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Aspekte der Schreibaufgabe

Typus und Charakter

Texte interpretieren Literarische Charakteristik


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Im Kontext von Schreibaufgaben zur ▪ literarischen Charakteristik tauchen immer wieder vier Begriffe auf, die in der Literaturwissenschaft keineswegs einheitlich verwendet werden: Person, Figur, Charakter und Typus.

Person und Figur

Meistens werden die beiden Begriffe synonym verwendet. So sprechen die einen von Figuren- die anderen eben von Personenrede oder von Figurenkonstellation oder Personenkonstellation.

Wenn die Begriffe Person und Figur voneinander abgegrenzt werden, dann kann dies auf folgende Art und Weise erfolgen:

Person (lat. persona = Maske des Schauspielers) steht dann für den Mensch als geistiges Einzelwesen, im Drama z. B. zur Bezeichnung des Schauspielers mit Körper und Stimme (dramatis personae).

Figur (lat. figura = Gebilde, Gestalt) hingegen wird verwendet, wenn die literarische Figur als Kunstfigur als vom Autor geschaffene Figur gemeint ist.

Dabei verwenden wir hier die Begriffe Person und Figur im Kontext der • Analyse und Interpretation literarischer Texte weitgehend synonym, sprechen z. B. von der Personen- oder Figurenrede, vom Personen- oder Figurenverzeichnis, von der Charakterisierung einer (literarischen) Figur oder (literarischen) Person.

Charakter und Typus

In der Literaturwissenschaft wird der Begriff des Charakters "als historischer Beschreibungsbegriff verwendet, wobei ›Charakter‹ als ›Figur von individuellem Gepräge‹ nicht immer klar unterschieden wird von ›Charakter‹ als ›individuelles Gepräge‹ einer Figur." (Asmuth 2007, S.298)

Kennzeichnend ist gewöhnlich der metonymische Gebrauch des Begriffs, was eine Verwendung des Ausdrucks in einem übertragenen Sinn bedeutet

Dieser wird oft in Anlehnung an das engl. character "für alle Personen in fiktionalen (sowohl narrativen als auch dramatischen) Texten gebraucht, unabhängig vom Grad ihrer Individualisierung." (ebd., S.297) Diese Verwendung entspricht damit dem heutigen Gebrauch des Begriffs Figur.

Historisch gesehen war dieser metonymische Gebrauch vor allem im 18. und 19, Jahrhundert zur Bezeichnung von Dramenpersonal üblich und auf eine Figur bezogen, die "mit einer unverwechselbar-einmaligen Kombination persönlicher Merkmale oder auch Absonderlichkeiten in Sprache und Verhalten"  (ebd,) auf der Bühne agierte.

Von den so genannten "Charakterdarstellern", die schwierige, schematisch nicht einstufbare Hauptpersonen verkörperten (vgl. Asmuth1980/62004, S.88), unterschied man daher auch die Schauspieler*innen, die ein "Rollenfach" präsentierten. Zu ihnen zählten in einer damaligen Theatertruppe "vor allem ein erster und zweiter Liebhaber, eine erste und zweite Liebhaberin, ein ernster und komischer Alter (Vater), eine ernste und eine komische Mutter sowie zwei männliche und zwei weibliche Bedienstete" (ebd.S.88).

Im Rollenfach kam eher der Typus zur Darstellung als der Charakter. Er verkörperte nämlich im Gegensatz zu diesem eine bestimmte Haupteigenschaft bzw. ein gewöhnlich stark standardisiertes Bündel von Eigenschaften, die sie um diese Haupteigenschaft gruppierten bzw. funktional mit ihm in Verbindung standen.

Charakter

Typus

Individualisierte Figur in einem erzählenden oder dramatischen Text

  • weist eine Vielzahl von Merkmalen in physischer, psychischer und sozialer Hinsicht auf

  • Merkmale können auch widersprüchlich sein

Beispiele: • Maria Stuart, • Konsul Buddenbrook, • Nathan der Weise

Nicht-individualisierte Figur in einem epischen oder dramatischen Text

  • gr. typos = Abbild, Muster, Schlag

  • weist nur die Merkmale auf, die ihn einer bestimmten Gruppe zugehörig erscheinen lassen

Beispiele: Der Geizige, der Gelehrte, der Schürzenjäger, der Morgenmuffel

Dabei ist die Frage, ob eine Autorin oder ein Autor in seinem Werk eine Figur oder einen individuell ausgeprägten Charakter gestaltet, auch in ihrem • literatur- und sozialgeschichtlichen Kontext zu sehen, denn die Bedeutung, die dem einen oder anderen verliehen wurde, spiegelt nicht nur epochenspezifische Welt- und Menschenbilder, sondern auch innerliterarische bzw. genre- oder gattungsbezoge Bezüge.

Personifikation - Typ - Individuum

Manfred Pfister (1977, S.245) hat sechs Bereiche der Figurenkonzeption (SEPGTI) unterschieden, die in einem strukturalistischen Modell auf der Basis dichotomischer Kategorien zur • Analyse der Figurenkonzeption. Einzig der Analysebereich, der mit den traditionellen Begriffen Typus und Charakter überschrieben wäre, ist bei ihm in andere Kategorien gefasst, die nicht binär abgebildet werden können. So unterscheidet er Personifikation, Typ und Individuum. Der Begriff Individuum ist dabei weitgehend deckungsgleich mit dem oben dargestellten Charakter, Typ mit dem obigen Typus.

Personifikation

Typ

Individuum

sehr wenig Informationen über eine Figur;

zielt auf Illustration eines abstrakten Begriff, einer einzigen Eigenschaft  (z.B. Personifikationen eines Lasters wie Hochmut)

Zusammenfügen bestimmter soziologischer oder psychologischer Merkmale, die einen Typ bestimmen 

entweder mit zeitgenössischen Bezügen oder aus Dramentradition stammend (z.B. der Gelehrte, der Höfling etc.)

Fülle von charakterisierenden Details; verschiedene Ebenen: Aussehen, Sprache, Verhalten, Biographie etc.

z.B. weit verbreitet in der • Literaturepoche des • Naturalismus, dagegen in der • Klassik keine wirklich individualisierende F. wegen des funktionalen Bezugs der Figuren

Gerade im • naturalistischen Drama, in dem es konzeptionell unabdingbar ist, dass auf der Bühne eine möglichst perfekte Wirklichkeitsillusion entsteht, sind die Figuren als Individuen gestaltet. Dabei entsteht aber auch ein besonderer Figurentyp, der "vom Individuellen (abstrahiert), um ein überindividuelles Allgemeines repräsentieren zu können." (Pfister 1977, S.245)

Dies führt "zu einer Beschränkung der Merkmale auf typische" mit der "Intention, das Einmalige und Unwiederholbare hervorzukehren." Dies sei, so Pfister weiter, "nur greifbar in einer Fülle charakterisierender Details, die die Figur mehrdimensional auf vielen Ebenen – Aussehen, Sprache, Verhalten, Biographie usw. – individualisiert, über ihre soziale, psychologische und ideologische Typik hinaus spezifiziert."

Das absurde Drama hingegen, das die Existenz menschlicher Individualität negiert, kann keine Figuren brauchen, die als Charaktere bzw. Individuen gestaltet sind.

Gert Egle. zuletzt bearbeitet am: 28.01.2026

 
 

 
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