Frage und Antwort
Hans-Georg Gadamer (1962)


Dass ein überlieferter Text Gegenstand der Auslegung wird, heißt bereits, dass er eine Frage an den Interpreten stellt. Auslegung enthält insofern stets den Wesensbezug auf die Frage, die einem gestellt ist. Einen Text verstehen, heißt diese Frage verstehen. Das aber geschieht (...) dadurch, dass man den hermeneutischen Horizont gewinnt. Diesen erkennen wir jetzt als den Fragehorizont, innerhalb dessen sich die Sinnrichtung eines Textes bestimmt. - Wer verstehen will, muss also fragend hinter das Gesagte zurückgehen. Es muss es als Antwort von einer Frage her aus verstehen, auf die es die Antwort ist. So hinter das Gesagte zurückgegangen, hat man aber notwendig über das Gesagte hinausgefragt. Man versteht den Text ja nur in seinem Sinn, indem man den Fragehorizont gewinnt, der als solcher notwendigerweise auch andere mögliche Antworten umfasst. Insofern ist der Sinne eines Satzes relativ auf die Frage, für die er eine Antwort ist, d.h. aber, er geht notwendigerweise über das in ihm selbst Gesagte hinaus. (S.351 f., zit. n. Reichert 1995, S.224)

  

   Arbeitsanregung
  1. Erläutern Sie, was Gadamer mit seinem ersten Satz meint.
  2. Was bedeutet Gadamers Festellung: "Wer verstehen will, muss .. fragend hinter das Gesagte zurückgehen."
     
     
   

  

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