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Franz Kafka: Heimkehr

Korrekturbemerkungen

Vorschläge für ein individuelles und zugleich standardisiertes Feedback


Die nachfolgenden Korrekturbemerkungen beziehen sich auf Probleme bei der Interpretation von Franz Kafkas Parabel »Heimkehr« im Rahmen einer schulischen Klausuraufgabe.
Sie können als Textbausteine in die Dokumentvorlage eines Word-Dokuments mit dem vorstehenden Kürzel eingefügt werden, und über die Autotext-Funktion auch damit wieder aufgerufen werden. Sie können darüber hinaus auch stets ergänzt und erweitert werden.
Ausgehend vom vorliegenden Htlml-Dokument können die Textbausteine auch per Drag and Drop in ein individuelles Feedbackformular eingefügt werden und dort nach Belieben modifiziert werden.

BIOGRAPHISCHER ANSATZ

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Biographischer Ansatz (-)/Textbezug (-)

Sie haben den biographischen Ansatz für die Interpretation z.T. gelungen in Ansatz gebracht. Allerdings sollten Sie auch dabei auf den nötigen Textbezug achten, also vorwiegend jene biographischen Gesichtspunkte heranziehen, die die von Ihnen erarbeitete Interpretation weiter entfaltet und vertieft.

INHALTLICHE ERFASSUNG - INHALTLICHE ANALYSE

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Inhalt (+)/Handlungsverlauf (+)

Sie haben den Inhalt unter Berücksichtigung der Gliederung des Handlungsverlaufs gut erfasst, und dabei die wesentlichen Besonderheiten der verschiedenen Situationen, in die das Erzähler-Ich gerät, analysiert.

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Inhalt (-)/ (äußerer ) Handlungsverlauf ohne Gliederung in Situationen (-)

Sie haben den Inhalt der Parabel nicht genau genug erfasst. Dies liegt u. a. daran, dass Sie den äußeren Handlungsverlauf nicht in einzelne Situationen gegliedert haben ( z.B. Ankunft am Hof, Überqueren des Hofes, vor der Küchentüre). Damit hätten  Sie u. U. die eintretende Verunsicherung des Erzähler-Ichs besser herausarbeiten können, die um so größer wird, je näher es räumlich gesehen an das Ziel seiner "Heimkehr " herankommt. Der Widerspruch zwischen äußerer und innerer Heimkehr wäre dann deutlicher erkennbar gewesen.
Aus der Zusammenstellung des Handlungsverlaufs könnte sich eine Gliederung in Situationen ergeben, in denen sich das Erzähler-Ich befindet oder denen sich das Erzähler-Ich sich ausgesetzt sieht, z.B.:

  1. Ankunft/"Heimkehr" des Sohnes am väterlichen Hof, der auf ihn einen unheimlichen und abweisenden Eindruck macht

  2. zunächst Selbstvergewisserung über "Heimkehr", dann zusehends Verunsicherung über Haltung der im Hof Anwesenden und daraus resultierende emotionale Unsicherheit des Erzähler-Ichs

  3.  Angst des Erzählers durch Klopfen an der Küchentüre auf sich aufmerksam zu machen, die "Beziehungssperre" Tür zu überwinden

  4. Beklemmung beim Lauschen ertappt/entlarvt zu werden

  5. Distanzierungsversuch des Erzähler-Ichs (man) und Gefühl zunehmender Fremd­heit; Entfremdung und/oder Befremdung

  6. Bloß vorgestelltes, vom Zufall herbeigeführtes Zusammentreffen mit einer der in der Küche befindli­chen Personen ermöglicht keine echte Begegnung/Heimkehr

Gerade bei  so kurzen, aber äußerst dichten Parabeltexten ist es also erforderlich ,"mit der Lupe" an die Textelemente heranzugehen.

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Inhalt (-)/Handlungsverlauf/Textbeispiele(-)

Sie haben den (äußeren) Handlungsverlauf nicht hinreichend berücksichtigt. Einige Beispiele sollen Ihnen zunächst einmal zeigen, wie genau das Verhalten des Erzähler-Ichs zu betrachten wäre.

Erzähler-Ich

  •     ist zurückgekehrt

  •     blickt sich um

  •     ist im alten Hof des Vaters

  •     sagt sich: ich bin angekommen

  •     überlegt, wer ihn empfangen könnte

  •     geht davon aus, daß man auf es warte

  •     blickt auf die Küchentüre

  •     vergewissert sich über seine Empfindungen

  •     fühlt sich unsicher

  •     hat Bedeutung der Dinge vergessen bzw. nie erkannt

  •     überlegt, welchen Nutzen es den hinter der Türe Sitzenden bringen könne

  •     fragt sich, was es ihnen bedeute

  •     wagt nicht zu klopfen

  •     horcht aus der Ferne

  •     will nicht als Horcher ertappt werden

  •     erhorcht nichts

  •     hört nur einen leichten Uhrenschlag herüber aus den Kindertagen

  •     nimmt an, dass die in der Küche Befindlichen ein Geheimnis vor ihm haben

  •     verallgemeinert/distanziert sich (man)

  •     gerät in Selbstzweifel

Aus dieser Zusammenstellung des Handlungsverlaufs könnte sich eine Gliederung in Situationen ergeben, in denen sich das Erzähler-Ich befindet oder denen sich das Erzähler-Ich ausgesetzt sieht, z.B.:

  1. Ankunft/"Heimkehr" des Sohnes am väterlichen Hof, der auf ihn einen unheimlichen und abweisenden Eindruck macht

  2. zunächst Selbstvergewisserung über "Heimkehr", dann zusehends Verunsicherung über Haltung der im Hof Anwesenden und daraus resultierende emotionale Unsicherheit des Erzähler-Ichs

  3. Angst des Erzählers durch Klopfen an der Küchentüre auf sich aufmerksam zu machen, die "Beziehungssperre" Tür zu überwinden

  4. Beklemmung beim Lauschen ertappt/entlarvt zu werden

  5. Distanzierungsversuch des Erzähler-Ichs (man) und Gefühl zunehmender Fremdheit, Entfremdung und/oder Befremdung

  6. Bloß vorgestelltes, vom Zufall herbeigeführtes Zusammentreffen mit einer der in der Küche befindli­chen Personen ermöglicht keine echte Begegnung/Heimkehr

 SCHLÜSSELBEGRIFFE ZUR INTERPRETATION

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 Schlüsselbegriffe: Orientierungslosigkeit/Beziehungslosigkeit (-)

Einige wichtige Schlüsselbegriffe zum Verständnis der Parabolik Franz Kafkas (Orientierungslosigkeit, Beziehungslosigkeit etc.) haben in Ihre Interpretation keinen oder nur einen geringen Eingang gefunden. Dies dürfte ein Grund dafür sein, das der ein oder andere Gedanke bei der Interpretation verflacht.

RAUMGESTALTUNG - RAUMELEMENTE

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 Raumelemente (-)/Textbeispiele (-)

Sie haben einige Raumelemente des Bildbereichs betrachtet und z. T. zur Übertragung in einen möglichen Sachbereich herangezogen. Allerdings bleiben von den strukturbildenden Raumelementen auch eine Reihe außer Betracht. Vergleichen Sie einmal die in der nachfolgenden Aufstellung angesproche­nen Raumelemente mit denen, die Sie in Ihrer Arbeit herangezogen haben.

Strukturbildende  (=  den Inhalt bestimmende) Raumelemente des Textes sind:

  •     Flur

  •     des Vaters alter Hof

  •     Pfütze in der Mitte

  •     altes, unbrauchbares Gerät, ineinanderverfahren, verstellt den Weg zur Bodentreppe

  •     Geländer

  •     Katze

  •     Stange

  •     zerrissenes Tuch

  •     Küche

  •     Küchentür

  •     Schornstein

  •     Rauch

  •     Uhr(enschlag)

Diese Elemente in ihrer Gesamtheit zunächst einmal zu erfassen, ist eine der Voraussetzungen für eine gelungene Interpretation.

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 Raumelemente (-)/Funktion im Bildbereich (-)

Eine genaue Auflistung und Erfassung der strukturbildenden Raumelemente allein genügt für die Analyse des Bildbereichs nicht.  Hinzukommen muss die Interpretation ihrer Funktion im Rahmen des Bildbereichs selbst. Nur wenn dieses In-Bezug-Setzen der Elemente des Bildbereichs zueinander gelingt, können die Beziehungen der Elemente zueinander auch für die nachfolgende Übertragung in einen möglichen Sachbereich fruchtbar gemacht werden. Bevor Sie sich also an die Übertragung des Bildbereichs auf den Sachbereich machen, sollten Sie Funktion der Elemente im Bildbereich genauer ins Auge fassen und beschreiben.

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 Raumelemente (-)/Interpretation im Bildbereich (-)

So wäre im vorliegenden Text von Franz Kafka daran zu denken, die Raumelemente des Bildbereichs zunächst einmal danach zu ordnen, welchen Gefühlswert sie für das Erzähler-Ich haben bzw. haben könnten. Zu untersuchen wäre demgemäß anhand der sprachlichen Darbietung der Raumelemente (Attribuierungen, Kontext, Bewertungen), wie das Erzähler-Ich diese Raumelemente wahrnimmt.
Zu denken wäre dabei u. a. an:

  •     des Vaters alter Hof

  •     Pfütze in der Mitte

  •     altes, unbrauchbares Gerät, ineinanderverfahren, verstellt den Weg zur Bodentreppe

  •     Katze lauert

  •     zerrissenes Tuch

  •     Schornstein [Wärme]

  •     Rauch [Wärme]

  •     kalt steht Stück neben Stück

  •     leichter Uhr(enschlag)

SPRACHLICHE ANALYSE

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 Sprachliche Analyse (-)

Die sprachlichen Besonderheiten des Parabeltextes (distanziert sachlich wirkender Stil, asyndeti­sche Reihung zu Beginn, gleichartiger Satzbauplan mit Spitzenstellung des Ich-Personalprono­mens, Übergang zu Fragesätzen in W-Form, Wiederholungen, Konjunktivgebrauch, Ellipsen, usw.) werden von Ihnen nur zum Teil erfaßt und für die Interpretation herangezogen.

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 Sprachliche Analyse (--)

Sie haben zwar einige wenige sprachliche Eigenheiten der Parabel angesprochen, doch gelingt es Ih­nen nicht, sie für die Interpretation nutzbar zu machen.

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 Sprachliche Analyse (--)

Die sprachliche Analyse des Textes ist ohne hinreichende Bindung an die gemachten Interpretationsaussagen. Sie sollten sich daher mehr bemühen, die Funktion der sprachlichen Gestaltungselemente für die Gesamtaussage des Textes besser zu berücksichtigen.

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 Sprachliche Analyse (---)

Die sprachlichen Besonderheiten des Textes wie der distanziert sachlich wirkende Stil, die asyndeti­sche Reihung zu Beginn, der gleichartige Satzbauplan mit Spitzenstellung des Ich-Personal­pronomens, der Übergang zu Fragesätzen in W-Form, die Wiederholungen, der Konjunktivge­brauch, Ellipsen, usw. sind nicht erfasst.

 

Gert Egle, zuletzt bearbeitet am: 12.02.2014

   
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