Home
Nach oben
Zurück
Weiter
 

 

Hebel, Unverhofftes Wiedersehen

Zeitgestaltung


Die Zeitgestaltung in der Kalendergeschichte »Unverhofftes Wiedersehen« von Johann Peter Hebel kann u. a. folgende Aspekte herausarbeiten:
 
13. Dezember
(Sanct Luciä)
vorgesehener Hochzeitstag; unmittelbar davor kehrt der Bräutigam nicht wieder heim; kürzester Tag des Jahres; 
24. Juni
(Johannis)
verschütterter Bergmann wird ausgegraben; längster Tag des Jahres
"...sagte ihr guten Morgen, aber keinen guten Abend mehr." Ausbleiben des Abendgrußes: für die Braut steht die Zeit still. Sie spricht das fehlende 'Guten Abend': "Schlafe nun wohl." ; 
die dazwischen liegende Zeit ist auf wundersame Weise ausgelöscht; die zwischenzeitlich vergangenen Jahre erscheinen wie ein einziger Tag, als ein kleiner Zeitraum   vom Morgen bis zum Abend.
"und vergaß ihn nie Braut geht damit über üblichen Umgang mit der Zeit hinaus; Vergessen wird negiert und damit auch die Zeit (nie!)
"Unterdessen wurde die Stadt Lissabon in Portugal durch ein Erbeben zerstört... Aufzählung  geschichtlicher Ereignisse, annähernd naturgetreue Wiedergabe der linearen, reihenden Struktur der Zeit; 50 Jahre, nicht einfach übersprungen, sondern in berichtender Darstellung (historischer Abschnitt);   Braut wird während der Zeitspanne  nicht erwähnt sie tritt in den Hintergrund;  Zeit geht über sie hinweg, ihr Leben vergeht unberührt  von den großen geschichtlichen Ereignissen; endlos erscheinende Zeit.
"schlafenden Jüngling"  Tote bei Hebel nur als "schlafender Jüngling" ; Bild des Schlafes - "Schlafe nun wohl...", sagt auch die Braut:  zeitlich-irdischer Sinn des Todes als Ende aufgehoben; Schlaf als Brücke zur Ewigkeit;
"Es ist mein Verlobter" 
 "war" ! - Braut spricht im Präsens, ignoriert die vergangene Zeit grammatisch; dadurch nimmt sie die in ihrer Treue sich vollziehende Aufhebung der Zeit sprachlich vorweg
"hingewelkten kraftlosen Alters"
Das Ideelle (Treue, Liebe) bleibt, das Irdische verfällt.
"als wenn es ihr Hochzeitstag und nicht der Tag seiner Beerdigung wäre
Irrealität Konjunktiv II: irrealis: Liebe, Treue verdichten alles zu einem; .
"noch einen Tag oder zehn...lass dir die Zeit nicht lang werden. Ich komme bald. gelassene, fast spielerische Überlegenheit gegenüber allem Zeitmaß und Zeitbegriff; Mensch vergewissert sich durch seine die Zeit transzendierende Liebe der Ewigkeit 
      
Bausteine ]
     

          CC-Lizenz
 

 

Creative Commons Lizenzvertrag Dieses Werk ist lizenziert unter einer Creative Commons Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 International License (CC-BY-SA) Dies gilt für alle Inhalte, sofern sie nicht von externen Quellen eingebunden werden oder anderweitig gekennzeichnet sind. Autor: Gert Egle/www.teachsam.de