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Literarische Charakteristik

Überblick

Texte interpretieren


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Die ▪ literarische Charakteristik ist eine schriftliche Form der Texterschließung, deren Ziel ein vertieftes Textverständnis ist. Ihre Besonderheit ist dabei die intensive, schreibaufgabenspezifische Beschäftigung mit den fiktionalen Figuren, deren Eigenheiten und Handlungsweisen einen Zugang zum Verständnis des Textes schaffen und der Verständigung darüber schaffen sollen. Daher ist die literarische Charakteristik auch eine • komplexe Schreibaufgabe.

Als ▪ schulische Schreibform kann sie als eigenständige Form, diesen Erschließungsprozess organisieren und dokumentieren. Sie kann aber auch, insbesondere in der Sekundarstufe II, in komplexer angelegte Schreibaufgaben zur ▪ Interpretation oder ▪ Erörterung literarischer Texte eingebettet sein.

Hier ist die literarische Charakteristik im Arbeitsbereich ▪ Textinterpretation eingeordnet, weil ihre spezifische Zielsetzung, nämlich die Herausarbeitung von aufeinander bezogenen Aussagen über das Äußere, die psychischen Dispositionen, soziale Lage usw. immer auch eine Interpretationsaufgabe darstellt, die über das reine Erfassen von beschreibenden Textinhalten hinausreicht. 

Der Alltagsbegriff

Wenn wir im Alltag von Charakter sprechen, meinen wird damit üblicherweise eigentümliche Eigenschaften und Eigenarten eines Menschen und sprechen in diesem Zusammenhang auch von den Charakterzügen eines Menschen, die wir bestimmten Einzelpersonen oder Personengruppen zuschreiben.

Der Begriff steht dann für das Gefüge ererbter oder erworbener Eigenschaften und Verhaltensweisen, die den einzelnen Menschen als von anderen unterschiedliches Individuum erscheinen lassen. In der Alltagssprache spricht man dabei häufig auch von der Persönlichkeit oder dem Wesen eines Menschen.

Lange war auch die Charakterologie ein anerkanntes Teilgebiet der Psychologie. Dabei ging man davon aus, dass jedes Individuum eine in seinem Wesen verankerte unveränderliche Eigenart besitzt, die seinen Charakter ausmacht.

Heutzutage sind solche Überlegungen überholt, auch wenn die Frage nach der Einzigartigkeit der Persönlichkeit und ihrer charakteristischen Verhaltensmuster die ▪ Persönlichkeitspsychologie noch immer beschäftigt. (vgl. Zimbardo/Gerrig 2004, S.601ff.)

Soziologisch hingegen ist die • Singularisierung, bei der postmoderne Subjekte "nach Einzigartigkeit und Außergewöhnlichkeit" (Reckwitz (2017/2019, S.9) streben und z. B. in den sozialen Medien ihre Profile zur Schau stellen, Ausdruck eines gesellschaftlichen Strukturwandels, der auch den Umgang mit dem alltäglichen Charakterbegriff verändert und beeinflusst. "Den eigenen Style", die eigene Besonderheit zu "performen", ist in diesen zentralen Arenen mit ihrem "umfassenden sozialen Attraktivitätsmarkt" (ebd.) zu einem "Kampf um Sichtbarkeit" (ebd.) geworden, in dem bestimmte Charaktereigenschaften nachgefragt werden.

Person, Figur, Typus und individueller Charakter in der Literaturwissenschaft

In der Literaturwissenschaft umgrenzen die • Begriffe Person, Figur, Charakter und Typus das Feld, wenn von dem Charakter literarischer Figuren gesprochen wird.

Wenn die Begriffe Person und Figur voneinander abgegrenzt werden, dann kann dies auf folgende Art und Weise erfolgen:

Person (lat. persona = Maske des Schauspielers) steht dann für den Mensch als geistiges Einzelwesen, im Drama z. B. zur Bezeichnung des Schauspielers mit Körper und Stimme (dramatis personae).

Figur (lat. figura = Gebilde, Gestalt) hingegen wird verwendet, wenn die literarische Figur als Kunstfigur als vom Autor geschaffene Figur gemeint ist.

Dabei verwenden wir hier die Begriffe Person und Figur im Kontext der • Analyse und Interpretation literarischer Texte weitgehend synonym, sprechen z. B. von der Personen- oder Figurenrede, vom Personen- oder Figurenverzeichnis, von der Charakterisierung einer (literarischen) Figur oder (literarischen) Person.

Klarer abgegrenzt werden voneinander die beiden Begriffe • Typus und Charakter, weil sie zum einen historische Beschreibungskategorien und zum anderen bestimmte grundlegende Gestaltungsprinzipien bei der Figuren- oder Personengestaltung in literarischen Texten darstellen.

Die literarische Charakteristik einer Figur mit der Tabellenmethode systematisch erarbeiten

Gert Egle. zuletzt bearbeitet am: 28.01.2026

 
 

 
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