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Henrik Ibsen: Nora

Die Figur Nils Krogstad

Literarische Charakteristik - Schülerarbeit

 
 
  Henrik Ibsens Gesellschaftsdrama "Nora. Ein Puppenheim“ (1879) behandelt das Thema der Frauenemanzipation. Das Schauspiel in drei Akten beschreibt das Leben der Eheleute Helmer während der Weihnachtstage. Torvald Helmer ist Rechtsanwalt und gerade zum Direktor einer Aktienbank ernannt worden, was ihm endlich ein Leben in Wohlstand sichert. Mit seiner Frau Nora st er bereits seit acht Jahren verheiratet und sie haben drei kleine Kinder. Die Beziehung der beiden ist recht merkwürdig, da Helmer seine Frau verhätschelt und verwöhnt als sei sie ein kleines Kind, dem man Taschengeld gibt, Naschereien und an den Briefkasten zu gehen verbietet, und dem man nicht all zu viel zutraut. Was Helmer jedoch nicht weiß, ist, dass seine Frau ein Geheimnis vor ihm hütet: sie war es nämlich, die ihm zu seinem jetzigem Leben erst die Voraussetzungen schuf, indem sie kurz nach der Hochzeit bei einem Herrn Krogstad ein Darlehen aufnahm, um ihrem erkrankten Mann einen zur Genesung notwendigen Aufenthalt in Italien zu ermöglichen.
Was nun den großzügigen und geheimnisvollen Gönner betrifft, so handelt es sich bei ihm um einen früheren Rechtsanwalt, der nun als Angestellter in Helmers Bank arbeitet. Krogstad ist Witwer und Vater von vier Kindern (S.23). Er hat vor Jahren eine "Unbesonnenheit“ (S.31) begangen und hat sich mit schmutzigen Geschäften über Wasser gehalten, was seinem gesellschaftlichen Ansehen sehr geschadet hat, dessen er sich jedoch sehr wohl bewusst ist (S.71). Er gibt ehrlich zu, dass er sich auf "Geschäfte“ versteht, selbst wenn er vielleicht kein guter Jurist sein sollte (S.35). Das Ziel, das Krogstad mit allen Mitteln erreichen will, ist die Wiederherstellung seines Ansehens in der Gesellschaft, das er durch seine damaligen schmutzigen Geschäfte verloren hat. Es geht ihm somit um sein "Image“, die eigene bürgerliche Achtung um seiner Söhne willen wieder herzustellen. Er kämpft bis zum Äußersten, um seinen kleinen Posten bei der Bank zu behalten (S.31).
Zu Krogstads Ausdrucksweise ist zu sagen, dass er äußerst redegewandt ist und sich höflich und förmlich ausdrückt ( "Verzeihen Sie...“ S.28). Zudem besitzt er aber auch eine rätselhafte Art sich zu artikulieren ( "Welche Weihnachtsfreude Sie haben, wird von Ihnen selbst abhängen...“ S.29) und weiß sich herauszureden ( "Davon wollen wir vorläufig nicht reden“). Seine gute Sprachfertigkeit zeigt sich an einer Stelle besonders, als er sogar Metaphern verwendet ( "...schiffbrüchiger Mann auf einem Wrack“ S.69).
Krogstad wirkt sehr schlau und legt stellenweise ein listiges Verhalten an den Tag. So deckt er durch genaues und sachliches Nachvollziehen Noras Betrug auf (S.33), will sich Noras Einfluss auf ihren Mann zunutze machen (S.30) und durchschaut auch, dass Frau Linde seine Arbeitsstelle bekommen soll und dass sich Nora dafür eingesetzt hat. Später deckt Krogstad im Gespräch mit Frau Linde auch deren Trick auf, Nora schützen zu wollen (S.72). Ein weiterer Beweis für seine List ist auch die Tatsache, dass er den Brief an Helmer, in dem er diesem Noras Geheimnis offenbaren will, nicht an Nora übergibt, sondern in den Briefkasten steckt, als würde er wissen, dass Helmer den Schlüssel unter Verwahrung hält (S.61). Er nutzt Noras Schwäche für Geld aus, indem er ihr die Auslieferung des Schuldscheins verweigert, selbst wenn sie alles zurückzahlen würde (S.59). Auch weiß er, was in Nora vorgeht, er kennt jenen Gedanken, Helmer und die Kinder zu verlassen, wie auch ihre Selbstmordgedanken (S.59).Seine Skrupellosigkeit zeigt sich, als er Nora auf abschreckende Weise ihren Selbstmord prophezeit (S.61) und als er droht, ihrem Mann die Stelle als Bankdirektor zu entreißen (S.60).
In seinem Sprechverhalten ist eine Entwicklung zu beobachten, eine Steigerung von Bitten über Rat bis hin zu Drohung und Erpressung (S.30/31). Er droht Nora und will sie mit Hilfe des gemeinsamen Geheimnisses erpressen. Als Nora sich dumm stellt, wird er eindringlicher ( "Hören Sie...“ S.32). Krogstad intensiviert seine Rede noch dadurch, dass er ständig Rückfragen an Nora richtet ( "Ist das nicht merkwürdig, gnädige Frau?“ S.34). Die Drohungen verschärfen sich ( "Wenn ich dieses Papier dem Gericht vorlege...“ ; " ... werd ich zum zweiten Male ausgestoßen, so sollen Sie mir Gesellschaft leisten!“S.35). Des weiteren macht sich Krogstad über Helmer lustig ( "es sähe meinem Torvald Helmer nicht ähnlich, so viel Mannesmut zu zeigen...“S.58), den er noch aus der Studienzeit kennt, und wird ironisch ( "Ja, so ein schlechter Jurist wie ich“ S.58; "Sieh mal an, Helmers tanzen heut abend? Wirklich?“ S.68).
In Bezug auf Frau Christine Linde reagiert Krogstad anfangs kalt, abweisend und mit Bitterkeit, er meint, dass sie sich nichts zu sagen hätten. Zunächst misstraut er ihr, da er denkt, Linde hätte ihn damals für eine bessere Partie sitzen lassen (S.69) und sieht ihre Selbstopferung als Überspanntheit und Täuschung an (S.70). Doch kurz darauf ruft seine einstige Jugendliebe ein sensibles Verhalten bei ihm hervor ( (leiser) „Als ich Sie verlor...“ S.69). Er zeigt sich überrascht und dankbar über Lindes Liebesangebot, das ihm endlich zu einem glücklichen Leben verhelfen wird und er verzichtet auf seine Rache an den Helmers ( "So unendlich glücklich war ich noch nie.“ S.72).
Das Bild das Krogstad bei anderen abgibt, fällt sehr negativ aus. Nora begegnet ihm recht unverschämt, indem sie ihm seine untergeordnete Stellung gegenüber ihrem Mann unter die Nase reibt ( "Sie, ein Untergebener meines Mannes?“ S.29; "...wenn man eine untergeordnete Stellung hat, Herr Krogstad,...“ S.30). Auch sagt sie ihm direkt ins Gesicht, dass sie sich keine Sorgen gemacht hatte, ob sie ihn nun betrüge mit dem, was sie tat, und dass sie ihn nicht leiden könne ( "Ich konnte Sie nicht ausstehen...“ S.35). Sie sagt über ihn, dass er ein abscheulicher Mensch sei (S.36), sie bezeichnet ihn als "Mitarbeiter der übelsten Zeitungen“ und ist der Meinung, dass er ihrem Mann "unsagbar viel schaden“ könne. Sie gibt zu, tödliche Angst vor ihm zu haben (S.48) und warnt Linde davor zu ihm zu gehen, aus Angst er könne ihr etwas zu leide tun (S.63). Auch Helmer betont immer wieder Krogstads moralische Verkommenheit ( "Und dieser Krogstad hat jahrelang seine eigenen Kinder durch Lügen und Verstellung vergiftet“ S.39 ; "Seine moralischen Mängel...“ S.49) und spricht sein Unbehagen gegenüber solchen Leuten wie ihm aus (S.40). Er sagt, dass Krogstad zu jenen Jugendbekannten gehöre, die übereilte Bekanntschaften seien, welche im späteren Leben oft lästig würden. Es ist ihm unangenehm, dass Krogstad ihn vor anderen bei der Arbeit duzt, weil er der Meinung ist, dies sei schlecht für seine Stellung bei der Bank. Helmer hält Krogstad für einen taktlosen Menschen (S.49), einen verkommenen Winkelschreiber (S.50) und fürchtet dessen Rache nicht. Selbst Dr. Rank, der beste Freund der Helmers, dem Krogstad völlig fremd ist, behauptet dieser sei ein „moralischer Fall fürs Krankenhaus“, „angefault bis zu den Wurzeln seines Charakters“ (S.24). Außerdem hält er ihn für einen Schmarotzer, der gesunden Leuten die Anstellung wegschnappen will und macht sich aufgrund dessen Wunsches zu leben über ihn lustig. Nur Christine Linde glaubt, wenn auch nach scheinbarer Ablehnung am Anfang ( "Er treibt doch alle möglichen Geschäfte, wie man sagt.“ S.23) an seinen "guten Kern“ (S.71) und hat Verständnis für seine Verzweiflung. Sie vertraut ihm so sehr, dass sie ein neues Leben für ihn und mit ihm beginnen will. Krogstad selbst weiß was andere von ihm denken ( "Ein Wechseleintreiber, ein Winkelschreiber, ein- na, einer wie ich...“ S.58), stellt aber klar, dass er ein gutes Herz besitzt.
Betrachtet man die Figur Krogstad nun als Ganzes, so fällt auf, dass es sich bei ihm um einen vielfältigen Charakter handelt, der Höflichkeit, Bestimmtheit und Schärfe, wie auch Sensibilität und guten Willen in sich vereint. Sein anfängliches beharrliches, für Nora höchst unangenehmes Streben und die Skrupellosigkeit, mit der er seinen Mitmenschen begegnet, wird durch Christine Linde schließlich so weit aufgeweicht, dass es sich in Wohlwollen und Lebensglück auflöst. Er hat sein Ziel dank einer glücklichen Wendung (der Selbstaufopferung einer Frau) auf gutem Wege erreichen können und kann als Auslöser für Noras Lebenswandel, ihrem Heraustreten aus dem Schatten ihres Mannes angesehen werden.

 

 
    
   Arbeitsanregungen:
  1. Untersuchen Sie, wie diese Schülerarbeit zur literarischen Charakteristik der Figur Krogstad aufgebaut ist.
  2. Zeigen Sie, wie der Verfasser den Textbezug seiner Aussagen gestaltet hat.
  3. Unterstreichen Sie, mit welchen Aussagen der Verfasser der literarischen Charakteristik die Figur Krogstads interpretiert.

 

 
     
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