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Saladin

Thesen

Charakteristik Saladins


Die Figur des Saladin in Lessings Drama »Nathan der Weise« ist von vielen Seiten her betrachtet worden. Eine Auswahl von Interpretationsthesen soll zur Auseinandersetzung anregen.

  1. "Die königliche Natur des Saladin lebt sich aus einem Machtwillen, den die Staatsraison leitet, der kühl die gefangenen Tempelherren zur Hinrichtung sendet und die herabgedrückte, unkriegerische jüdische Rasse verachtet. Er zahlt seinen Tribut an orientalisches Fürstenwesen, wenn er die Untertanen aussaugt, um Bettler zu bereichern. Aber in diesem fürstlichen Walten hat er auch lange gelernt, hinter allen Hüllen religiöser Bekenntnisse denselben Menschen zu erkennen und zu würdigen, und Nathan legt ihm nur in der Reflexion zurecht, dessen sein einfacher, starker, heroischer Geist längst sicher gewesen ist." (Wilhelm Dilthey 1867, S.55)

  2. Humanität und Toleranz sind die herausragenden Charaktereigenschaften Saladins.

  3. Saladins Freigiebigkeit auch den christlichen Pilgern gegenüber zeugt von humanen Grundüberzeugungen.

  4. Lessing zeigt den Sultan Saladin weniger als Herrscher, mehr als Privatmann. (vgl. Große 1987, S.73)

  5. Die Gutmüdigkeit Saladins verbindet sich mit einer gefährlichen Unbesonnenheit, was ihn klar von Nathan unterscheidet.  (vgl. Große 1987, S.73)

  6. Der Wunsch Saladins, "des Höchsten Milde" nachzuahmen, die "sonder Auswahl über Bös' und Gute" sich ergießt, ist eine stupide Nachäfferei des Allerhöchsten ohne des "Höchsten immer volle Hand". (vgl. Große 1987, S.73f.)

  7. "Saladin ist ein Fürst, dem der Dichter die edelsten Charakterzüge beilegt." (Königs Erläuterungen, 24. Aufl. , S.62)

  8. "Trotz der persönlichen Integrität Saladins ist sein Regiment vom Makel absolutistischer Willkür gekennzeichnet." (Barner u. a. 1987, S.322)

  9. In Saladins Verhalten zeigt sich die Widersprüchlichkeit eines absolutistischen Monarchen . (vgl. Sedding 1992, S.77)

  10. "Lessing hat aus dem großen Sultan […] eine sympathische, menschliche Gestalt gemacht; zwar erklärt er das Verhalten des Sultans nicht in erster Linie aus den realpolitischen Konstellationen oder aus der Korangläubigkeit dieses Herrschers, aber er folgt auch nicht den beschönigenden Quellen seines Saladin-Wissens, den Ausführungen Marins und Voltaires, die den Sultan zum Idealbild des aufgeklärten Monarchen umgestaltet haben.“
    (Kröger 1991/98, S.41)

  11. "Auf dem Richtblock hat er dem Ritter das Leben geschenkt. Man wird diese Begnadigung einen Augenblick der Hellsicht nennen dürfen, doch zugleich als eine Instinkthandlung ohne sittlichen Grund verstehen dürfen. Deshalb kann Saladin den Geretteten auch gleich wieder vergessen." (Neumann 1977, S.65)

 

 
   Arbeitsanregungen:
  1. Setzen Sie sich mit folgenden Thesen zur Interpretation der Figur des Saladin auseinander.

  2. Ziehen Sie dazu die entsprechenden Textbelege heran.

 →Operatorenkatalog des Landes Baden-Württemberg)

 

     
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