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▪ Strukturen
dramatischer Texte
▪
Figurengestaltung
▪
Kontrast-
und Korrespondenzbeziehungen
▪
Überblick
▪ Fragenkatalog zur
Analyse
▪
Beispiel:
Schachspiel
Zur
▪ Analyse
und Interpretation dramatischer Texte gehört im Zusammenhang
mit der Untersuchung der
▪
Figurengestaltung
neben Fragen, was eine •
Figur
charakterisiert auch Fragen nach ihrem Platz, ihrer Stellung
und ihrem Verhältnis zu den anderen Figuren in der •
Konstellation aller Figuren,
auch die Frage, was sie mit anderen Figuren oder Figurengruppen
gemeinsam hat oder was sie von diesen unterscheidet.
Dabei geht es im Allgemeinen um die
•
Kontrast-
und Korrespondenzbeziehungen, die zwischen Figuren
bestehen. Was die Figuren unterscheidet oder verbindet,
wird gewöhnlich erst im Verlauf eines Dramas sichtbar und kann
sich auch während der Dramenhandlung verändern. Vergleicht man
die Figuren unter diesem Blickwinkel, in welcher Weise sie sich
formal bzw. strukturell aufeinander beziehen lassen, gewinnt man
auch wichtige Erkenntnisse über die
Figurenkonstellation,
-konzeption und
-charakterisierung in einem Drama.

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Die
Bezugspunkte einer solchen Analyse sind dabei in der Regel einzelne oder mehrere
Merkmale, die sich danach unterscheiden, ob sie einen
Merkmalsgegensatz zwischen den Figuren
darstellen (Kontrastbeziehung,
Figurenkontrast) oder zeigen, dass sich bestimmte Figuren in
bestimmten Merkmalen mehr oder weniger gleichen oder darin
übereinstimmen (Korrespondenzbeziehung).
-
Kontrast:
Figuren eines Dramas heben sich dadurch voneinander ab, dass ihre
Gegensätzlichkeit oder Andersartigkeit hervortritt.
-
Korrespondenz:
Zwischen
den Figuren eines Dramas lassen sich bestimmte
Entsprechungen und Übereinstimmungen erkennen
Dabei
ist natürlich nicht
jedes Merkmal, das Figuren unterscheidet oder in dem sie sich
ähneln, für den in
einem dramatischen Text gestalteten den Figurenkontrast oder die Figurenkorrespondenz gleichermaßen relevant.
So wird sich in der Regel von der gleichen oder
unterschiedlichen Schuhgröße der Figuren kaum etwas ableiten
lassen, dass für die Bedeutung des dramatischen Geschehens
relevant ist. Es sei, denn die Schuhgröße soll z. B. bei der
Inszenierung verdeutlichen, dass eine Figur auf besonders großem
Fuß lebt.
So
bleibt es einem bei der Analyse weitgehend selbst überlassen,
welche Merkmale in die vergleichende Betrachtung der Figuren
einbezogen werden und welche nicht. Rein willkürlich sollte die
Entscheidung darüber allerdings nicht ausfallen, sondern stets
reflektieren, welche Merkmale für die eigene Interpretation bzw. ▪
Sinnkonstruktion bedeutsam sind und plausibel textnah
begründet werden können.
Die charakteristischen
Merkmalskombinationen von Kontrast und Korrespondenz, die eine Figur
auszeichnen, dürfen dabei nicht so verstanden werden, dass sie, einmal
festgestellt, sich so im ganzen Drama zeigen. Natürlich
verändert sich das biologische Geschlecht einer Figur im Laufe
eines Dramas gewöhnlich nicht. Wie sie allerdings
Geschlechtsidentität versteht und ihre soziale Rolle als
männlich oder weiblich, als divers, nicht-binär, gender-fluid,
bigender, agender oder queer lebt, kann sich sehr wohl im
Verlauf eines Theaterstücks ändern.
Grundsätzlich sollte man also Merkmalskombinationen, die zur
Kontrast- und Korrespondenzanalyse herangezogen werden, immer
auf ihre mögliche Entwicklung und Veränderung im Laufe eines
dramatischen Textes betrachten. Die Dynamik, der eine •
Figur in einem Schachspiel unterworfen ist, kann diesen
Gedanken in analoger Weise verdeutlichen.