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1. Aufzug: Palast der Regentin

Arbeitsanregungen

Dialog Regentin und Machiavell (I,4-I,6)

 
 
  Das Gespräch zwischen der Regentin Margarete von Parma und Machiavell im  2. Zwischenakt (»Palast der Regentin«) des 1. Aufzugs in Johann Wolfgang von Goethes Drama »Egmont«  lässt sich mit folgenden Arbeitsanregungen im Unterricht oder auch alleine untersuchen und interpretieren.

Textinterpretation mit mehrgliedriger Arbeitsanweisung:

  1. Ordnen Sie das Gespräch zwischen Margarete von Parma und Machiavell in den Gesamtzusammenhang des Dramas ein.
  2. Untersuchen Sie unter Berücksichtigung der inhaltlichen Gliederung den Verlauf des Gesprächs.
  3. Arbeiten Sie heraus, wie die beiden die Lage in den Niederlanden und die Haltung der wichtigsten politischen Akteure einschätzen.
  4. Was bedeutet in diesem Zusammenhang die Aussage der Regentin: "Ich fürchte Oranien, und ich fürchte für Egmont."

Weitere Arbeitsanregungen

Der Dialog unter dem Blickwinkel seiner Kommunikationsstrukturen.

  1. Untersuchen sie den Dialog von Margarete von Parma und Machiavell unter dem Blickwinkel von Inhalts- und Beziehungsaspekt.
  2. Arbeiten Sie dabei den Gestus des Gesprächs heraus und zeigen Sie, ob und inwiefern es sich in diesem Gespräch um eine symmetrische oder komplementäre (asymmetrische) Kommunikation handelt.
  3. Verfassen Sie an geeigneten Stellen des Dialogs einen Untertexte, mit dem sie die Gedanken ausdrücken, die die Regentin oder ihr Sekretär haben, wenn Sie dem jeweiligen Gegenüber zuhören.
  4. Formulieren Sie eine Reihe von Bühnenanweisungen/Regiebemerkungen, die das sprachliche und nichtsprachliche Verhalten der Schauspieler in Mimik, Gestik, Haltungen, Bewegungen und Artikulation (Akzent, Sprechtempo, Pausen, Ton, Intonation Lautstärke) genauer festlegen. (vgl. Dramaturgie und Inszenierung, nonverbale Vokalisierungen: prosodische und paraverbale Merkmale der gesprochenen Sprache).

Literarische Charakteristik:

Verfassen Sie, ausgehend von diesem Dialog mit Machiavell, eine literarische Charakteristik der Regentin. Erläutern Sie darüber hinaus, ihre Bedeutung für das Stück.

"Bei allem Ernst der politischen Situation und angesichts der heraufziehenden Gefahr unterlässt es Goethe nicht, Margarete v. Parma einen fast rührend weiblichen Zug zu geben, wenn sie Egmont zu drohen glaubt: »... ich weiß, wo er empfindlich ist. Er ist auch empfindlich.« Sie will sich auf ihre weibliche Macht zurückziehen, von der aus sie Egmont, der ihr im Grunde ihres Herzens sympathisch ist, mit zarteren Waffen zu treffen hofft."  (Ibel 1981, S. 21)
Setzen Sie sich mit diesen Aussagen eines Literaturwissenschaftlers auseinander. - Ziehen Sie dazu die nötigen Textstellen heran und berücksichtigen Sie dabei auch Egmonts Bemerkungen in seinem Gespräch mit Oranien im 2. Akt.

Arbeitsanregungen zur produktiven Textarbeit nach dem Prinzip simulierter Dramaturgie und Inszenierung:

  • In einem kurzen Monolog macht sich Machiavell nach seinem Gespräch mit Margarete von Parma Gedanken über den Verlauf des Gesprächs und das zukünftige Verhalten der Regentin.
  • Verfassen Sie einen kurzen Dialog zwischen der Regentin und ihrem Boten Vaska vor dessen Abreise nach Madrid mit den Briefen an den König.
  • Versetzen Sie sich in die Rolle eines Regisseurs. Geben Sie beiden Akteuren genaue Anweisungen zu ihrem mimisch-gestischen Spiel, zur Artikulation und zu ihrem räumlichen Verhalten auf der Bühne.

Kritische Auseinandersetzung mit der modernen Aufführungspraxis

  • Stefan Benz urteilt bei seiner Rezension der von Sebastian Baumgarten am Mannheimer Nationaltheater inszenierten Egmont-Aufführung aus dem Jahre 2005 u. a. über die inszenierte Margarete von Parma:
    "Baumgarten hat eine Neigung, Ideen und Haltungen metaphorisch zu bebildern. Das kann man abstrus finden, langweilig ist es nicht auch nicht beliebig. Margarete von Parma [,,,] wird vergewaltigt und stirbt, nachdem sie eine Pulle Blut gesoffen hat. Das ist - so krude wie unmissverständlich - die Geschichte einer politischern Vergewaltigung: Auf die milde Margarete folgt der Fanatiker Alba [...]"
    (aus: Stefan Benz, Egmont in Guantanamo., in: echo online, 23.2.2005, Auszüge)

    Jürgen Berger urteilt zur gleichen Aufführung: "Ragna Pitoll ist als Margarete von Parma alles andere als eine schwache Statthalterin. Ihr Spiel am Klavier hat etwas Nervös-Drängendes. Sie weiß wohl zu genau, was da in der Gestalt Albas auf sie zukommt. Trotzdem zieht sie es weiterhin vor, cool am Zigarillo zu ziehen und nebenbei den Sekretär Silva zu genießen. So wie Ragna Pitoll das spielt, darf man annehmen, Margarete könnte durchaus gegen Alba antreten. Dumm nur, dass sie offenbar schlicht keine Lust dazu hat.

Was halten Sie von solchen Einfällen des so genannten modernen Regietheaters? - Ziehen Sie bei ihrem Urteil auch die Aufführungsrezensionen von Alfred Huber und Matthias Wendel heran.

 

 
     
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