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Hanna Johansen, Der Mangobaum

Interpretationsaussagen

Aus Schüleraufsätzen

 
 
 

Bei der Interpretation der Kurzgeschichte »Der Mangobaum« von Hanna Johansen haben Schülerinnen und Schüler die folgenden Interpretationsaussagen verfasst.

*Die Zeilenangaben beziehen sich auf die Zeilennummerierung des textplus-pdf-Dokuments.

  1. Z. 21-22 "Franz tat [...] Abends kam er zurück.
    Diese Textstelle zeigt, dass sie alleine zu Hause bleibt und nicht mit ihrem Partner weggeht. Sie entwickelt eine Freundschaft zu dem Fruchtkern und vernachlässigt ihn auf keinster Weise über die anderthalb Jahre hinweg.

  2. Voller Tatendrang blicken sie täglich auf die schlafende Erde, wo darunter der Kern liegt, Hoffnung, dass jeden Tag womöglich ein Spross herausschauen konnte.

  3. Er meint mit dem blauen Topf, dass sie alles schönredet und ihre Hoffnung irgendwo hineinsteckt, wo es keine Hoffnung mehr gibt. Sie soll den Tatsachen endlich ins Auge sehen. Doch das möchte sie nicht.

  4. Die Autorin benutzt in ihrer Kurzgeschichte keine ineinander laufenden, sondern relativ kurze Sätze, die eine sachlich-präzise Aussage liefern, um das Empfinden der Ich-Erzählerin auf den Punkt zu bringen. Somit wird zum Ausdruck gebracht, dass der Ich-Erzählerin die nahe Bindung, das gegenseitige Zuhören, die Zuneigung und Leidenschaft in ihrer Beziehung fehlt.

  5. Die Geschichte sagt aus, dass jeder wie auch der Kern eine spezielle Umgebung braucht, um sich entfalten und wachsen zu können.

  6. Franz, der sich schon damit abgefunden hat, dass der Baum nicht wächst, ist eigentlich uninteressiert und sieht das Ganze als unsinnig an (vgl. Z 33). Seine Frau weiß, dass er vielleicht Recht hat, will es jedoch nicht zugeben und hofft weiterhin, obwohl sie weiß, dass ihre Hoffnung zu nichts führt.
    Dies signalisiert, dass Franz weniger Wert auf die Beziehung legt als seine Frau. Ihr Zusammenleben ist zur Gewohnheit geworden. Deutlich wird auch, dass die Frau weiß, dass es eigentlich keinen Sinn mehr hat, darauf zu warten, dass sich zwischen ihr und ihrem Partner etwas ändert, doch trotzdem will sie noch abwarten und hoffen (vgl. Z 17ff.)

  7. Franz ist wahnsinnig besorgt um den Kern/die Beziehung. Er kniet sich aber nicht rein, er erteilt ihr die Anweisungen und, wenn der Kern dann doch nicht gewachsen ist, lädt er die ganze Schuld bei ihr ab.

  8. Die Geschichte beginnt drei Monate nach der Einpflanzung des Kerns und zieht sich über weitere sechs Monate hinweg. Insgesamt ist der Kern also neun Monate bei dem besorgten Paar. In dieser Zeit kümmern sich die Zwei um den Kern wie um ein menschliches Wesen. Möglicherweise symbolisieren diese neun Monate eine Schwangerschaft. Vielleicht wünschen sich die beiden schon lange ein Kind, aber es will ihnen nicht gelingen, genauso wenig wie aus dem Kern ein Baum wird. Die letzten neun Monate hatten sie sich ganz ähnliche Aufgaben wie in einer Schwangerschaft angeeignet. Sie fühlten sich beide gebraucht und verantwortlich.

  9. Die Beziehung geht nach und nach in die Brüche. Die Ich-Erzählerin steigert sich so sehr in die Beziehung hinein, dass sich von Franz von ihr bedrängt sieht (vgl. Z. 59 "dem Kern mehr Wasser gab, als ihm guttat")

  10. Die Beziehung der beiden ist eigentlich die, dass sie gar keine Beziehung haben. Der Bezug zueinander fehlt, vor allem der von Franz zu seiner Frau.

  11. In Zeile 50 vermittelt uns die Autorin, dass die Beziehung nur dann überlebt, wenn man auch Höhen und Tiefen übersteht. In Zeile 54 weist Hanna Johansen darauf hin, dass die Frau anfangs zu wenig Fürsorge und Aufmerksamkeit für Franz übrig hat, jedoch in Zeile 62 erdrückt sie ihn mit ihrer Fürsorge.

  12.  Die Autorin benutzt kein "hochgestochenes Deutsch". Ihre Sätze sind relativ kurz, dafür aber sehr sachlich und auf den Punkt gebracht. Sie will damit zeigen, dass der Beziehung die Romantik und Aufregung fehlt. Wäre die Beziehung voller Leidenschaft und Romantik müsste man das auch an der Sprache, die sie verwendet, merken.

  13. Im ersten Abschnitt beschreibt die Ich-Erzählerin die Eroberung eines Mannes. Sie verliebt sich in ihn und glaubt, die große Liebe gefunden zu haben. Sie gibt ihm Geborgenheit und Rückhalt (die gute Erde im Topf). Liebe (das Wasser) und umgarnt ihn mit ihrer kühlen Art (das Blau des Blumentopfs). Doch die ganze Liebesmüh ist auch nach sechs Monaten noch immer nicht von Erfolg gekrönt. Er öffnet sich ihr gegenüber nicht. Kann es sein, dass dieser spezielle Mangokern länger braucht, um zu gedeihen? Wer weiß das schon, außer dem Kern selbst?
    Bei anderen Leuten wächst der Baum doch auch, vielleicht dauert es bei mir nur etwas länger. Die Frau hat eine unendliche Hoffnung, die jedoch nach und nach in Verzweiflung umschlägt.

  14. Der Kern der Mangofrucht ist auch der Kern der Beziehung von Franz und seiner Frau. Der Kern symbolisiert ein Zeichen der Liebe und der Partnerschaft, die zwischen den beiden gedeihen soll. Solange der Kern der Frucht nicht aus sich herausgeht und ein Baum heranwächst, wächst auch die Liebe und Leidenschaft der beiden nicht. Der Baum selbst gibt der Frau Hoffnung für die Beziehung.

  15. Auffallend ist auch die Aussage von Franz (vgl. Zeile 22 "Vielleicht hast du auch etwas falsch gemacht), die den Leser zur Annahme bringt, dass es an ihr liegen kann, wenn der Baum nicht wächst, weil sie zu stark darauf fixiert ist, und somit auch die Beziehung betreffend.

  16. Sie weiß nicht, wie die Liebe zu Franz wachsen soll. Er hat auch keine Möglichkeit, mit ihr über die Probleme zu sprechen, weil sie ihn gar nicht zu Wort kommen lässt.

  17. Die Ich-Erzählerin hat erst darüber gelacht, dann geweint (vgl. Z. 69). Sie meinte dann, dass es schon länger nicht mehr funktioniert hat und sie hatte "den  Mut verloren“ wieder von neuem anzufangen (vgl. Z 68f.).

(Quelle des Textes: Hanna Johansen, Die Schöne am unteren Bildrand, München: dtv 1995, S.49-52; München Wien: Carl Hanser Verlag 1990)
 

 
 
   Arbeitsanregungen:

Stellen Sie Stärken und Schwächen der Aussagen fest und machen Sie Verbesserungsvorschläge.

  

 
     
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