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John Berger

Rezensionen zu »SauErde«


1. Neue Zürcher Zeitung (1982)

Wovon handeln die Geschichten? Es sind die Ereignisse des Alltags, die scharf beobachtet und in direkter Sprache, ohne überflüssige Schnörkeleien oder gar Gefühlsdusel wiedergegeben sind; eine Kuh muss geschlachtet werden, ein Bauer wird beim Schnapsbrennen erwischt und nimmt unverhältnismäßige Rache an den zwei Steuereintreibern eine alte Frau führt in eiskalter Nacht ihr Ziege zum Bock, um sie decken zu lassen, ein Junge erlebt die Saumetzgete zu Hause und wird vom Großvater in die Familientradition eingeweiht. Die Texte werden immer ausgedehnter, und der letzte im Buch ist gar dreiteilig. Er handelt vom seltsamen Leben der Lucie Chabrol, einer Zwergin, die sich außerhalb der Dorfgemeinschaft stellt und von dieser systematisch zugrunde gerichtet wird.
Diese letzte Geschichte zeigt exemplarisch, worum es dem Verfasser geht. Sein Ziel ist nicht nur, „Bauerngeschichten“ aufzuschreiben, sondern er versucht, die letzten Augenblicke des in seinen Augen zum Tode verurteilten Bauernstandes festzuhalten. So zeichnet er scharf den konservativen Altbauern, der sich gegen einen Traktor (und damit die Mechanisierung) auf seinem Hof wehrt – im Gegensatz zu den verschwommenen Söhnen, denen es an Persönlichkeit fehlt. Tragisch und unabwendbar erscheint das Schicksal der Bauern auf dieser Welt, die in ihrer Gesamtheit der Industrialisierung zum Opfer fallen. Der Argwohn des Bauern steht stellvertretend für die Angst des Menschen, sich selber auf dem Altar des Fortschrittes geopfert zu haben. Gibt es noch ein Zurück? Die Geschichten scheinen es zu verneinen. Trotz grimmigem Humor enden sie alle mit Zerstörung und Vernichtung, mit Untergang von Mensch und Tier. Nicht ein Zurück in eine nostalgische Natur wird als Ausweg angetönt, wohl aber ein Sich-Bewusstmachen, dass mit der Eliminierung des Bauerntums auch die Hoffnungen auf wachsende Menschlichkeit in dieser Welt ausradiert werden. [...]
Neue Zürcher Zeitung 18.5.1982

(aus der Pressemappe des Hanser-Verlages zum Autor, 23.09.02)
 

    
   Arbeitsanregungen:
  1. Arbeiten Sie aus der Rezensionen die wesentlichen Aussagen heraus.

  2. Stellen Sie diese Aussagen in Beziehung zu John Bergers Kurzgeschichte "Eine Frage des Platzes".
     

 
     
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