788) – Mortimer wirft Leicester vor, dass er selbst für ihren Tod gestimmt hat. Leicester verteidigt sich, indem er versichert, dass er es hätte nie so weit kommen lassen.

Text 9:
Mortimer verhält sich am Anfang des Gesprächs mit Leicester zurückhaltend und vorsichtig. Er prüft ihn und bleibt misstrauisch. Nach der Übergabe des Briefes wird er langsam gesprächig und macht nicht gerade einen schüchternen Eindruck. Er ist auch nicht leicht aus der Ruhe zu bringen, sondern bleibt immer ganz gelassen, er wirkt zwar manchmal etwas gereizt, was dann aber auch durch die Provokation Leicesters berechtigt ist.

Text 10:
Leicester erzählt, wie sich seine Gefühle geändert haben. "Sie war mir zugedacht seit langen Jahren, [...] eh sie die Hand dem Darnley gab ..." (Z 1762/1763) Erst sollte er Maria als Frau nehmen, doch da er Elisabeth bevorzugte, "stieß (er) damals dieses Glück von (sich)" (Z 1765) Leicester hielt "Mariens Hand [...] zu klein", er wollte etwas Besseres, "den Besitz der Königin von England". Doch nach seinen Worten "10 verlornen Jahren unverdrossnen Werbens" ( Z 1777) ändern sich seine Gefühle. Leicester erzählt nun von seinen Gefühlen Maria gegenüber. Doch ob dies echte Gefühle sind? (vgl. 1800-1820) Er fragt, ob Maria ihm verzeihen würde, wenn er sie rettet? Mortimer jedoch antwortet kühl und stellt das Vorgefallene sachlich dar. Leicester habe noch nichts für Marias Rettung getan. Nein, er hat im Gericht sogar seine Stimme zu ihrem Tod gegeben. Dies wäre Leicesters Chance. Mortimer erzählt nochmals über seinen Plan und wie schon alles bereit steht (vgl. Z 1848). Wenn Leicester helfen würde, wäre der Erfolg schon gesichert. Leicester ist jedoch immer noch am Zweifeln. Er will nicht, dass er nur ausführen muss, was Mortimer will. Es ist ihm zu gefährlich. (vgl. Z 1849 und Z 1863).
 

 
 
   Arbeitsanregungen:
  1. Arbeiten Sie Vorzüge und Mängel der Schülerbeispiele heraus.

  2. Versuchen Sie den/die Fehler oder Schwächen möglichst präzise zu beschreiben, um daraus Hinweise für die Verbesserung zu gewinnen.

  3. Fassen Sie für mindestens 2 der Schülerbeispiele ihr Ergebnis schriftlich zusammen.

    

 
        
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