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Bausteine zu Lessing: Nathan der Weise - 2. Akt: Szene 5

Arbeitsanregungen zur Analyse der Szene

II,5 - Nathan und der Tempelherr: Beginn der Freundschaft

 
FAChbereich Deutsch
Glossar Literatur Literarische Gattungen Dramatische Texte Autorinnen und Autoren Gotthold Ephraim Lessing Nathan der Weise
teachSam-YouTube-PlaylistÜberblick Gesamttext (Recherche-/Leseversion) Entstehungsgeschichte Historischer Hintergrund Aufbau des Dramas Handlungsverlauf Inhalt Akte Inhaltsüberblick (I,1 - V,8) Szenenüberblick Akt-/Szenenschema 1.Akt Zweiter Akt Inhaltsüberblick Szenenüberblick II,1 II,2 II,3 II,4 [ II,5 - Nathan und der Tempelherr: Beginn der Freundschaft Text II,5 Aspekte der Szenenanalyse Bausteine ] II,6 II,7 II,8 II,9 Bausteine 3. Akt4. Akt 5. Akt Orte der Handlung Bausteine Wichtige Motive ▪ Figurenkonstellation ▪ Figurenkonzeption ▪ Einzelne Figuren ▪ Sprachliche Form (Blankvers) ▪ Rezeptionsgeschichte ▪ Textauswahl ▪ Portfolio ▪ Klassenarbeiten / Klausuren ▪ Links ins Internet ▪ Bausteine Schreibformen Operatoren im Fach Deutsch
 

Methodenrepertoire zur szenischen Erarbeitung von Dramentexten
Strukturen dramatischer Texte
Analyse einer dramatischen Szene im Überblick
Formen des Gesprächs im Drama
Analyse der dramatischen Kommunikation
Dramenhandlung
Figurengestaltung
Raumgestaltung
Zeitgestaltung
Dramatische Spannung
Wissensunterschiede
Perspektiven und Perspektivenstruktur
Dramatische Rede
Formtypen des Dramas
Dramaturgie und Inszenierung

Zu II,5: Nathans erste Begegnung mit dem Tempelherrn (1) lassen sich je nach gewähltem Untersuchungsaspekt u. a. folgende Arbeitsanregungen geben:

Allgemeine Analyse der Szene: (vgl. Analyse einer dramatischen Szene)
  1. Geben Sie den Inhalt des Gesprächs zwischen Nathan und dem Tempelherrn unter Berücksichtigung der Gliederung des Gesprächsverlaufs nach inhaltlich-thematischen Gesichtspunkten wieder. (FAQ 13)

  2. Untersuchen Sie den Verlauf des Gesprächs zwischen Nathan und dem Tempelherrn unter kommunikationstheoretischen/-psychologischen Gesichtspunkten. 

    • Achten Sie dabei auf Gesprächsanteile, Unterbrechungsverhalten und Äußerungen, die auf die dem Sprecher eigene Beziehungsdefinition zu seinem Gesprächspartner schließen lassen.

    • Zeigen Sie, wo unter kommunikationspsychologischem Aspekt Wendepunkte im Gespräch festzustellen sind.

Einzelaspekte
  1. Welche Erwartungen hinsichtlich des Gesprächsverlaufs haben die Zuschauer angesichts der ihnen bis zu diesem Zeitpunkt des Dramas verfügbaren Informationen?

  2. Wie gestaltet der Tempelherr, wie gestaltet Nathan zu Beginn des Gesprächs die Beziehung zu seinem jeweiligen Gesprächspartner?

  3. Wodurch sieht sich der Tempelherr zu einer Änderung seiner Beziehungsdefinition gegenüber Nathan veranlasst? Woran ist dies im Text erkennbar?

  4. Geben Sie Regieanweisungen zum mimisch-gestischen Verhalten der beiden Gesprächspartner, die die Entwicklung der Beziehung der beiden zueinander während des Dialogs unterstreichen.

  5. Welche gemeinsamen Grundüberzeugungen stellen neben der echten, authentischen Begegnung der beiden Figuren die Grundlage ihrer entstehenden Freundschaft dar? (vgl. Baustein)

Produktive Textarbeit - Textproduktive Verfahren: Transformieren - Kreatives Schreiben: literarisches Rollenspiel) - Vorlage

Die stilisierte Sprache Lessings im »Nathan« mit ihrer Blankversform ist heute nicht einfach zu verstehen. Um das Textverständnis zu verbessern,  kann man versuchen, den Text Lessings im "Klartext zu" lesen und ihn dafür in Prosa zu übersetzen.  

  1. Schreiben Sie den nachfolgenden Dramenauszug in eine moderne Prosasprache um. (vgl. auch weitere textproduktive Verfahren). 

  2. Arbeiten Sie dabei die gemeinsamen Grundüberzeugungen klar und deutlich heraus.

  3. Tragen Sie Ihren Prosadialog in verteilten Rollen vor.

  4. Vergleichen Sie die Wirkung der Prosaform mit der Blankversform und der stilisierten Sprache im »Nathan«.

NATHAN. [...]
   Ich weiß, wie gute Menschen denken; weiß,
   Dass alle Länder gute Menschen tragen.
TEMPELHERR. Mit Unterschied, doch hoffentlich?
NATHAN. Jawohl;
   An Farb', an Kleidung, an Gestalt verschieden.
TEMPELHERR. Auch hier bald mehr, bald weniger, als dort.
NATHAN. Mit diesem Unterschied ist's nicht weit her.
   Der große Mann braucht überall viel Boden;
   Und mehrere, zu nah gepflanzt, zerschlagen                                       1280
   Sich nur die Äste. Mittelgut, wie wir,
   Find't sich hingegen überall in Menge.
   Nur muss der eine nicht den andern mäkeln.
   Nur muss der Knorr den Knuppen hübsch vertragen.
   Nur muss ein Gipfelchen sich nicht vermessen,
   Dass es allein der Erde nicht entschossen.
TEMPELHERR. Sehr wohl gesagt! - Doch kennt Ihr auch das Volk,
   Das diese Menschenmäkelei zuerst
   Getrieben? Wisst Ihr, Nathan, welches Volk
   Zuerst das auserwählte Volk sich nannte?                                        1290
   Wie? wenn ich dieses Volk nun, zwar nicht hasste,
   Doch wegen seines Stolzes zu verachten,
   Mich nicht entbrechen könnte? Seines Stolzes;
   Den es auf Christ und Muselmann vererbte,
   Nur sein Gott sei der rechte Gott! - Ihr stutzt,
   Dass ich, ein Christ, ein Tempelherr, so rede?
   Wenn hat, und wo die fromme Raserei,
   Den bessern Gott zu haben, diesen bessern
   Der ganzen Welt als besten aufzudringen,
   In ihrer schwärzesten Gestalt sich mehr                                          1300
   Gezeigt, als hier, als itzt? Wem hier, wem itzt
   Die Schuppen nicht vom Auge fallen . . . Doch
   Sei blind, wer will! - Vergesst, was ich gesagt;
   Und lasst mich! (Will gehen.)
NATHAN.         Ha! Ihr wisst nicht, wie viel fester
   Ich nun mich an Euch drängen werde. - Kommt,
   Wir müssen, müssen Freunde sein! - Verachtet
   Mein Volk so sehr Ihr wollt. Wir haben beide
   Uns unser Volk nicht auserlesen. Sind
   Wir unser Volk? Was heißt denn Volk?
   Sind Christ und Jude eher Christ und Jude,                                   1310
   Als Mensch? Ah! wenn ich einen mehr in Euch
   Gefunden hätte, dem es gnügt, ein Mensch
   Zu heißen!

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Gert Egle, zuletzt bearbeitet am: 20.04.2021

 
 

 
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