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Aufführungsberichte und -kritiken

"Schwer was los bei »Egmont« in Mannheim"

Mannheimer Inszenierung 2005 in der Kritik

 
 
  Die Inszenierung von Johann Wolfgang von Goethes »Egmont« durch Sebastian Baumgarten1 (Regie) am Mannheimer Nationaltheater im Jahre 2005 gab viel Anlass zur öffentlichen Auseinandersetzung.

Text 1:
Die Supermacht greift durch: Schluss mit der Toleranz, der Liberalität ein Ende! Dies ist en Krieg um Glaubensfragen. [..] Wer das Beste für sein Volk will, muss es unterdrücken. Sicherheit gibt es nur auf Kosten der Freiheit.
Der Kernkonflikt von Goethes »Egmont« wirkt auf der Bühne des Mannheimer Nationaltheaters eindringlich aktuell. In Sebastian Baumgartens kämpferisch zugespitzter Leseart verweist die Geschichte auf den Krieg gegen den Terrors. Der junge Regisseur packt die Parallele und biegt sich seinen Goethe in einer eigenen Fassung zurecht: George W. Bush2 spricht zum Volk in Brüssel und Graf Egmont landet am Ende in Guantanamo Bay3. [...]
Goethes Spielgerüst ist noch zu erkennen, auch wenn einige Figuren heruntergefallen sind. Historische Bezüge lässt Baumgarten referieren, so wie auch essayistische Einwürfe einbaut. Das schaut aus, als hätte Goethe einen Kurs in kreativem Schreiben bei Bertolt Brecht4 oder Peter Weiss5 belegt. Mit den Mitteln von epischem und dokumentarischem Theater stützt der Regisseur seine Fassung ideologisch ab, mit Popzitaten dekoriert er sie modern. Mel Brooks6 singt und tanzt die Inquisition auf der Videowand vor. Spinne, Baum und Pilz erzählen als Märchenfiguren vom Tod und am Ende singen alle gemeinsam Rammstein7 und Zarah Leander8.
Baumgarten hat eine Neigung, Ideen und Haltungen metaphorisch zu bebildern. Das kann man abstrus finden, langweilig ist es nicht auch nicht beliebig. Margarete von Parma [,,,] wird vergewaltigt und stirbt, nachdem sie eine Pulle Blut gesoffen hat. Das ist - so krude wie unmissverständlich - die Geschichte einer politischern Vergewaltigung: Auf die milde Margarete folgt der Fanatiker Alba [...]
Eine Dioramawand auf der Bühne erinnert an Luftaufnahmen des Irak: Die Niederlande im Blick spanischer Spionagesatelliten. Als die Wand umstürzt, bricht ein Sturm los, wirbelt das Volk zwischen Aktenvernichter und Kopierern durch den Raum. Was bei Goethe Handwerker waren, sind hier Büroangestellte. Von »Hartz IV« und »Arbeitslosenzahlen« murmeln sie, dass es um ihre Freiheit geht, merken sie nicht.
Auch Graf Egmont [...], der Freiheitskämpfer hat vor allem die Freiheit des Hedonisten9 im Sinn.. Der Mann feiert Partys mit Kokain und locht beim Golfen gerne gemeinsam mit Wilhelm von Oranien [...] ein: Abschlag von der Rampe in der ersten Reihe. Albas Sohn Ferdinand [...] kifft, und Egmonts Geliebte Klara [...] wankt wirr, wenn ihre Mutter als spukhafte Videoprojektion erscheint.
Es ist schwer was los bei »Egmont« in Mannheim. Baumgarten befragt das Stück mit wildem Ernst: Wie viel Freiheit dürfen uns Ruhe und Ordnung kosten? [...]
(aus: Stefan Benz, Egmont in Guantanamo., in: echo online, 23.2.2005, Auszüge)

Text 2:
Baumgarten verlegt die Handlung um den Grafen Egmont in die Gegenwart, in das Zeitalter der zynischen Vernunft, in das Disko- und Terroristen-Milieu, in dem die Neurotiker vermutlich noch neurotischer sind als die Menschen in Brüssel um 1568 oder zur Goethezeit. [...]
Natürlich tappen die Mannheimer Zuschauer, im Erdulden theatralischer Zertrümmerungen nicht gänzlich unerfahren, keineswegs blind in die Falle der Modernisierer und fordern keineswegs so etwas Absurdes wie Texttreue. Eher fragen sie bescheiden nach den Verlusten einer solchen Aufführung [...].
Baumgarten ahnt vermutlich, dass kaum jemand noch »Egmont« kennt, geschweige denn ihn gelesen hat. Er reduziert die Vorgänge auf ein karges Handlungsgerüst, lässt die Figuren rasch zur Sache kommen, verbal und sexuell. Geduldiges Aufblättern von Sachverhalten und Stimmungen ist seine Sache nicht. Was der Regisseur, unterstützt von Video-Einspielungen, Musik und einer differenzierten Lichtregie [...] durchaus fantasievoll zwischen Emotionalität und Rationalität angesiedelt hat, wird von den Schauspielern (zum Teil in Doppelrollen) bemerkenswert genau umgesetzt. [...]
Wer »Egmont« dort vergisst, wo Literatur noch zum gewaltigen Abenteuer wird, muss Baumgartens Inszenierung, dieses Konstrukt aus Goethe, Kino und Fantasie, als gelungen bezeichnen. Der Preis hierfür ist freilich hoch. WO der Dichter unverwechselbare Persönlichkeiten erfunden hat, zitiert der Regisseur verallgemeinerbare Typen aus Büro, Politik und Küche. »Hast du nicht eine Ofenpizza?" fragt Egmont, wenn er hungrig bei Klara eintrifft. Womit er wohl endgültig in der Dämmerung des falschen Bewusstseins beweist, dass Empfindsamkeit kein Weltgefühl mehr ist. sondern ein Inszenierungsstil, der den rohen, vorzivilisatorischen Gestus, den Aufklärung und klassische Form überwunden glaubten, wieder zurückbringt als eine künstlerische Haltung, die Freiheit predigt und ungeniertes Austoben meint.
(aus: Alfred Huber, Kurzweilig ist die Kunst, tragisch das Leben, in: Mannheimer Morgen, 22.02.05, Auszüge)

Text 3:
Baumgarten und sein Ensemble [...] arbeiten mit Verfremdung und Erzählung [...]. Da kommen Figuren an die Rampe und geben biografische Informationen oder geschichtliche Lektionen bis hin zum Prolog, der in fast agitatorischer Form ein politisches Statement zur Ausbreitung und Normalisierung des weltweiten gesellschaftlichen Ausnahmezustandes abgibt.
Auch multimedial geht es zu, nicht nur, dass ein aus Konzertflügeln gebildetes, die Bühne strukturierendes Dreieck der Bezug zur Bourgeoisie und zur Klassik, also auch zu Goethe eben immer musikalisch präsent ist. [...] Auch das Licht und diverse Musik- und Videoeinspielungen werden gezielt eingesetzt. um die Absicht zu verdeutlichen: ein gesellschaftliches Spektogramm eines Machtwechsels. [...]
Die ganze Theatermaschinerie ist schwer zugange, man merkt Baumgarten seine pralle Opernlust am Theatralischen an - bei aller Kargheit der Emphase.
Da und am Humor fehlt es allerdings einige Male. wenn auch die Golfsszene zwischen dem sich abseilenden Oranien [...] und Egmont, bei der einige Tischtennisbällchen ihren Weg ins Publikum finden, eine angenehme Ausnahme machen.[...]
Ohne irgendwelche psychologischen Tiefen auszuloten oder gar wirklich einzutauchen in irgendeine klassische Sprache, und sei es die Goethes, zeigt Baumgarten mit drastischen Lautstärken, aber auch feinen Zwischentönen einen fast zwingenden Ablauf von Ereignissen, der doch lose aneinandergereiht zu sein scheint- wenigstens für die Figuren - und bringt so ein heutiges gesellschaftliches Empfinden von Unterworfenheit unter Machtverhältnisse auf seinen traurigen Punkt. Dabei gelingt der Brückenschlag von den Bilderstürmern zur Globalisierungsangst, vom Humanismus zur zersplitterten Pluralismuszeit, einhergehend mit dem Verlust einer geschlossenen Weltsicht, wie sie Goethe sicherlich noch riskierte. [...]
(aus: Matthias Wendel, Gesellschaftliches Spektogramm, scala, April 2005)

Text 4:
"Der Bühnenboden ist hochgeklappt und präsentiert ein großes plastisches Bild. Es könnte eine Satellitenaufnahme des Irak sein. Wäre das der Fall, lägen unten im Süden die Ausgrabungsstätten von Ur und weiter oben Bagdad. Etwas später klappt der geopolitisch brisante Ausschnitt der Welt einfach weg und wird zum Spielgrund einer »Egmont«-Variante, in der die niederländischen Glaubenskriege des 16. Jahrhunderts als eine heutige Geschichte staatlicher Verwahrlosung erzählt werden. Zuerst allerdings kommt eine der Schauspielerinnen in den Zuschauerraum und gibt einen Text von Giorgio Agamben10 zum Besten. Seine These, westliche Demokratien hätten unter dem Diktat des Antitterror-Krieges11 den Ausnahmezustand zur staatstragenden Idee erhoben, wird von Ute Fiedler in Richtung Publikum gesprochen [...].
Baumgarten hat Passagen des parallel zum »Faust« geschriebenen Freiheitsdramas gestrichen und dabei den schwülstigen Ton aus dem Stück genommen, der es ungenießbar macht. [...] Eliminiert sind vor allem schwärmerische Überhöhungen - vor allem gegen Ende in den langen Kerkerszenen, wenn Goethe seinen Egmont zur Lichtgestalt verklärt. Die Eingriffe geben dem Text Schärfe, ohne dass das Handlungsgerüst angetastet würde. [...]
Dabei durchbrechen die Schauspieler die vierte Wand und machen den Zuschauer zum Mitwisser eines Vorgangs, bei dem die Herrschenden selber die gesellschaftliche Ordnung in Frage stellen, während in den Zentren staatlicher Macht anarchische Zustände herrschen. [...]
Egmont allerdings, und das wird in Baumgartens Zuspitzung deutlich, ist selbst Teil des Problems. Der Mann nimmt nichts ernst, neigt zum Privatisieren und wies zum Danton12, der lutherische Aufrührer entwischen lässt und zum Sekretär sagt: »Ich bin des Hängens müde.«
Diesen Satz allerdings gibt es in Mannheim nicht. Till Weinheimer kann auch getrost auf ihn verzichten. Alleine seine zerzauste und in müdem Zynismus getränkte Erscheinung macht deutlich, dass sich der Ausnahmezustand genau dann im Innern des staatlichen Machtgebäudes etabliert, wenn dort keine Entscheidungen mehr fallen und nur noch gut gelebt wird. [...]
Der düstere Alba kommt spät im Stück, aber er kommt. Bis es so weit ist, hat Baumgarten bereits klar gemacht, dass sich die allmähliche Verfertigung staatlicher Willkür auf leisen musikalischen Sohlen einschleicht. Auf der Bühne verteilt stehen drei Flügel, an denen die Schauspieler minimalistisch-jazzige Atmosphären verbreiten. [...] Mannheims Alba ist so souverän als Interpret klassischer Musik, dass er ganz nebenbei entscheidet, wessen Kopf demnächst rollt. Eines allerdings bemerkt er nicht: Sein Sohn ist insofern bereits einen Kopf kleiner, als es um seine Verstandeskräfte nicht gut bestellt ist. Sascha Grün spielt den Ferdinand als heutigen Slacker, dem die Droge den Boden unter den Füßen wegzieht. [...]
Ragna Pitoll ist als Margarete von Parma alles andere als eine schwache Statthalterin. Ihr Spiel am Klavier hat etwas Nervös-Drängendes. Sie weiß wohl zu genau, was da in der Gestalt Albas auf sie zukommt. Trotzdem zieht sie es weiterhin vor, cool am Zigarillo zu ziehen und nebenbei den Sekretär Silva zu genießen. So wie Ragna Pitoll das spielt, darf man annehmen, Margarete könnte durchaus gegen Alba antreten. Dumm nur, dass sie offenbar schlicht keine Lust dazu hat.
Bliebe noch die bürgerliche Klara mit ihrem Schatten Brackenburg, dem etwas dümmlich liebenden Bürgerssohn, der doch sehen müsste, dass sein Mädchen hoffnungslos dem charismatischen Grafen Egmont verfallen ist. Bei Goethe ist allein die Macht der Liebe verantwortlich dafür, dass Brackenburg vergeblich darbt, während Klara und Egmont mit dem Sprung ins Bett alle Standesunterschiede überwinden. Bei Baumgarten vergnügen die beiden sich aufgrund gleich gelagerter sexueller Obsessionen miteinander. Da stülpt man sich schon mal eine Tiermaske über, und es ist klar, dass Brackenburg bei solchen Spielchen nicht mithalten kann.
(aus: Jürgen Berger, Anarchie im Zentrum der Macht, Theater Heute, April 2005, Auszüge)

Text 5:
Dass sich das Mannheimer Nationaltheater im Schillerjahr 2005 auch Goethes »Egmont« zur Brust nimmt und getreu dem Schller'schen Spielzeitmotto »Freiheit« auch sehr frei mit der Vorlage umgeht, liegt auf der Hand-
Wahrscheinlich muss man sich bei dem selten gespielten Stück sogar viele Freiheiten nehmen. So wie Schiller, der 1796 für ein Gastspiel Ifflands in Weimar zahlreiche »Egmont«-Szenen umschrieb. [...] Goethe empfand das als »grausam, aber konsequent«. Ebenso grausam, aber konsequent modernisierte Sebastian Baumgarten seine Textfassung. Wenn zu Beginn staatsphilosophisch über den Ausnahmezustand leitartikelt wird, so klingt das, als hätte sich Baumgarten eines »Konkret«-Textes13 der jungen Ulrike Meinhof13 bedient. [...]
Sein »Egmont« wird zu einem Antiglobalisierungsspektakel umgekrempelt, in dem von Arbeitslosenzahlen, Hartz IV, Psychopharmaka und einer »riesigen Verschwörung« die Rede ist. Einmal leistet sogar George W. Bush auf der Großleinwand seinen Amtseid und das applausfreudige Publikum darf sich einen Reim auf die Amtsführung Albas und des amerikanischen Präsidenten machen.
Baumgarten schippert ungeniert im epigonalen Fahrwasser der vielerorts imitierten Regie-Kapitäne Frank Castorf14, Christoph Schlingensief15, René Pollesch16 und Einar Schleef17. Mit seiner neuen Textfassung huldigt er dem Prinzip der Castorf'schen Dekonstruktion, mit seinen Video-Einspielungen zitiert er Castorf, Pollesch und Schlingensief gleichermaßen und die chorisch gesprochenen Passagen erinnern an Schleef. Auch das Feld der neuerdings beliebten Trashicals18 beackert Baumgarten fleißig. Dabei hilft ihm die Bühnenbildnerin und Video-Künstlerin Natascha von Steiger, die ein Allerweltsgerümpel mit Bürountensilien, drei Konzertflügeln und einem hohen Maschendrahtzaun auf die Bühne gestellt hat. Zu Beginn sieht man ein raumfüllendes abstraktes Gemälde, das nach wenigen Szenen als Zeichen des niederländischen Bildesturms umgekippt wird. Alexander Paeffgen19 hat dazu einen Klangteppich gewebt, der vom Freejazz über Anarchorock und dissonanten Improvisationen bis zu einem kurzen Zitat aus Beethovens Egmont-Ouvertüre reicht. Also lauter inszenatorische Mittel aus der Grabbelkiste des Regietheater-Trödels? Das schon. Trotzdem kippt die Produktion nicht ins Lächerliche um, denn sie ist und bleibt konsequent. Konsequent grausam.
(aus: Volker Oesterreich, "Grausam, aber konsquent, in: Rhein-Neckar-Zeitung, 22.02.2005)
 

Worterklärungen und Namenshinweise

1 Sebastian Baumgarten, geb.1969 in Ost-Berlin; nach Regie-Studium an der Hochschule für Musik »Hanns Eisler« Berlin übernahm er Regieassistenzen u. a. bei Ruth Berghaus, Einar Schleef und Robert Wilson;seit 2003 ist er Chefregisseur am Meininger Theater; von 1999 bis 2002 Oberspielleiter für Musiktheater in Kassel, wo er vor allem mit "Die Entführung aus dem Serail", "Der Rosenkavalier" und "Parsifal" große Aufmerksamkeit erregte; in Luzern inszenierte er u. a. "La Bohème", an der Deutschen Oper Berlin "Werther" und zuletzt "Wozzeck" an der Semperoper Dresden; ausgezeichnet mit de, Götz-Friedrich-Preis für Nachwuchsregisseure für seine "Tosca" in am Staatstheater Kassel; von 2003 bis 2005 war er Chefregisseur des Meininger Theaters in der Spielzeit 2005/06 Inszenierung der Händel Oper Orest an der Komischen Oper Berlin
2
George W. Bush geb. 6. Juli 1946 in New Haven, Connecticut; 43. amerikanischer Präsident (republikanische Partei), seit 20.1.2005 in seiner zweiten Amtsperiode; Mitglied der wohlhabenden und einflussreichen Bush-Familie (Vater George H. W. Bush 41. Präsident der USA;  Bruder Jeb Bush ist Gouverneur von Florida)
3 Guantanamo Bay: Stützpunkt des US-Militärs, der im südlichen Teil der ca.20 Kilometer breiten und 8 Kilometer langen Bucht des Karibischen Meers im südlichen Teil Kubas; seit der US- US-amerikanischen Intervention in Afghanistan 2002 wurden im so genannten Internierungslager X-Ray über 1.000 Gefangene (meistens afghanische Taliban Mitglieder  der Al-Qaida) gefangen gesetzt; als so genannte unlawful combatants (ungesetzliche Kombattanten) werden ihnen der Status als Kriegsgefangene verwehrt;  bekannt für seine brutalen Verhörmethoden, die das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) nach Berichten der New York Times bereits im Juli 2004 in einem vertraulichen Bericht an die US-Regierung als Folter bezeichnet hat; Vorwürfe werden immer wieder von den zuständigen US-Behörden bestritten; heute (2005) sind immer sind 510 Menschen inhaftiert, denen sowohl der Kriegsgefangenenstatus als auch jeglicher Rechtsbeistand verweigert wird;Nach einer Entscheidung des Obersten Gerichts der USA im Juni 2004 müssen die Gefangenen die Möglichkeit haben, ihre Inhaftierung zu überprüfen. Bis zur Beendigung der Überprüfung Ende Januar 2005 wurde der Status in 327 Fällen bestätigt. Bei den restlichen Inhaftierten steht die Entscheidung noch aus. In einem Pentagon-Bericht wurden Anfang 2004 folgende Foltervorwürfe erhoben:Drohung von Vernehmungsbeamten gegenüber einem Häftling, seine Familie zu verfolgen, Verkleben des Mundes eines Häftlings mit Klebeband wegen des Zitierens von Koranversen, Verschmieren des Gesichts eines Häftlings unter Angabe, die Flüssigkeit sei Menstruationsblut, Anketten von Häftlingen in fötaler Position, fälschliche Angabe von Vernehmungsbeamten als Mitarbeiter des Außenministeriums, Koran-Schändungen    (vgl. Wikipedia)
4 Bertolt Brecht, auch Bert Brecht, (1898-1956) einflussreicher deutscher Dramatiker und Lyriker des 20. Jahrhunderts;gilt als Begründer des Epischen Theaters.
5 Peter Weiss (1916-1982) war ein bekannter Schriftsteller, Maler und Graphiker; 1966 erhielt er den Heinrich-Mann-Preis der Deutschen Akademie der Künste in Ost-Berlin; bekannt für seine mikroskopisch genauen Erzählungen (Der Schatten des Körpers des Kutschers), autobiographische und historische Romane (Abschied von den Eltern, Fluchtpunkt; Die Ästhetik des Widerstands) und Bühnentexte (Marat/Sade, Die Ermittlung).
6 Mel Brooks (geb. 1926), eigentlich Melvin Kaminsky, US-amerikanischer Komiker und Regisseur. bis zu ihrem Tod 41 Jahre lang mit der Schauspielerin Anne Bancroft verheiratet.
7 Rammstein: Rlaut Billboard Charts die international erfolgreichste deutsche Band; bekannt für martialische Texte und Pyroshows bei Konzerten; Musikstil zwischen Metal und Industrial Rock; der so genannten Neuen Deutschen Härte zuzuordnen; insgesamt über 10 Millionen verkaufte CDs und DVDs.
8 Zarah Leander: (1907-1981) eine schwedische Schauspielerin und Sängerin
9 Hedonismus: (von griech. hedone, "Lust”) allgemein: philosophische Strömung, die die Lust als höchstes Gut und Bedingung für Glück und gutes Leben ansieht; eine auf puren Genuss ausgerichtete Lebenshaltung
10 Giorgio Agamben (geb.1942) italienischer Philosoph; in seinem Hauptwerk »Homo sacer«  greift Agamben politische und staatsrechtliche Fragen auf und zeichnet ein Bild des heutigen Menschen in seiner Lebensform, das ganz im Gegensatz zu dem beschönigenden Bild des globalen Dorfs steht: Für ihn sind die Konzentrations- und Flüchtlingslager Paradigma und Konsequenz der westlichen Politik seit der Antike; Wie der ständige Begleiter des christlichen Abendlandes, der "Ewige Jude" (antisemitisch eingeführt bei Joh. 18,22-23), wandert der homo sacer hier durch die Jahrhunderte westlicher Geschichte. Agamben hält sich an den Doppelsinn des Worts sacer: heilig und ausgestoßen (vogelfrei) und erkennt in diesem Konzept einen rechtsfreien Raum, der nicht erst mit der Ausstoßung des "bloßen", des fremden und des anderen Lebens beginnt, sondern in die Geschichte der westlichen Selbsterfahrung eingeschrieben ist. Die Mächtigen streben seit der Antike nicht nur nach der Kontrolle der Individuen, sondern zielen auch auf die Vereinnahmung ihres biologischen Lebens (Bioplitik). Dadurch entsteht ein totalitärer Zugriff auf jeden Einzelnen, wovor auch Demokratien nicht gefeit sind. Im Gegenteil: Als Antwort auf globale Fluchtbewegungen und Terror werden gerade in ihnen wichtige Grund- und Freiheitsrechte außer Kraft gesetzt. (Beispiele: Flüchtlings-Camps der Europäischen Union,  US-Internierungslager X-Ray in der Guantanamo-Bucht auf Kuba); Für Agamben steht fest: Der permanente Ausnahmezustand wird zum neuen Regulator des politischen Systems und wird damit neben Staat, Territorium und Nation zum vierten Element der politischen Ordnung.
11 Krieg gegen den Terror: als Reaktion auf die Terroranschläge des 11. September von der Regierung der USA im Jahr 2001 verkündete Politik, einen weltweiten Krieg gegen den Terrorismus ("War on Terrorism" oder häufiger "War on Terror") führen zu wollen; dieser wird als ein langwieriger asymmetrischer Kampf gegen Terroristen und jede Regierung, die sie unterstützt, verstanden; Begriff knüpft an ähnliche, von früheren US-Regierungen geprägte Begriffe wie Krieg gegen Armut ("War on Poverty") oder Krieg gegen Drogen ("War on Drugs") an; zugleich spiegelt der Begriff das Empfinden vieler Menschen, die die Anschläge des 11. September in ihrer Dimension als Kriegserklärung an die Zivilisation empfunden haben; heute Begriff zur Bezeichnung für alle Arten von Maßnahmen, die – zu Recht oder zu Unrecht – als Terrorismusbekämpfung verstanden werden sollten; Neuinterpretation auch einiger bestehender Konflikte wie der Irak-Konflikt, der Tschetschenien-Konflikt und der Nahostkonflikt unter diesem Blickwinkel.
12 Danton: Georges Jacques Danton (1759-1794) einer der Führer der unteren Volksschichten in der Französischen Revolution und Leiter des ersten Wohlfahrtsausschusses (bis 10. Juli 1793); berühmt für sein Redetalent; h: mglw. Anspielung auf seine Rolle als Justizminister des für den organisierten Schrecken zuständigen Wolfahrtsausschusses; .Danton organisierte zwar die Terrorherrschaft, beteiligte sich aber nicht an den Septembermorden, leitete aber auch keine Gegenmaßnahmen ein. Kurz darauf legte er sein Ministeramt nieder.
13 Konkret: eine seit 1957 bestehende, frühe und wirkungsvolle oppositionelle Zeitschrift der Bundesrepublik Deutschland und erscheint – mit Unterbrechungen – noch heute (2005);  in der Hochphase der Studentenrevolte (vgl. 68er-Bewegung) erschien die Zeitschrift auch vierzehntägig oder gar wöchentlich; eine der bekanntesten Mitarbeiterinnen der Zeitschrift war Ulrike Meinhof, (1934-1976 Suizid im Gefängnis von Stammheim bei Stuttgart), Journalistin und ab 1970 im illegalen Untergrund als Mitbegründerin der linksterroristischen Rote Armee Fraktion (RAF) an deren ersten Aktionen beteiligt; von 1962 bis 1964 Chefredakteurin von Konkret; beendete ihre journalistische Tätigkeit, kurz bevor sie sich 1970 der Roten Armee-Fraktion (RAF) anschloss.
14 Frank Castorf: (geb. 1951) deutscher Regisseur und Intendant der Volksbühne Berlin; 1969-1970  Ausbildung bei der Reichsbahn,  nach dem Wehrdienst bei den Grenztruppen der NVA von 1971 bis 1976 Studium der Theaterwissenschaften bei Ernst Schumacher, Rudolf Münz und Jochen Fiebach an der Humboldt-Universität Berlin; 1976 bis 1978 Dramaturg am Bergarbeitertheater Senftenberg; nach Verweis Wechsel zum Stadttheater Brandenburg; nach einem Arbeitsrechtsprozess ab 1981 Oberspielleiter am Theater Anklam, dort 1984 Absetzung seiner Inszenierung des Brecht-Stückes Trommeln in der Nacht auf Druck der SED-Kreisleitung; nach der Aufführung seiner Inszenierung von Henrik Ibsens Nora Disziplinarverfahren und in der Folge Auflösung seines Arbeitsvertrags; danach Arbeit u. a. für das Schauspielhaus Karl-Marx-Stadt, das neue theater halle, die Volksbühne Berlin und das Deutsche Theater Berlin; seit 1989 auch Inszenierungen in der Bundesrepublik Deutschland: u. a. im Prinzregententheater München, dem Residenztheater München und dem Schauspielhaus Hamburg; seit 1992 Intendant der Volksbühne Berlin; Auszeichnungen: 1994 Fritz-Kortner-Preis;. 2000 gemeinsam mit dem Schauspieler Henry Hübchen  "Theaterpreis Berlin" der Stiftung Preußische Seehandlung und Nestroy-Preis, 2002 Schillerpreis der Stadt Mannheim. 2003 Preis des Internationalen Theaterinstituts (ITI) und  Friedrich-Luft-Preis der Berliner Morgenpost; von der Zeitschrift Theater in den Jahren 2002 und 2003 zum »Regisseur des Jahres« gewählt.
15 Christoph Schlingensief: (geb. 1960)  deutscher Film- und Theaterregisseur, Hörspielautor, Aktionskünstler und Talkmaster; inszenierte zahlreiche Produktionen an der Volksbühne Berlin, danach auch an vielen anderen Schauspielhäuser im deutschsprachigen; meist bewusst inszenierten Skandalen; 2004 inszenierte er bei den Richard-Wagner-Festspielen in Bayreuth mit Parsifal seine erste Oper, bei der er der überwältigenden Musik Wagners eine ebenso bombastische Bilderflut entgegensetzte.
16 René Pollesch:  (geb. 1962) deutscher Theaterautor, Theaterregisseur und Dramatiker
17 Einar Schleef: (1944-2001) deutscher Schriftsteller und Regisseur.
18 Trashical: (englisch: trash=Müll, Abfall + (musi-)cal)  Bezeichnung für eine deftige, qualitativ nicht anspruchsvolle Musical-Persiflage
19 Alexander Paeffgen: (geb. 1968) studierte Klavier bei Joe Haider, William Evans, Kenny Werner und Volker Griepenstroh und Arrangement bei Frank Sikora; Absolvent der Swiss Jazz School in Bern und des Kontaktstudienganges für Popularmusik an der Musikhochschule Hamburg; als Pianist und Keyboarder in verschiedenen Formationen unterschiedlichster Stilrichtungen auf Konzertourneen und auf Festivals in Europa zu hören; seit Oktober 2003 iDozent für Theorie und Tasteninstrumente an der Popakademie Mannheim.

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   Arbeitsanregungen:
  1. Arbeiten Sie heraus, was die verschiedenen Rezensenten der Mannheimer Aufführung 2005 des Egmont-Dramas hervorheben.
  2. Wie beurteilen sie jeweils die  Modernisierungen bei der Inszenierung des Dramas?
  3. Nehmen Sie in Form eines kommentierenden Leserbriefs zu diesen Modernisierungen Stellung.
  4. Arbeiten Sie aus den Zuschauerstimmen die unterschiedlichen Positionen heraus, vergleichen Sie diese mit Ihrer eigenen Auffassung und nehmen Sie zu der jeweils geäußerten Kritik Stellung.
     
 
      
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