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Andreas Gryphius: Ebenbild unseres Lebens

Interpretationsaspekte


Die Interpretation des Gedichts »Ebenbild unseres Lebens« von Andreas Gryphius sollte folgende Merkmale des Textes berücksichtigen:

Sonett
(Sonettform unterstützt die rationale - antithetische - Denkweise)

  • 1. Strophe: Quartett, Behauptung / These (Mensch im Spiel der Zeit )

  • 2. Strophe: Quartett, Variierung der These durch Vergleich ( Gäste = Gastspiel auf der Erde)

  • 3. Strophe: Terzett, Antithese (natürliche Gleichheit der Menschen im Angesicht des Todes)

  • 4. Strophe: Terzett ( Spiel, Genuss und Nichtigkeit des Daseins)
     

  • Alexandrinervers (sechsfüßiger Jambus), fast immer in der Mitte nach der dritten Hebung eine Zäsur
     

  • Reimform: lediglich zwei Reime, die sich viermal wiederholen, in den beiden Quartetten (abba); in den Terzetten ccd und eed; stumpfe Reime (männliche Kadenz)
     

Epochenmerkmale Barock

Typische Barockmotive

  • Vergänglichkeit (vanitas)

  • Spielmotiv (Welt als Spiel, - als Bühne, großes Welttheater; Festmahl, das man in Erwartung des Todes noch genießt)

Stilelemente der Barocklyrik

  • Gegensätze (Antithetik): Verse 3, 4, 5, 6/7

  • Oxymora: ernstes Spiel (Vers 12), leere Pracht (Vers 14) = Lebensvorstellung der Menschen als Täuschung

  • Metaphern: der Mensch, das Spiel der Zeit;

  • Bilder: der steigt, und jener fällt

  • Preziosenmotive: geraubter Schmuck, Purpurkleid, Bankett, Pracht

  • Parallelismen: Verse 3 und 4

  • Anspielung: Schwert des Damokles (Vers 8)

= Dichter erweist sich als gelehrt, geistig beweglich und spiel- und experimentierfreudig, beherrscht einen anspruchsvollen Witz, was an den adeligen Höfen der Zeit gut ankam

Hauptmotiv

Stellung und Wert des Menschen in der Zeit

  • antithetische Gestaltung: der steigt, und jener fällt

  • menschliches Dasein wie auf einer Bühne, Mensch kann aber beim Bühnengeschehen keine Regie übernehmen

  • im ersten Terzett Anwendung des Gedankens auf die soziale Struktur der Gesellschaft: ständische Gesellschaftsordnung auf der einen Seite, Gleichheit vor dem Tod / vor Gott andererseits

  • im zweiten Terzett Umkehrung des Verhältnisses von Mensch und Zeit; Mensch soll einsichtig handeln, nachdem er die Vergänglichkeit des Daseins erkannt hat; Mensch als aktiver Gestalter des eigenen Lebens, solange die Zeit es zulässt

Aussageabsicht

  • Reflexion über das Spannungsverhältnis von Leben und Zeit, Leben und Tod;

  • Barockgedicht wird so zu einer christlichen Predigt

   

  
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