Home
Nach oben
Zurück
Weiter
 

 

Borchert, Nachts schlafen die Ratten doch

Gesprächsanalyse

 

Die Analyse des Gesprächs zwischen dem Mann und dem Jungen stellt den Kern der Interpretation von Wolfgang Borcherts Kurzgeschichte »Nachts schlafen die Ratten doch« dar.

In Anlehnung an das Analyseraster für die dramatische Rede sollte die Analyse des Gesprächs der beiden Figuren folgende Gesichtspunkte berücksichtigen:

  1. Worüber unterhalten sich die beiden Gesprächspartner? Wie entwickelt sich der Gesprächsinhalt im Laufe des Gesprächs? Gibt es inhaltlich besonders wichtige Gesprächsinhalte?

  2. Wie verteilen sich die Gesprächsanteile der Gesprächspartner? Verläuft das Gespräch gleichberechtigt ? Welche Sprechakte / Sprechakttypen und - sequenzen lassen sich erkennen? Welche Absichten verfolgen die Gesprächspartner? Wie wirken die Äußerungen auf den jeweiligen Hörer? Verändert sich das sprachlich-kommunikative Verhalten der Gesprächspartner im Zuge des Gesprächs?

Der nachfolgende Text gibt nur den in direkter Rede erzählten Dialog des Mannes mit dem Jungen wieder (szenische Darstellung). Alle Textpassagen, die Erzählerbericht sind, wurden ausgelassen und mit [...] gekennzeichnet.

  • Raum des Geschehens: Ruine eines nach einem Bombenangriff zerstörten Hauses

  • Figuren: ein neunjähriger Junge, ein Mann

  1. Du schläfst hier wohl, was? fragte der Mann [...]

  2. Nein, ich schlafe nicht. Ich muss hier aufpassen. [...]

  3. So, dafür hast du wohl den großen Stock da?

  4. Ja, [...]

  5. Worauf passt du denn auf? [...]

  6. Das kann ich nicht sagen. [...]

  7. Wohl auf Geld, was? [...]

  8. Nein, auf Geld überhaupt nicht [...] Auf etwas ganz anderes.

  9. Na, was denn? [...]

  10. Ich kann es nicht sagen. Was anderes eben.

  11. Na, denn nicht. Dann sage ich dir natürlich auch nicht, was ich hier im Korb habe.  [...]

  12. Pah, kann mir denken, was in dem Korb ist [...] Kaninchenfutter.

  13. Donnerwetter, ja! [...]  bist ja ein fixer Kerl. Wie alt bist du denn?

  14. Neun.

  15. Oha, denk mal an, neun also. Dann weißt du ja auch, wie viel drei mal neun sind, wie?

  16. Klar [...] Das ist ja ganz leicht. [...] Dreimal neun, nicht? [...] siebenundzwanzig. Das wusste ich gleich.

  17. Stimmt [...] und genauso viel Kaninchen habe ich. [...]

  18. Siebenundzwanzig?

  19. Du kannst sie sehen. Viele sind noch ganz jung. Willst du?

  20. Ich kann doch nicht. Ich muss aufpassen [...]

  21. Immerzu? [...]  nachts auch?

  22. Nachts auch. Immerzu. Immer. [...] Seit Sonnabend schon [...]

  23. Aber gehst du denn gar nicht nach Hause? Du musst doch essen. [...]

  24. Du rauchst? [...] hast du denn eine Pfeife? [...]

  25. Ich drehe. Pfeife mag ich nicht.

  26. Schade [...] die Kaninchen hättest du ruhig mal ansehen können. Vor allem die Jungen. Vielleicht hättest du dir eines ausgesucht. Aber du kannst hier ja nicht weg.

  27. Nein, [...] nein nein.

  28. Na ja, wenn du hier bleiben musst - schade. [...] 

  29. Wenn du mich nicht verrätst [...] es ist wegen den Ratten. [...]

  30. Wegen den Ratten?

  31. Ja, die essen doch von Toten. Von Menschen. Da leben sie doch von.

  32. Wer sagt das?

  33. Unser Lehrer.

  34. Und du passt nun auf die Ratten auf? [...]

  35. Auf die doch nicht! [...] Mein Bruder, der liegt nämlich da unten. [...] Unser Haus kriegte eine Bombe. Mit einmal war das Licht weg im Keller. Und er auch. Wir haben noch gerufen. Er war viel kleiner als ich. Erst vier. Er muss ja noch hier sein. Er ist doch viel kleiner als ich. [...]

  36. Ja, hat euer Lehrer euch denn nicht gesagt, dass die Ratten nachts schlafen?

  37. Nein, [...] das hat er nicht gesagt.
    Na, [...] das ist aber ein Lehrer, wenn er das nicht mal weiß. Nachts schlafen die Ratten doch. Nachts kannst du ruhig nach Hause gehen. Nachts schlafen sie immer. Wenn es dunkel wird, schon. [...]

  38. Weißt du was? Jetzt füttere ich schnell meine Kaninchen, und wenn es dunkel wird, hole ich dich ab. Vielleicht kann ich eins mitbringen. Ein kleines oder, was meinst du? [...]

  39. Ich weiß nicht [...] wenn sie wirklich nachts schlafen.

  40. Natürlich [...] euer Lehrer soll einpacken, wenn er das nicht mal weiß. [...]

  41. Wenn ich eins kriegen kann? Ein weißes vielleicht?

  42. Ich will mal versuchen [...] aber du musst hier solange warten. Ich gehe dann mit dir nach Hause, weißt du? Ich muss deinem Vater doch sagen, wie so ein Kaninchenstall gebaut wird. Denn das müsst ihr ja wissen.

  43. Ja [...] ich warte. Ich muss ja noch aufpassen, bis es dunkel wird. Ich warte bestimmt. [...] Wir haben auch noch Bretter zu Hause. Kistenbretter [...]

 
   
   Arbeitsanregungen
:

Inszenieren Sie den Dialog in einer Dreier-Gruppe (Zwei Schauspieler, ein Regisseur)

  1. Suchen Sie sich geeignete Requisiten, mit denen Sie das Spiel der Schauspieler und Schauspielerinnen unterstützen.

  2. Spielen Sie danach die Szene.

  3. Artikulieren bzw. verfassen Sie in schriftlicher Form einen "Untertext" zu jeder Äußerung einer der beiden Figuren. Dieser soll beinhalten, was die betreffende Figur gerade denkt oder fühlt. Schreiben Sie diesen Text in Form eines inneren Monologes.

  4. Versuchen Sie dann die Sprechakte im Gespräch der beiden Personen genauer zu bestimmen.

  5. Vergleichen Sie ihre Bestimmung der Sprechakte mit den vom Erzähler in Borcherts Kurzgeschichte gemachten Angaben.

 

               
  Bausteine ]  
  

          CC-Lizenz
 

 

Creative Commons Lizenzvertrag Dieses Werk ist lizenziert unter einer Creative Commons Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 International License (CC-BY-SA) Dies gilt für alle Inhalte, sofern sie nicht von externen Quellen eingebunden werden oder anderweitig gekennzeichnet sind. Autor: Gert Egle/www.teachsam.de