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Elisabeth Langgässer, Saisonbeginn

Erzähltechnische Mittel

 

Elisabeth Langgässer verwendet zur Gestaltung der Aussage in ihrer Kurzgeschichte »Saisonbeginn« u. a. die nachfolgenden erzähltechnischen Mittel:

 

 

Darbietungsformen:

  • Erzählerbericht: Die Geschichte wird im Erzählerbericht (Redebericht) dargeboten.
  • Showing 
    fiktionaler Bericht: Die Geschichte wird, soweit es die Darbietung der zeitlichen Vorgänge, das Aufstellen des Schildes durch die Arbeiter und die Reaktionen der Bevölkerung im Modus des Showing erzählt. 
  • Telling
    Der Erzähleingang mit der "schrägen" Naturschilderung ist dagegen als Telling zu verstehen, da die Beschreibung der Natur einen das Geschehen konterkarierenden und damit auch kommentierenden Charakter besitzt. 

Zeitgestaltung:

  • linear: Was im Rahmen der Schildaufstellung geschieht, wird in einer kontinuierlichen, d.h. linearen Zeitfolge dargestellt, ohne Vor- und Rückgriffe.
  • Zeitraffung: Der Zeitablauf selbst ist etwas gerafft, aber ohne Auslassungen im Handlungsverlauf.
  • Erzählte Zeit: Das Geschehen der Geschichte ereignet sich an einem Spätfrühlingstag an einem Nachmittag (»die Nachmittagssonne glitt wie ein Finger über die zollgroßen Buchstaben hin«), als die Schulkinder aus der Schule und die Arbeiter vom Feld kommen. Der Zeitraum des erzählten Geschehens kann nur geschätzt werden, dürfte aber wohl kaum mehr als eine Stunde umfassen.
  • Erzähltempus:
    Die Geschichte wird durchgehend im Präteritum erzählt.

Raumgestaltung

  • Handlungsraum: Ort des Geschehens (ein Kurort irgendwo in den Bergen) wird eingangs im Hinblick auf seine wirtschaftlichen Interessen dienenden Aktivitäten beschrieben: Er hat sich für die anbrechende Fremden- bzw. Urlaubssaison herausgeputzt. (»Auch die Häuser und Gasthöfe waren wie neu: ihre Fensterläden frisch angestrichen, die Schindeldächer gut ausgebessert , die Scherenzäune ergänzt.« Abgesehen von diesen nicht näher bezeichneten Gebäuden (Ausnahme das Schild: »Zwei Minuten zum Café Alpenrose.«, das einem der Gasthäuser einen Namen gibt), gibt es noch eine »Tankstelle«, eine notwendige, wie auch lohnende Serviceeinrichtung für die bald mit ihren Autos anrückenden Kurgäste und Touristen. Dazu kommt noch eine »Gemeindewiese« und eine Stelle, wo ein Wegkreuz steht. Der Raum, der mit diesen wenigen Elementen konstituiert wird, reicht aus, um die Handlungen der Figuren räumlich zu situieren und in den Kontext der allgemeinen Geschäftigkeit des, bis auf das noch fehlende Schild nahezu bestens vorbereiteten Kurortes, einen »Atemzug« vor »Saisonbeginn« zu situieren.
  • Kontrastraum: Die Naturschilderung zu Beginn, die zu "deftiges Bild eines sich üppig verschwendenden, saft - und kraftstrotzenden Frühlingstages in einem almenumgebenden Passörtchen" zeichnet (Lehmann (1966, S. 92) spielt mit einer idyllischen Stimmung und bricht diese Vorstellung zugleich. Damit steht sie im Gegensatz zu dem herausgeputzten Örten.
  • Die Raumdarstellung öffnet sich mit den mystischen Bildern, die der Erzähler im Zusammenhang mit dem Holzkreuz, der Mantelmadonna und dem von der Abendsonne gezeichneten Menetekel zu einem Symbolraum, der naturmagische mit biblischen Elementen verknüpft. »die Nachmittagssonne glitt wie ein Finger über die zollgroßen Buchstaben hin und fuhr jeden einzelnen langsam nach wie den Richtspruch an einer Tafel…
    Auch der sterbende Christus, dessen blasses, blutüberronnenes Haupt im Tod nach der rechten Seite geneigt war, schien sich mit letzter Kraft zu bemühen, die Inschrift aufzunehmen: man merkte, sie ging ihn gleichfalls an, welcher bisher von den Leuten als einer der ihren betrachtet und wohl gelitten war. Unerbittlich und dauerhaft wie sein Leiden, würde sie ihm nun für lange Zeit schwarz auf weiß gegenüberstehen«

Textsorte

  • Kurzgeschichte: unvermittelter Beginn, offener Schluss; Alltäglichkeit der Sprache, des Ortes, der Personen; Kürze; Punktualität der Zeit, des Ortes, der Personen, der Handlung

Erzählperspektive

  • Der Erzähler der Geschichte ist in der Geschichte als Ganzes nicht auf eine Perspektive festgelegt. Sein Erzählverhalten ist mitunter kommentierend (s. Naturbeschreibung), ohne sich als Erzähler dabei selbst kenntlich zu machen, ist dann aber wieder neutral, wenn es um das Hin und Her bei der Schildaufstellung geht. Die naturmagischen Wahrnehmungen, von denen er am Ende berichtet (»man (!) merkte,«). lässt ihn wieder die Sicht eines mitten im Geschehen befindlichen personalen Erzählers einnehmen, die auch die pointierte Wiedergabe des Schildtextes erst am Ende der Geschichte aufnimmt.

Gert Egle, zuletzt bearbeitet am: 27.02.2014

       
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