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Elisabeth Langgässer, Saisonbeginn

Interpretationsprobleme

Die sog. Neue Rechte und Elisabeth Langgässer

 

Die Kurzgeschichte»Saisonbeginn« von Elisabeth Langgässer ist ein Text, der in den Schulen häufig und gerne zur Interpretation kommt. 

Wer sich über Suchdienste im Internet unter dem Stichwort "Langgässer" auf die Suche nach brauchbaren Informationen über die Autorin macht, wird unter den Suchergebnissen auch einen Link auf eine der bekanntesten Seiten der sog. Neuen Rechten finden (jungefreiheit.de). Kennzeichnend für diese rechtsextremen Gruppierungen sind u.a. ihre explizite Distanzierung von der "erfolglosen" NS-Vergangenheit und der Versuch, rechte Ideologie intellektuell aufzupolieren.

Unter dem Titel "Verkünderin christlicher Hoffnung" äußert sich Werner Olles in der Rubrik "Vergessene Schriftsteller" über das Werk Elisabeth Langgässers. (s.u.)

Dabei macht er sich vor allem den mythologisch fundierten Naturkult Langässers zu eigen, der sich mit ihrer Aufklärungs- und Vernunftkritik verbindet. (vgl. dazu auch: Verena Flick, Der Exodus der Muttergöttin Elisabeth Langgässer und ihre Tochter Cordelia, in: Der Tagesspiegel, 20. Oktober 1998)

Werner Olles führt aus:

"Eberhard Horst hat Elisabeth Langgässers literarische Arbeit in seiner nicht gedruckten Dissertation 1955 als "christliche Dichtung und moderne Welterfahrung" beschrieben. Dies trifft jedoch nur zum Teil zu, denn Elisabeth Langgässer war zwar eine christliche Dichterin der Gegenwart, aber ihre Sichtbarmachung einer christlichen Wirklichkeit unter dem zentralen Aspekt des Erlösungsgedankens ist immer nur verständlich vor dem Hintergrund und dem tragenden Element ihrer Dichtungen: dem heimatlichen Ried und dem Altrheintal, dem von Geschichte und Mythen gesättigten Boden Rheinhessens. 
Am Erlebnis dieser alles überwuchernden und überdauernden Natur entzündete sich ihr Sinn für das animalische und vegetative Element.[...]

Elisabeth Langgässer wurde am 23. Februar 1899 in Alzey geboren. Nach einer pädagogischen Ausbildung war sie fünf Jahre lang Volksschullehrerin, zog 1928 nach Berlin, wo sie als Dozentin für Pädagogik arbeitete und schließlich freie Schriftstellerin wurde. Hier gehörte sie dem Kreis der "Kolonne" um Günter Eich, Peter Huchel und Oskar Loerke an. 1935 heiratete sie, ein Jahr später erhielt sie als "Halbjüdin" Schreibverbot und wurde schließlich 1944 zwangsdienstverpflichtet. [...]

Ihr erster Roman "Der Gang durch das Ried" (1936) zeigte hingegen die wechselseitige Spiegelung einer Landschaft mit einer menschlichen Seele. Ein Heimkehrer, der Namen und Gedächtnis verloren hat, mit dunkler Blutschuld beladen, sucht seine Identität wiederzufinden. Er haust in einem verlassenen Militärlager, einem von Verbrechen, Hunger und Unzucht infizierten Niemandsland. Die Figuren bleiben anonym, Marionetten vor der naturmagischen Kulisse, die sich aus Jahreszeit und Landschaft erbaut. In diesem mystischen Zyklus gibt es nur die ewige Wiederkehr von Werden und Vergehen, von Zeugung und Vernichtung. [...]

Elisabeth Langgässers Romane spiegelten jetzt ganz ihren katholischen Glauben. Die Hinneigung zu weltlichen Reizreaktionsschemen streitet jedoch mit dem Willen zu geistiger Ordnung. So ist es im Grunde eine quälerische Promiskuität von Heiligkeit und Satanismus, von Askese und Wollust, die eine Atmosphäre blasphemischer Verruchtheit schafft. Immer erscheint der Mensch bei Langgässer als radikal triebverfangen, verdorben und demzufolge ohnmächtig. Retten kann ihn letztlich nur der Sprung in die Agnosia des blinden Glaubens, eine Vorstellungswelt, die stark in die Nähe gnostischer und manichäischer Spekulationen rückt.

Manchmal gelang es der mehr synkretistisch als synoptisch veranlagten Dichterin nur schwer oder erst am Ende, die mythologische Welt Pans in den christlichen Kosmos heimzuholen. [...]

Wie kaum ein anderer Dichter hat sie das Wirken der göttlichen Gnade im Chaos menschlicher Leidenschaften, Verirrungen und Verbrechen als Heilsfrage metaphorisch-literarisch konkretisiert. Trotz manch düsterer Prognosen blieb Elisabeth Langgässer indessen stets eine Verkünderin christlicher Hoffnung."

   


   Arbeitsanregungen:

Untersuchen Sie die Interpretationsaussagen.

  1. Zeigen Sie, welche Aspekte im literarischen Werk Elisabeth Langgässers vom Autor besonders hervorgehoben werden.
  2. Welche Aspekte ihrer Biographie werden erwähnt? Welche nicht? Mit welcher Absicht?
  3. An welchen inhaltlichen und sprachlichen Elementen lässt sich eine rechte Orientierung des Interpreten bzw. festmachen? Inwiefern passt der Text in das Erscheinungsbild der Neuen Rechten?
  4. Diskutieren Sie in Ihrer Klasse/Ihrem Kurs, welche Möglichkeiten es gibt, rechtsorientierte bzw. rechtsextreme Informationsquellen im Internet zu erkennen.

  

       
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