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Robert Musil: Das Fliegenpapier

Erzählstrukturen und sprachliche Gestaltung

 
 
  Die Erzählung »Das Fliegenpapier« von  Robert Musil lassen sich u. a. die folgenden Aspekte der Erzählstrukturen und der sprachlichen Gestaltung herausarbeiten:
 

Parabelstruktur des Textes

  • erstes inhaltliches Erkennungsmerkmal: Fliegen geraten nicht deshalb auf das toxische Papier, weil sie "gierig" sind, sondern "aus Konvention" bzw. "weil schon so viele andere da sind"

  • Beschreibung des Festklebens wird verglichen mit menschlichen Empfindungen, verweist also auf den vom Autor/Erzähler intendierten Sachbereich der Parabel

  • erste Reaktion der Fliegen: Vergleich mit menschlichen Personengruppen: Tabiker, klapprige, alte Militärs

  • zweite Reaktion: krampfhaftes Schwirren bis zur Erschöpfung wird als „wütende Haltung“ beschrieben

  • dritte Reaktion: Wiederholungszwang, Intervalle für Atempausen werden länger

Erzählperspektive (Erzählhaltung)

Auktoriale Ich-Erzählperspektive, da der Ich-Erzähler, der sich einmal selbst als "Ich" zu erkennen gibt, über die Zeit des Geschehens bei seiner Darbietung frei verfügt (.z.B. Zeitsprung auf den nächsten Morgen) und er mit zahlreichen Vergleichen und mehreren verdeckten Leseranreden (Verwendung des Personalpronomens "wir") das Geschehen kommentierend begleitet. Der Ich-Erzähler versetzt sich in die Fliegen hinein, vermenschlicht ihre Empfindungen zu menschlichen Gefühlen bzw. fühlt so, wie er sich vorstellt, dass die Fliegen empfinden müssten.

Raumgestaltung

  • Das erzählte Geschehen wird in der einer Art räumlichen Annäherung dargeboten und geht immer mehr ins Detail: Körper – Leib – Kopf – Zunge – flimmerndes Organ, das nur mit der Lupe erkennbar ist.

  • Symbolraum, Handlungsraum

Zeitgestaltung

Linear, wohl etwas zeitraffend, was mit den Temporaladverbien (dann usw. ) ausgedrückt wird.

Sprachliche Gestaltung

Wortwahl

Vergleiche

  • Festkleben der Fliege verglichen mit Hand, die festhält („das grauenhaft Menschliche“)

  • forciertes Aufrechtstehen verglichen mit Tabikern, klapprigen Militärs

  • wie ein kleiner Hammer

  •  wie aus einer Kokosnuss gemacht

  • wie menschliche Negeridole

  • wie Menschen es machen, die auf alle Weise eine schwere Last transportieren

  •  tragischer als Arbeiter es tun

  •  wahrer im Ausdruck der sportlichen Leistung als Laakoon

Fachjargon: Militärsprache

  • forciert aufrecht stehen, sich Haltung geben

Tabes: Auszehrung, Schwund; Tabiker: jemand, der an dieser Krankheit leidet
Idol: h: Gottes‑, Götzenbild [in Menschengestalt]
 Laokoon: gr. Sagengestalt; dargestellt in einer Skulptur des rhodischen Bildhauers Hagesander und seiner Söhne (Laokoon im Kampf mit den Schlangen; Standort heute: Vatikan;
Areoplane: Flugzeuge
  

 
 
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