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Arbeitsschritte bei Textinterpretation

Tabellarische Übersicht


Arbeitsschritte für die werkimmanente Interpretation verbindlich festlegen zu wollen, ist mehr als schwierig, erscheint manchem sogar als in höchstem Maße fragwürdig. Und wie viele meinen: mit gutem Grund. Wie soll sich der letzten Endes für jeden einzelnen unterschiedlich ausfallende Prozess des Textverstehens und die individuell ausgeprägte hermeneutische Zirkelbewegung in das Korsett einer mehr oder weniger verbindlichen Abfolge von Arbeitsschritten geschnürt werden können? Einwände, die zwar nicht von der Hand zu weisen sind, aber an den Problemlagen interpretationsunerfahrener Schüler dennoch vorbeigehen. So gibt es zwei Wege:

  • Man gibt nur relativ oberflächliche und wenig präzise Arbeitsanregungen, die irgendwie in einen zeitlichen Ablauf (Phasen) eingefügt werden.
  • Man verliert sich in einer Vielzahl von nicht mehr nachvollziehbaren Details, die der Auflistung von Arbeitsschritten ihren instruktiven Charakter nahezu vollständig nehmen.

Der hier vorgenommene Versuch versucht die goldene Mitte zu treffen. Die Links in der Übersicht stellen den jeweils nötigen Kontext bereit, der für eine Umsetzung der Arbeitsschritte u. U. zusätzlich erarbeitet sein will.

 

 

Arbeitsschritt

Funktion

Arbeitsmethoden / Hinweise

Vom Vorverständnis zum Textverständnis

1

intensives sequenzielles Lesen des Textes

Orientierung über Inhalt und Thema (1. Textverständnis)

Vorverständnis klären (z. B. Textmusterwissen, Autor o. ä.); MURDER-Schema bei mehrteiliger Arbeitsanweisung, Markieren und Hervorheben

2

Erstleseeindrücke festhalten, Deutungshypothesen formulieren

Erstes Textverständnis und erweitertes Vorverständnis des Textes

Festhalten von Erstleseeindrücken, spontanen Einfällen zu Inhalt, Thema und Strukturen, aber auch zu Autor oder Epoche; ggf. Fragenkatalog benutzen

3

erneutes, u. U. mehrfaches Lesen des Textes

Erweiterung des Textverständnisses
(hermeneutischer Zirkel bzw. hermeneutische Spirale)

vom ersten Textverständnis und seinen Annahmen über den Text zu einem vertieften Textverständnis, ggf. Fragenkatalog benutzen

Textbeschreibung und –analyse

4

Inhaltliche Gliederung des Textes erfassen

Erfassen von Sinnabschnitten, Handlungsverlauf

Sinnabschnitte erfassen, ggf. knappe Inhaltsangabe verfassen

5

Detailanalyse durchführen

Funktionszusammen-
hang von Inhalt, Form und Bedeutung des Textes u. a.:

  • Textaufbau

  • Sprachlich-stilistische Mittel

  • Textsorten-/ gattungsspezifische Merkmale (z. B. erzähltechnische Mittel) ...

gegliederte Stoffsammlung unter dem Blickwinkel der Aufgabenstellung, Textsorte bestimmen, Belegstellen u. Zitate auswählen (Zitierregeln)

Textinterpretation i. e. S. (Interpretationsaufsatz)

6

Interpretations-
skizze(n) entwickeln

Gesamtverständnis als zusammenfassende Deutung (Interpretation)

 

7

Ergänzende  Interpretationsansätze heranziehen

Ergänzende Interpretationsansätze - und -gesichtspunkte   berücksichtigen

z. B. biographischer Ansatz, historisch-politischer Ansatz, geistesgeschichtlicher Ansatz, rezeptionsästhe-tischer Ansatz ...

8

Bearbeitungs-strategie festlegen

textsukzessiv (linear) oder textstrukturierend (aspektorientiert)

hermeneutischer Zirkel in beiden Fällen möglich, Einleitung(s-gedanke) formulieren

9

Arbeitsgliederung erarbeiten

Aufbau und Reihenfolge der Gesichtspunkte festlegen

vom Vorverständnis zum Textverständnis, Vorgaben bei einer mehrteiligen Arbeitsanweisung

10

Niederschrift abfassen

Sprachlich-stilistische Gestaltung des Aufsatzes

Adressaten- und schreibrollengemäß formulieren

Wenn die Interpretationsaufgabe in Form einer mehrteiligen Arbeitsanweisung gestellt wird, lässt sich dieses Schema natürlich nur sehr eingeschränkt verwenden. Hier muss man dann zumindest darauf achten, dass man frühzeitig jene Interpretationsgesichtspunkte "einbaut", die explizit in der Arbeitsanweisung aufgeführt werden.
 

       
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