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Bausteine

Interpretationsaussagen untersuchen und beurteilen

Wolfgang Borchert (1921-1947) KurzgeschichtenDas Brot

 
FAChbereich Deutsch
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1.
»Heinrich Böll (1917-1985) schrieb 1955 über • Wolfgang Borcherts Kurzgeschichte •»Das Brot«:

"[...] Wo das Röntgenauge eines Dichters durch das Aktuelle dringt, sieht es den ganzen Menschen, großartig und erschreckend – wie er in Borcherts Erzählung 'Brot' zu sehen ist. Die 'Helden' dieser Geschichte sind recht alltäglich: ein altes Ehepaar, neununddreißig Jahre miteinander verheiratet. Und der 'Streitwert' in dieser Geschichte ist gering (und doch so gewaltig, wie ihn die Augenzeugen der Hungersnot noch in Erinnerung haben mögen): eine Scheibe Brot. Die Erzählung ist kurz und kühl. Und doch ist das ganze Elend und die ganze Größe des Menschen mit aufgenommen – wie hinter dem gebrochenen Nasenbein auf der Röntgenaufnahme der Totenschädel des Verletzten zu sehen ist. Die Erzählung 'Brot' ist Dokument und Literatur. [...]"

(aus: Heinrich Böll, Die Stimme Wolfgang Borcherts. In: Erzählungen, Hörspiele, Aufsätze, Köln, Berlin: Kiepenheuer&Witsch 1961)


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2.
Hans-Gerd Winter (2004, S.25f.,) betont in seiner Interpretation, dass "die Geschichte dem Anliegen Borcherts (entspricht), die ›Wahrheit‹ über die eigene Zeit auszusagen – so wie er sie sieht und erlebt [...]. Es handelt sich in diesem Fall um keine politische oder gesellschaftliche Wahrheit, sondern um eine zutiefst menschliche [...]. Gestaltet ist die existenzielle Ambivalenz des Menschen, seine Fähigkeit zu Betrug und Liebe in einem. Dabei handelt es sich um Durchschnittsmenschen und um eine ganz alltägliche Situation. [...] Die Geschichte belegt Borcherts Fähigkeit, an etwas so Bescheidenem und von heute aus Unwichtigem wie einer zusätzlich abgeschnittenen und verzehrten Scheibe Brot die Schwächen und Stärken des Menschen zu verdeutlichen."


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3.
Für Wilhelm Große (1995/2017, S.47f.) steht in Borcherts Kurzgeschichte eine "Geste der Humanität" im Mittelpunkt, die ohne jedes übertriebene Pathos gestaltet sei: "Auch hier ist ein Akt der Liebe oder der Humanität, der in eine Welt, die von zerstörerischen Kräften beherrscht wird, Ausgleich und Harmonie auf ganz elementare Weise einbringt. Nicht heroisch, nicht pathetisch, sondern alltäglich und eben selbstverständlich handelt die Frau, die sich von ihrem Mann hintergangen sehen muß, ihm aber diese Handlung verzeiht, weil sie in ihr die ganze Hinfälligkeit des Menschen erkennt. Sie akzeptiert den Menschen in dieser Hinfälligkeit, deckt diese liebevoll zu und gründet darauf erneut eine Gemeinschaft. [...] Und elementar ist auch die rettende Handlung der Frau. Es ist eine einfache Form der Humanität, bezeugt in der Scham als der gegenseitigen Achtung voreinander."

Gert Egle, zuletzt bearbeitet am: 25.05.2025

     

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