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Goethe: Egmont - 2. Aufzug:  Egmonts Wohnung

Arbeitsanregungen zur Analyse der Szene

Dialog Egmont und Oranien (II,9)

 
 
  Das Gespräch zwischen Egmont und Oranien im 2. Aufzug (2. Zwischenakt: Egmonts Wohnung, II,9) lässt sich mit folgenden Arbeitsanregungen im Unterricht oder auch allein untersuchen und interpretieren.

Textinterpretation mit mehrgliedriger Arbeitsanweisung:

  1. Ordnen Sie das Gespräch zwischen Egmont und Oranien in den Gesamtzusammenhang des Dramas ein.
  2. Untersuchen Sie unter Berücksichtigung der inhaltlichen Gliederung den Verlauf des Gesprächs.
  3. Vergleichen Sie, ausgehend von diesem Gespräch, die Charaktere von Egmont und Oranien.
  4. Welche Bedeutung besitzt die Persönlichkeit Egmonts für den Ausgang des Dramas?

Literarische Charakteristik:

Verfassen Sie eine literarische Charakteristik von Egmont und Oranien auf der Grundlage ihres Dialogs. Worin zeigen sich die bei Egmont festgestellten Eigenschaften im weiteren Verlauf des Dramas?

Arbeitsanregungen zur produktiven Textarbeit nach dem Prinzip simulierter Dramaturgie und Inszenierung:

  • In einem kurzen Monolog macht sich Egmont vor dem Eintreffen Oranien Gedanken, warum dieser ihn wohl so bald nach dem Treffen im Rat der Regentin sprechen will.
  • In einem kurzen Monolog überlegt sich Oranien vor seinem Treffen mit Egmont, wie er diesen für seine Pläne gewinnen könnte.
  • Richard fragt seinen Herrn nach der Rückkehr vom Rat der Regentin, was Margarete von Parma angesichts der zurückgegangenen Unruhen zu unternehmen gedenkt. Egmont antwortet ihm, indem er vom Verlauf des Gesprächs berichtet.
  • Egmont und Oranien unterhalten sich in der im Dramentext vorgegebenen Weise. Verfassen Sie an für den Gesprächsverlauf wichtigen und geeigneten Stellen Untertexte, die unausgesprochene Gedanken und Gefühle der beiden Gesprächspartner bei ihrem Dialog sprachlich ausdrücken.
    Geben Sie dazu die Seite und die Zeilennummer ihrer Textausgabe an, an der der jeweilige Untertext eingefügt werden soll.
  • Versetzen Sie sich in die Rolle eines Regisseurs. Geben Sie beiden Akteuren genaue Anweisungen zu ihrem mimisch-gestischen Spiel, zur Artikulation und zu ihrem räumlichen Verhalten auf der Bühne.

Kritische Auseinandersetzung mit der modernen Aufführungspraxis

  • Stefan Benz urteilt bei seiner Rezension der von Sebastian Baumgarten am Mannheimer Nationaltheater inszenierten Egmont-Aufführung aus dem Jahre 2005 u. a. über die Figurengestaltung im Drama:
    "Auch Graf Egmont [...], der Freiheitskämpfer hat vor allem die Freiheit des Hedonisten im Sinn.. Der Mann feiert Partys mit Kokain und locht beim Golfen gerne gemeinsam mit Wilhelm von Oranien [...] ein: Abschlag von der Rampe in der ersten Reihe. Albas Sohn Ferdinand [...] kifft, und Egmonts Geliebte Klara [...] wankt wirr, wenn ihre Mutter als spukhafte Videoprojektion erscheint.
    (aus: Stefan Benz, Egmont in Guantanamo., in: echo online, 23.2.2005, Auszüge)

    *Hedonismus: (von griech. hedone, "Lust”) allgemein: philosophische Strömung, die die Lust als höchstes Gut und Bedingung für Glück und gutes Leben ansieht; eine auf puren Genuss ausgerichtete Lebenshaltung)

    Was halten Sie von solchen Einfällen des so genannten modernen Regietheaters? - Ziehen Sie bei ihrem Urteil auch die Aufführungsrezensionen von Alfred Huber, Matthias Wendel und Jürgen Berger heran.
  • In seiner Kritik der Frankfurter Aufführung des Stücks aus dem Jahre 2006 unter der Regie von Armin Petras formuliert Stefan Benz u. a.:
    "Petras inszeniert Sozialkritik zwischen Satire und Seifenoper: Egmont (Wolfram Koch), der hier keinen Sekretär, sondern eine eifersüchtige Sekretärin (Georgia Stahl) hat, wird bei seinen Staatsgeschäften gefilmt: eine Doku-Soap nach Goethes Drehbuch.
    Das Regietheater des Armin Petras ist am Fernsehen geschult. Da heißt es, Akzente zu setzen und nicht dem Text nachzulauschen. Als Wilhelm von Oranien den Freund Egmont zur Flucht überreden will, schnürt er ihn in einen Koffer ein. "
    Wie beurteilen Sie die Anlehnung des Regietheaters von Armin Petras an die Sehgewohnheiten und die Dramaturgie von Fernsehsendungen?

  • Joachim Lottmann übt am Beispiel der Frankfurter Aufführung des Stücks im Spiegel (10/2006) deutliche Kritik am Regietheater:

    ""Sie lassen stöhnen, schuften, koitieren und auf der Bühne Notdurft verrichten. Klassiker sind allenfalls Material. Jungdeutsche Regisseure sind dabei, die üppigste Theaterlandschaft der Welt mit ihren abgelatschten Schocks endgültig zu ruinieren. [...]"

    Gegen eine solche Kritik verwehrt sich Wolfgang Höbel im Spiegel eine Woche später (11/2006):

    "Herbeigewünscht wird ein schmutzfreier Rückzugsort fürs Wahre und Schöne der Kunst.
    Nun ist es keineswegs neu, dass besorgte Menschen eine Rückbesinnung auf Sitte und Anstand in öffentlich subventionierten Theaterhäusern fordern, eine Selbstbeschränkung der Bühnenkünstler auf mehr Textfrömmigkeit und traditionelle Mittel. Das Theater böte dann den Gegenentwurf zu einer Welt, in der wir dank der ziemlich totalen Bilder- und Informationsversorgung täglich mit verstümmelten Leibern und pornografischer Nacktheit konfrontiert sind; es könnte dienen als Stätte der Kontemplation, der zahmen Text- und Seelenbehandlung; es könnte Trost und Erbauung spenden: Frag sich nur, was diese Idylle noch mit lebendiger Kunst zu tun hätte, die notwendig ein Spiegelbild ihrer Zeit ist, die von den Ängsten, Schrecken, Katastrophen der Gegenwart erzählen sollte und nicht nur museal ausstellen, was früher einmal war.[...]"

    Nehmen Sie zu den Ausführungen Stellung. Bringen Sie dabei auch Ihre eigenen Erfahrungen bzw. Erwartungen an die Aufführung eines Theaterstücks ein.

 

 

 
     
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