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Robert Musil: Der Verkehrsunfall

Rezeptionseindrücke und Konkretisationen

Schüleräußerungen

 
 
  Schülerinnen und Schüler einer 11. Klasse haben sich zu dem Text »Der Verkehrsunfall« von Robert Musil wie folgt geäußert:
  1. Dem Erzähler geht es in seiner Geschichte nicht um einen Bericht über einen Unfall. Das lässt sich sofort erkennen. Er kritisiert nämlich das Verhalten der Passanten, die den Unfall mitbekommen. Zuerst sind sie kopflos, dann sichern sich sich irgendwie ab mit Vorstellungen, die die Dinge irgendwie in Ordnung bringen. Der Erzähler lehnt das Verhalten der Passanten klar ab. Mit welchem Recht jedoch, muss man sich fragen. Denn auch er scheint ja nur zuzusehen. Und nicht nur das. Er gafft nicht nur, sondern spioniert den anderen Passanten geradezu hinterher. Dadurch wirkt er wie ein unangenehmer Moralist.

  2. Was hätten die Passanten denn anderes tun können? Es ist irgendwie nicht einleuchtend, warum der Erzähler sich so aufregt und das Geschehen so ironisch betrachtet. Man kennt das doch. Wenn ein Unglück passiert, zieht einen dieses Geschehen geradezu magnetisch an, und alles läuft einfach ab. Wenn man nicht wirklich helfen kann, denkt man nach, vielleicht eben auch über das, was – Gott sei Dank" so glatt abläuft und ist beruhigt. Vielleicht tut man auch nur so. Soll man etwa losschreien und nichts tun? Was will der Autor eigentlich?

  3. Der Autor beschreibt einen Verkehrsunfall. Er berichtet über die Ursache eines schweren Unfalls und über die Rettung des Verletzten. Dazu beschreibt er noch die Leute, die dem Geschehen zusehen. Der Bericht über den Unfall könnte fast so in der Zeitung stehen, dann allerdings vielleicht nicht so ausführlich. Denn Reporter haben für ihre Berichterstattung ja nicht so viel Zeit wie ein Dichter.

  4. Die Geschichte ist gesellschaftskritisch. Und selbst ein Unfall kann Anlass dazu geben. Dazu reicht schon ein Blick auf die beiden Hauptpersonen der Geschichte. Die beiden höhergestellten Personen verhalten sich angesichts des Unfalls kalt und unbarmherzig. Sie wollen mit dem Unfall nichts zu tun haben. Ihnen geht es nur um ihre Ruhe, die sie mit allerlei künstlichen Erklärungen über Ursachen und Hergang des Geschehens wieder herstellen wollen. Musil aber lässt solche Entschuldigungen nicht gelten. Doch wen kümmert das schon? Würden sie lesen, was der Autor geschrieben hat, würde die Kritik genauso an ihnen abprallen wie das Geschehen am Unfallort. Denn Leute solchen Schlages leben weiter mit ihren Initialen an den Hemden.

(nach: Frommer 1988, S.65)
  

 
    
   Arbeitsanregungen:
  1. Vergleichen Sie die dargestellten Rezeptionseindrücke der Schüler miteinander.

  2. Von welchen Textinhalten gehen Sie aus?

  3. Wie erklären sich die Unterschiede der Rezeptionserfahrungen?

 →Operatorenkatalog des Landes Baden-Württemberg)

 
     
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