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Friedrich Schiller: Maria Stuart - I,3

Analyse der Bühnenanweisungen

 
 
 
  Die Bühnenanweisungen für die Szenen  I,3 und I,5 des 1. Aktes in Schillers Drama »Maria Stuart« sind für deren Kürze besonders umfangreich.
Schiller setzt in seinen klassischen Dramen bühnenpraktische Anweisungen im Nebentext zwar insgesamt ökonomischer, aber im Vergleich zu dem darauf völlig verzichtenden Goethe immer noch ziemlich ausgiebig ein  Diese Regieanweisungen sollen bestimmte Ausdrucksqualitäten des Dialogs erschließen. (vgl. Alt 2000, Bd. 2, S. 386)
  
(I,3)
DRITTER AUFTRITT

Die Vorigen. Mortimer, Paulets Neffe, tritt herein und, ohne der Königin einige Aufmerksamkeit zu bezeugen, zu Paulet.

MORTIMER. Man sucht Euch Oheim.                                      249
   (Er entfernt sich auf eben diese Weise. Die Königin bemerkt es
   mit Unwillen und wendet sich zu Paulet, der ihm folgen will.)

MARIA.                                          Sir, noch eine Bitte.
   Wenn Ihr mir was zu sagen habt, - von Euch
   Ertrag' ich viel, ich ehre Euer Alter.
   Den Übermut des Jünglings trag' ich nicht,
   Spart mir den Anblick seiner rohen Sitten.
PAULET.  Was ihn Euch widrig macht, macht ihn mir wert.
   Wohl ist es keiner von den weichen Toren,
   Die eine falsche Weiberträne schmelzt -
   Er ist gereist, kommt aus Paris und Reims
   Und bringt sein treu altenglisch Herz zurück,                          260
   Lady, an dem ist Eure Kunst verloren.
   (Geht ab.)

(I,5)
FÜNFTER AUFTRITT

Die Vorigen. Mortimer scheu hereintretend.

MORTIMER. (zur Amme).
   Entfernt Euch, haltet Wache vor der Tür,                                380
   Ich habe mit der Königin zu reden.
MARIA. (mit Ansehn). Hanna, du bleibst.
MORTIMER. Habt keine Furcht, Mylady. Lernt mich kennen.
   (Er überreicht ihr eine Karte)
MARIA. (sieht sie an und fährt bestürzt zurück).
   Ha! Was ist das?
MORTIMER. (zur Amme). Geht, Dame Kennedy.
   Sorgt, dass man Oheim uns nicht überfalle.
MARIA. (zur Amme, welche zaudert und die Königin fragend
   ansieht).
Geh! Geh! Tu, was er sagt.                                       395
   (Die Amme entfernt sich mit Zeichen der Verwunderung.)

 

Was ist eigentlich Nebentext?

Textschicht des dramatischen Textes, die bei der Inszenierung eines dramatischen Textes nicht gesprochen wird: Dramentitel, Epigraphe, Widmungsschriften, Vorwörter, Personenverzeichnis, Akt- und Szenenmarkierungen, Bühnenanweisungen zur Szenerie und zum Verhalten einer Figur; Abgrenzung vom Haupttext, der die gesprochene dramatische Rede enthält; Unterscheidung von Haupt- und Nebentext geht auf Roman Ingarden zurück und wurde von Manfred Pfister (1977, S.35f.) wieder aufgegriffen.

Besonders wichtig sind  Bühnenanweisungen im Nebentext der folgenden Szenen von Schillers Drama »Maria Stuart« .

  • II,2    Französische Brautwerbung um Maria

  • II,4    Vorstellung Mortimers durch Paulet bei Elisabeth

  • II,5    Mortimer bei Elisabeth

  • II,8    Mortimer trifft Leicester zum ersten Mal

  • II,9    Elisabeth und Leicester

  • III,4   Begegnung der Königinnen

  • III,6   Maria und Mortimer

  • IV,6   Leicester nach dem Mordanschlag mit Burleigh bei Elisabeth

  • V,1    Maria wartet auf den Henker

  • V,6    Maria verteilt ihre Sachen unter ihre Bediensteten

  • V,7    Maria empfängt von Melvil das Abendmahl

  • V,9    Maria trifft bei ihrem Gang zur Hinrichtung auf Leicester

  • V,10  Leicester hört die Hinrichtung Maria Stuarts

  

 
 


   Arbeitsanregungen:

   Untersuchen Sie die Funktion der Bühnenanweisungen in den obigen Szenen.

 →Operatorenkatalog des Landes Baden-Württemberg)

 
      
 
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