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Johannes Bobrowski, Brief aus Amerika

Erzähltechnische Mittel


Johannes Bobrowski verwendet zur Gestaltung der Aussage in seiner  Kurzgeschichte »Brief aus Amerika« u. a. die nachfolgenden erzähltechnischen Mittel.

Darbietungsformen:

  • Erzählerbericht:

    • fiktionaler Bericht: »...singt die alte Frau und dreht sich dabei hübsch langsam und bedächtig, und jetzt schleudert sie die Holzpantinen von den Füßen, da fliegen sie im Bogen bis an den Zaun, und sie dreht sich nun noch schneller unter dem Apfelbäumchen.« 

    • Beschreibung: z.B. »...von den Ästen des Bäumchens fallen kleine, dünne Schatten herab, es ist heller Mittag...«; »Das Haus ist weiß. An der Seite steht ein Stall...« 

  • Direkte Rede

    • Gesang der alten Frau: »Brenn mich,...«; »Liebe Sonne, brenn mich...«; ein weiteres Mal: »Werden wir die Milch aufkochen, sagt sie...«

    • und gewissermaßen als stumme Rede (Brief des Sohnes Jons):
      - »...Du weißt, ihr Vater hat uns das Geschäft überschrieben, es geht gut.« 

  • Innerer Monolog

    • »Der Mensch ist jung oder alt, Was braucht der alte Mensch denn schon?« (nicht ganz eindeutig bestimmbar)

Zeitgestaltung:

  • linear: Kontinuierlicher Handlungsablauf; allerdings erfolgt der Übergang von Situation 1 (im Garten) zu Situation 2 (im Haus) übergangslos und ohne Information über die erzählte Zeit

  • meist annähernd zeitdeckend, im Garten sogar Tendenz zur Zeitdehnung, nur geringe Zeitraffung bei Übergang in Situation im Haus, beschreibende Passagen vermitteln den Eindruck, als ob die Zeit in der Mittagshitze "steht". 

  • Erzähltempus:
    - Präsens

Raumgestaltung

  • Handlungsraum: Garten, Küche 

  • Stimmungsraum: draußen: Sonnenschein, helllichter Tag, Haus und Stall sind weiß, Sonnenstrahlen, keine Geräusche - drinnen: kühl, Summen von Fliegen, im Vergleich zu draußen dunkler

Figurengestaltung 

  • Figurenkonstellation: alte Frau als handelnde Figur - Sohn Jons und Schwiegertochter Alice, die ausgewandert sind

Erzählperspektive  

  • Überwiegend personale Erzählperspektive

  • Auktorial dagegen der Hinweis, dass der Brief eigentlich noch länger sei.

  • Personal eingefärbter Erzählerbericht bei der Raumgestaltung, dessen sachliche Nüchternheit die - abgesehen vom Tanzen und Gesang der alten Frau - wenig Affekte sichtbar werden lässt; alles, was die alte Frau tut, geschieht mit einer geradezu sachlich-nüchternen Routine. Der personale Erzähler "interpretiert" die Landschaft um das Haus in den Kategorien der eigenen Attraktivität, wie sie die alte Frau für sich reklamiert: alles ist weiß und schön, wie auch ihre weißen Arme schön waren.

  • Die Reflexionen über das Alter sind nicht eindeutig von der Erzählperspektive her zu bestimmen, wenngleich der vorangehende Teil der Erinnerungen der alten Frau an ihren Mann, den Annus, den Schluss nahe legen, dass es sich um einen inneren Monolog handeln könnte. 

Textsorte

  • Kurzgeschichte: unvermittelter Beginn, offener Schluss: Es wird nicht ausgeführt, ob Brief und Photographe wirklich verbrannt werden;  Alltäglichkeit der Sprache, des Ortes, der Personen; Kürze; Punktualität der Zeit, des Ortes, der Personen, der Handlung
 

  

 
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