Kurt Marti, Neapel sehen

Wörtliche Rede


In seiner Kurzgeschichte "Neapel sehen" hat Kurt Marti die wörtliche Rede nicht durch die grammatisch geforderten Zeichen markiert. So verfährt er auch im folgenden Ausschnitt:

Er lag im Bett und blickte zum Fenster hinaus. Er sah sein Gärtchen. Er sah den Abschluß des Gärtchens, die Bretterwand. Weiter sah er nicht. Die Fabrik sah er nicht, nur den Frühling im Gärtchen und eine Wand aus gebeizten Brettern. Bald kannst du wieder hinaus, sagte die Frau, es steht alles in Blust*. Er glaubte ihr nicht. Geduld, nur Geduld, sagte der Arzt, das kommt schon wieder. Er glaubte ihm nicht. Es ist ein Elend, sagte er nach drei Wochen zu seiner Frau, ich sehe immer das Gärtchen, sonst nichts, nur das Gärtchen, das ist mir zu langweilig, immer dasselbe Gärtchen, nehmt doch einmal zwei Bretter aus der verdammten Wand, damit ich was anderes sehe. Die Frau erschrak. Sie lief zum Nachbarn. Der Nachbar kam und löste zwei Bretter aus der Wand. Der Kranke sah durch die Lücke hindurch, sah einen Teil der Fabrik. Nach einer Woche beklagte er sich, ich sehe immer das gleiche Stück Fabrik, das lenkt mich zu wenig ab. Der Nachbar kam und legte die Bretterwand zu Hälfte nieder. Zärtlich ruhte der Blick des Kranken auf seiner Fabrik, verfolgte das Spiel des Rauches über dem Schlot, das Ein und Aus der Autos im Hof, das Ein des Menschenstromes am Morgen, das Aus am Abend. Nach vierzehn Tagen befahl er, die stehengebliebene Hälfte der Wand zu entfernen. Ich sehe unsere Büros nie und auch die Kantine nicht, beklagte er sich.

 


   Arbeitsanregungen:
  1. Unterstreichen Sie in dem obigen Textauszug die Passagen mit wörtlicher Rede.

  2. Wählen Sie zwei Sätze aus, die wörtliche Rede beinhalten, und setzen Sie die erforderlichen Zeichen. (→Zeichensetzung bei der direkten Rede)

  3. Welche Wirkung geht von dem Text aus, wenn, wie hier geschehen, auf die geforderten Zeichen verzichtet wird? (→Verzicht auf Markierung als modisches Stilmittel)

  

     
   
 

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