Home
Nach oben
Weiter
 

 

Lessing: Nathan der Weise

Charakteristik Saladins

Textinterpretation (1)


I,3

Im Gespräch (I,3) mit Nathan äußert sich der Derwisch Al-Hafi u.a. über Saladin:

  1. Ordnen Sie die Textstelle in den Verlauf der Dramenhandlung ein.

  2. Arbeiten Sie heraus, wie Saladin in diesem Textauszug charakterisiert wird.

  3. Zeigen Sie, welche verschiedenen Techniken zur Figurencharakterisierung eingesetzt werden.

  4. Inwiefern werden die von Al-Hafi aufgezeigten Charakterzüge Saladins in anderen Szenen des Dramas bestätigt oder widerlegt?

 →Operatorenkatalog des Landes Baden-Württemberg)

[...]

DERWISCH.                       Denkt nur, was mich verführte! -
   Damit ich selbst nicht länger betteln dürfte?
   Den reichen Mann mit Bettlern spielen könnte?
   Vermögend wär' im Hui den reichsten Bettler
   In einen armen Reichen zu verwandeln?
NATHAN. Das nun wohl nicht.
DERWISCH.                            Weit etwas Abgeschmackters!
   Ich fühlte mich zum erstenmal geschmeichelt;
   Durch Saladins gutherz'gen Wahn geschmeichelt -                 460
NATHAN. Der war?
DERWISCH. »Ein Bettler wisse nur, wie Bettlern
   Zumute sei; ein Bettler habe nur
   Gelernt, mit guter Weise Bettlern geben.
   Dein Vorfahr, sprach er, war mir viel zu kalt,
   Zu rauh. Er gab so unhold, wenn er gab;
   Erkundigte so ungestüm sich erst
  Nach dem Empfänger; nie zufrieden, dass
  Er nur den Mangel kenne, wollt' er auch
   Des Mangels Ursach' wissen, um die Gabe
   Nach dieser Ursach' filzig abzuwägen.                                   470
   Das wird Al-Hafi nicht! So unmild mild
   Wird Saladin im Hafi nicht erscheinen!
   Al-Hafi gleicht verstopften Röhren nicht,
   Die ihre klar und still empfangnen Wasser
   So unrein und so sprudelnd wiedergeben.
   Al-Hafi denkt; Al-Hafi fühlt wie ich!« -
   So lieblich klang des Voglers Pfeife, bis
   Der Gimpel in dem Netze war. - Ich Geck!
   Ich eines Gecken Geck!
NATHAN.                         Gemach, mein Derwisch,
   Gemach!
DERWISCH. Ei was! - Es wär' nicht Geckerei,                       480
   Bei Hunderttausenden die Menschen drücken,
   Ausmergeln, plündern, martern, würgen; und
   Ein Menschenfreund an einzeln scheinen wollen?
   Es wär' nicht Geckerei, des Höchsten Milde,
   Die sonder Auswahl über Bös' und Gute
   Und Flur und Wüstenei, in Sonnenschein
   Und Regen sich verbreitet, - nachzuäffen,
   Und nicht des Höchsten immer volle Hand
   Zu haben? Was? es wär' nicht Geckerei . . .
NATHAN. Genug! hör auf!
DERWISCH.                       Lasst meiner Geckerei                 490
   Mich doch nur auch erwähnen! - Was? es wäre
   Nicht Geckerei, an solchen Geckereien
   Die gute Seite dennoch auszusparen,
   Um Anteil, dieser guten Seite wegen,
   An dieser Geckerei zu nehmen? He?
   Das nicht?

[...]

 

     
  [ Thema 1 ] Thema 2 ]  
     

          CC-Lizenz
 

 

Creative Commons Lizenzvertrag Dieses Werk ist lizenziert unter einer Creative Commons Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 International License (CC-BY-SA) Dies gilt für alle Inhalte, sofern sie nicht von externen Quellen eingebunden werden oder anderweitig gekennzeichnet sind. Autor: Gert Egle/www.teachsam.de