Home
Nach oben
Zurück
Weiter
 

 

Lessing: Nathan der Weise

Nathans Denkmodell in der Ringparabel

III,7: Die Ringparabel


Nathans indirekte Zurückweisung der Wahrheitsfrage Saladins in der Ringparabel (III,7) erfolgt auf der Grundlage eines "Denkmodells" (Oelmüller 1969, S.79ff.), das folgende Varianten besitzt.

(Quellen: (Demetz 1966, K. Eibl 1981)

Mit der Ringparabel, die dem etablierten Deutungsrahmen zufolge, "das gedankliche Zentrum" des Dramas darstellt und die "gedanklichen Fundamente" der Handlungskonstruktion offenbart (vgl. Fick (2010, S.492), macht Lessing auch seine religionsphilosophische Position zwischen »Offenbarungsreligion und »Deismus deutlich. Jene, zu denen die monotheistischen Religionen Judentum, Christentum und Islam zählen, berufen sich darauf, "von Gott eine (meist auch schriftlich festgehaltene) Offenbarung erhalten zu haben" (Wikipedia, 23.06.14). Aus diesem Grund werden sie mitunter auch als "Buchreligionen" bezeichnet, weil sie die ihnen angeblich zuteil gewordenen Offenbarungen Gottes in ihren  in ihren jeweiligen »heiligen Schriften: »hebräische Bibel, »christliche Bibel und »Koran. Deistische Vorstellungen gehen zwar auch wie jene davon aus, dass die Welt zwar Gottes Schöpfung ist, sind aber der festen Überzeugung, dass Gott nach der Schöpfung in den Lauf der Dinge auf der Welt nicht mehr direkt eingegriffen hat und eingreift. Statt dem Menschen also noch einmal per Offenbarung mitzuteilen, was ein gottgefälliges Lebens und vieles mehr ausmacht, hat er den Menschen mit Vernunft ausgestattet, die ihm den richtigen Weg aufzuzeigen in der Lage ist. Führende Deisten gingen dementsprechend so weit, die ganzen Offenbarungen als Betrug zu brandmarken, was aber von Lessing keineswegs geteilt worden ist. (vgl. seine Positionen im so genannten Fragmentenstreit) Mehr noch: Mit der Ringparabel im "Nathan" distanziert sich Lessing sogar eindeutig von solchen Verschwörungstheorien, "indem er die genaueren Entstehungsgründe der Religionen als irrelevant abtut", weil das eigentliche Wertkriterium für eine Religion für ihn das moralische Verhalten ihrer Anhänger ist. (Nisbet 2008, S.708)

Gert Egle, zuletzt bearbeitet am: 26.09.2014

  
   Arbeitsanregungen:
  1. Zeigen Sie, auf welche Aussagen Nathans in der Ringparabel sich die drei Modellvarianten beziehen lassen.

  2. Erläutern Sie, welche Konsequenzen sich aus den drei Varianten für den Umgang der Religionen miteinander ergeben.

  3. Welche Bedeutung kommt in diesem Denkmodell dem Rat zu, den der Richter in der Ringparabel gibt?

 

     
  Text ] Bausteine ]  
     

          CC-Lizenz
 

 

Creative Commons Lizenzvertrag Dieses Werk ist lizenziert unter einer Creative Commons Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 International License (CC-BY-SA) Dies gilt für alle Inhalte, sofern sie nicht von externen Quellen eingebunden werden oder anderweitig gekennzeichnet sind. Autor: Gert Egle/www.teachsam.de