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Hanna Johansen, Der Mangobaum

Die Zeitwahrnehmung der Ich-Erzählerin und von Franz

 
 
  Bei der Interpretation der Kurzgeschichte »Der Mangobaum« von Hanna Johansen spielt die unterschiedliche Zeitwahrnehmung der Ich-Erzählerin und Franz eine große Rolle.

"Unbeschreibliche männliche Unfähigkeit, einen verlässlichen Zeitsinn zu entwickeln"

Franz besitzt kein Gespür für den realen Zeitablauf:

  • Ihm erscheint die vergangene Zeit fast immer doppelt so lange wie der Ich-Erzählerin

  • Nur im letzten erzählten Gesprächsausschnitt hat er offenbar ein vollkommen anderes Zeitgefühl als seine Partnerin (er "vertut" sich nach Ansicht der Ich-Erzählerin, um ein ganzes Jahr)

Wie geht die Ich-Erzählerin mit der unterschiedlichen Zeitwahrnehmung um?

Zunächst scheint sie das als eine typisch männliche Eigenart zu betrachten, denn wie als anthropologische Konstante formuliert, erscheint ihr Gedanke, nicht über die "Unbeschreibliche männliche Unfähigkeit, einen verlässlichen Zeitsinn zu entwickeln" mit Franz reden zu wollen.
Aus diesem Grunde übergeht sie in dem Gespräch im Winter auch, dass er sich wieder - und zwar wieder um das Doppelte im Vergleich zu ihrer Zeitwahrnehmung - verschätzt.
Der nächste Gesprächsabschnitt - im Frühjahr - verläuft, ohne dass Franz offensichtlich eine Äußerung über die bereits verstrichene Zeit macht. Stattdessen nimmt die Ich-Erzählerin an, dass nach seiner Zeitwahrnehmung schon eineinhalb Jahre vergangen sein mussten.
Die Ich-Erzählerin erinnert sich daraufhin selbst an eine Äußerung von Franz, der "am Anfang" zu ihr gesagt habe, sie gebe dem Kern zu wenig zu trinken. Im Gegensatz zu ihrer sonstigen Darstellung benutzt sie dafür eine nur zeitlich relative, nicht aber absolu-te zeitliche Größe.
Ebenso - nach der zeitlichen Einordnung in die Zeit nach dem Winter - erzählt sie, dass Franz "in einer Stunde der Fürsorglichkeit" behauptet habe, sie gebe dem Mangokern zuviel Wasser. In diesem Gespräch aber "irrt" er sich bei seiner Zeitwahrnehmung nach Ansicht der Ich-Erzählerin zum ersten Mal so grundlegend, dass sie hinter dieser männlich entschuldbaren "Unfähigkeit, einen verlässlichen Zeitsinn zu entfalten", zum ersten Mal eine klare persönliche Beziehungsaussage wahrnimmt. Sie muss über seinen "Fehler" lachen und wird gleichzeitig von Trauer überwältigt. Gleichzeitig gelangt sie auch zur Selbsterkenntnis, dass sie den Mut verloren habe, ihre Äußerung zu wiederholen.

Gert Egle, zuletzt bearbeitet am: 01.08.2017
 

 
     
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