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Lessing: Nathan der Weise

Die Interpretation der politischen Lage

II,1: Saladin und Sittah beim Schachspiel


In  II,1: Saladin und Sittah beim Schachspiel werden die unterschiedlichen Einschätzungen Sittahs und Saladins über die politische Lage in Jerusalem und Palästina dargestellt. Dies lässt sich mit  folgender Strukturskizze (Schaubild, Strukturbild) visualisieren.

Der Dialog zwischen Saladin und Sittah verläuft symmetrisch, d.h. beide Gesprächspartner sind gleichberechtigt, und ihr Gesprächsverhalten zeigt, dass Saladin den Rat seiner Schwester durchaus ernst nimmt. An keiner Stelle des Gesprächs beansprucht er als Sultan oder als Mann eine dominante Gesprächsposition. Selbst als er sich von Sittah mit seinen Vorstellungen als Träumer angegriffen sieht, bleibt er gelassen und reagiert sehr einfühlend auf diese Kritik. Die Positionen von Sittah und Saladin zur aktuellen politischen Lage gehen weit auseinander. Während Sittah die Gegensätze zwischen Christen und Moslems wegen des religiös-ideologischen Dogmatismus der Christen für unüberbrückbar hält, kann Saladin differenzieren zwischen religiösen und machtpolitischen Gegensätzen als Antriebsmomenten der sich vor seinen Augen vollziehenden Entwicklung. Dies verhindert, dass er sich die Option eines Interessenausgleichs, der durch politisches Handeln herbeigeführt werden kann, prinzipiell offen hält, auch wenn seine Pläne, eine dauerhaften Frieden durch seine Absprachen mit Richard I. Löwenherz von England zu schaffen, offenkundig gerade zum Scheitern verurteilt sind.

Gert Egle, zuletzt bearbeitet am: 26.09.2014
 
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