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Friedrich Schiller: Maria Stuart - II,8

Die Einordnung der Dramenszene

 
 
  Die Einordnung der Szene II,8 des 2. Aktes in die Dramenhandlung von Schillers Drama »Maria Stuart« (vgl. FAQ) umfasst die inhaltliche und die funktionale Einordnung des Geschehens.

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Dabei müssen folgende inhaltlichen Aspekte der Dramenhandlung berücksichtigt werden:

Ferner muss herausgearbeitet werden, welche Bedeutung und welchen Platz die Szene in der Komposition des Dramas einnimmt.

Die Leicester-Handlung und die Mortimer-Handlung stellen freilich im Drama Maria Stuart keine eigenständigen Handlungsstränge dar, sondern stehen stets in engem Bezug zur eigentlichen (Haupt-)Dramenhandlung. Daher müssen sie bei der schriftlichen Einordnung nicht unbedingt getrennt von der Gesamteinordnung abgehandelt werden. Wenn allerdings dazu ein Schwerpunkt auf der literarischen Charakteristik einer der beiden Figuren liegt, empfiehlt sich ein derartiges Verfahren nach dem Blockprinzip durchaus.

Bedeutung der Szene für die Dramenhandlung um die Hinrichtung Maria Stuarts

Maria Stuart, die im englischen Fotheringhay inhaftiert ist, hat von Mortimer, dem Neffen ihres Aufsehers Paulet, erfahren, dass der in England gegen sie wegen Hochverrats angestrengte Prozess mit einem Todesurteil geendet hat. Zugleich erfährt sie, dass Mortimer im Bunde mit anderen ihre gewaltsame Befreiung in Angriff nehmen will. Da sie weiteres Blutvergießen scheut, bittet sie Mortimer, mit dem Grafen Leicester Kontakt aufzunehmen, von dessen Intervention bei der englischen Königin Elisabeth sie allein noch ihre Befreiung aus dem Kerker erwartet. Sie fühlt sich völlig zu Unrecht verurteilt und glaubt trotz der offiziellen Verkündung des Todesurteils durch Elisabeths Großschatzmeister, Lord Burleigh, nicht daran, dass Elisabeth das Urteil vor aller Weltöffentlichkeit vollstrecken lassen werde. Allerdings fürchtet sie das Opfer eines heimlichen Mordanschlags zu werden, mit dem Elisabeth ihre Konkurrenten um den englischen Thron beseitigen lassen könnte (I,7).
Die Szene führt auf Wunsch Maria Stuarts die beiden Figuren zusammen, die die Befreiung der schottischen Königin, wenn auch auf ganz unterschiedliche Weise und mit ganz verschiedenen Motiven, betreiben.
Mortimer, der Maria Stuart über seine geplante gewaltsame Befreiungsaktion (I,6) unterrichtet hat, hat sich auf ihre Veranlassung hin während seiner Vorstellung am Hofe Elisabeths (II,4 – V 1506) mit Leicester zu einem geheimen Treffen verabredet, um ihm den Brief Maria Stuarts zu übergeben und ihn gegebenenfalls in seine Verschwörung mit einzubeziehen.
Das Scheitern einer Verständigung zwischen den beiden ungleichen Männern wirft schon einen deutlichen Schatten auf die noch immer möglich erscheinende positive Wendung des Geschehens voraus. Auf getrennten Wegen versuchen beide ihr Ziel, Maria Stuart zu befreien, zu erreichen und sich damit in den Besitz der äußerst attraktiven und erotischen anziehenden schottischen Königin zu bringen. Während Mortimer auf die gewaltsame Befreiung setzt, will Leicester, so wie im Staatsrat angesprochen (II,3) eine Begegnung der beiden Königinnen arrangieren, die Elisabeth letzten Endes die Hände bei der Ausfertigung des Hinrichtungsbefehls binden könnten. Doch beide Vorhaben sind zum Scheitern verurteilt. Maria Stuart verhöhnt Elisabeth bei ihrer Begegnung (III,4) und Mortimers Plan wird noch vor seiner Ausführung aufgedeckt (III,8). Als Mortimer Leicester vor den möglichen Folgen seiner Verstrickung warnt, wird er von Leicester rücksichtslos verraten und bringt sich selbst um (IV,4). Leicester kann zwar seinen Kopf trotz der gegen ihn sprechenden Indizien aus der Schlinge ziehen (IV,6), muss aber dafür die Hinrichtung Maria Stuarts zusammen mit Burleigh selbst vornehmen lassen (V,9). Nach der Hinrichtung Maria Stuarts setzt er sich nach Frankreich ab. (V, 15)

Bedeutung der Szene für die Mortimer-Handlung

Die Begegnung zwischen Mortimer und Leicester stellt für Mortimer, der eigentlich lieber heute als morgen zur Tat schreiten will, eine echte Herausforderung dar. Denn er ist von seiner göttlichen Auserwähltheit zur Befreiung Marias überzeugt (I,6 V 542) und sieht eigentlich keinen Anlass, sich mit Leicester, dem vermeintlich "blutigste(n) Verfolger" (V 659) Marias, zusammenzutun. Und doch ist er bereit, Maria Stuart zuliebe Kontakt mit ihm aufzunehmen und ihm einen Brief Maria Stuarts zu überbringen.
Als er Elisabeth von seinem Onkel Paulet bei Hofe vorgestellt wird (II,4), kann er sie mit seinen Mitteilungen über die Machenschaften ihrer Gegner in Rom und Frankreich, die er während seiner erst kürzlich beendeten Reise ausgeforscht haben, beeindrucken. Er wirkt so überzeugend, dass Elisabeth keinen Zweifel an seiner Loyalität hat und ihm in einem Vier-Augen-Gespräch den Auftrag gibt, Maria Stuart zu ermorden, um sie vor der öffentlichen Kritik beim Vollzug des amtlichen Todesurteils zu bewahren (II,5). Mortimer willigt prinzipiell ein und sieht in seinem Doppelspiel eine Chance, in Ruhe die Befreiung Marias vorbereiten zu können (II, 6). Die Beteiligung Leicesters an seiner Verschwörung sichert in seinen Augen vollends den Erfolg (II,8 V 1844). Als der Mordplan aufdeckt wird, kehrt Mortimer dem Hof nicht sofort in heilloser Flucht den Rücken, sondern warnt Leicester vor Burleigh, der Beweise für seine Absicht, sich mit Maria zu verbinden habe. Doch Leicester nutzt diese Gelegenheit zum Verrat an Mortimer, um die eigene Haut zu retten. Er bezichtigt Mortimer der Verschwörung und will ihn verhaften lassen. In dieser ausweglosen Situation nimmt sich Mortimer, ohne den Verrat Leicesters mit gleicher Münze heimgezahlt zu haben, das Leben. (IV,4)

Bedeutung der Szene für die Leicester-Handlung

Leicester, einer der mächtigsten Lords im Reich und zugleich der Günstling und Geliebte Elisabeths, sieht angesichts der Absichten Elisabeths, sich mit dem französischen Thronfolger zu vermählen, selbst keine Chance mehr, an der Seite Elisabeths den englischen Thron zu besteigen. Aus diesem Grund wendet er sich wieder der schottischen Königin zu, die zu heiraten er vor geraumer Zeit wegen seiner ehrgeizigen Ziele gegenüber Elisabeth ausgeschlagen hat. Für den Fall, dass ihm die Befreiung Marias gelinge, hat ihm die schottische Königin ihre Hand zugesagt. Leicester, der im Prozess für das Todesurteil gestimmt hat, verfolgt ihm Staatsrat eine gemäßigte Linie, um Maria Stuart zunächst einmal vor dem Vollzug der Hinrichtung zu bewahren (II,3 – V 1140). Ehe die Hinrichtung der schottischen Königin noch Mitleidseffekte erzeugen könne, sei es opportuner, sie weiterhin, aber unter dem drohenden Vollzug des Todesurteils weiter leben zu lassen. Als er sich auf Veranlassung von Mortimer zu dem geheimen Gespräch einfindet, ist er entsetzt über die Verschwörung und ihre Maßnahmen und will Mortimer davon abbringen. Als ihm dies misslingt, greift er den Gedanken Burleighs auf, der Elisabeth vor einer Begegnung mit Maria gewarnt hat (II,4 – V 1525f.) und will aus den gleichen Gründen ("denn Gnade bringt die königliche Nähe") ein Treffen der beiden Königinnen arrangieren. Doch dieses Treffen endet im Desaster und macht Leicesters Plan unmöglich. Als einige Zeit später auch noch Mortimers Befreiungsplan vor seiner Durchführung platzt, droht Leicester in den Strudel der Verschwörung, zumal Indizien gegen ihn sprechen, hineingerissen zu werden (IV,4). Durch seinen Verrat an Mortimer kann er zwar seinen Kopf aus der Schlinge ziehen, muss aber gemeinsam mit Burleigh die Hinrichtung Maria Stuarts vor Ort durchführen lassen (IV,6). Mit einem völligen psychischen Zusammenbruch erlebt er – als Ohrenzeuge – die Hinrichtung Marias (V,10) und setzt sich danach nach Frankreich ab.(V, 15)

Die Szene in der Komposition des Dramas

Die Szene, in der sich Mortimer und Leicester erstmals unter vier Augen begegnen (II,8), steht am Ende des II. Aktes, mit dem die Handlung ansteigt. Die beiden Akteure, die sich die Befreiung Maria Stuarts vorgenommen haben, treffen aufeinander und ihre mögliche Kooperation lässt Hoffnungen auf ein glückliches Ende aufkeimen. Doch auch als ihre Verständigung scheitert, sind noch alle Zeichen hin auf einen glücklichen Ausgang gestellt, denn beiden Männer kann aus unterschiedlichen Gründen zugetraut werden, auf dem jeweils von ihnen eingeschlagenen Weg die Befreiung Marias zu erreichen.
   

 
 
   Arbeitsanregungen:
  1. Arbeiten Sie heraus, welche Elemente der Dramenhandlung in die Einordnung der Dramenszene eingegangen sind.

  2. Wodurch unterscheiden sich die Einordnungsaspekte?

  3. Welche Elemente beziehen sich ausgehend von Szene II,8 auf die zuvor liegende und welche auf die danach folgende Dramenhandlung?

 →Operatorenkatalog des Landes Baden-Württemberg)

 
        
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