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| Freitagabend, kurz nach acht: Der rote Golf mit den breiten
Schlappen nervt die Nachbarn. Obwohl der Motor laut aufheult, schafft er es
nicht, das Gedröhne der Stereoanlage zu übertönen. Heavy Metal quillt aus
allen Boxen, hinterm Steuer zieht ein 19-jähriger cool an seiner Kippe. Die
Bierdose fliegt aus dem Fenster, Freitagabend, Wochenende, Ausgehzeit.
Schnell noch die beiden Kumpels abholen und dann nix wie weg in die Disco
der Nachbarstadt. Die Straße ist noch nass vom Regen, leichter Nebel legt sich übers Land. Doch der Golf liegt auch bei 140 noch gut in der Kurve, reagiert auf das lässige Ziehen am Lenkrad. Da brüllt sich der Heavy-Sänger den letzten Ton aus den Rippen, die Cassette ist zu Ende. Schnell nach einer neuen gegriffen, ein Blick in die Cassettenbox , eine Sekunde zu lang, die Kurve kommt schneller als gedacht, die Bremsen greifen zu spät, der Golf zieht nach links, Scheppern, Knallen, ein Baum. Seine Freunde holt der Fahrer nicht mehr in die Disco ab. Sie stehen vier Tage später betreten auf dem Friedhof und trauern um ihren coolen Kumpel. So klischeehaft diese Beschreibung auch ist: So und ganz ähnlich laufen viele Verkehrsunfälle ab, in die junge Menschen zwischen 18 und 35 verwickelt sind. Zwar nimmt die Gesamtzahl der tödlichen Unfälle Jahr für Jahr ab - auch bei jungen Leuten - doch verunglücken noch immer überdurchschnittlich viele Teens und Twens auf deutschen Straßen. Überdurchschnittlich ist auch die Zahl der betrunkenen jungen Fahrer. Vor allem an den Nachtstunden der Wochenenden ziehen Polizei und Feuerwehr verletzte und tote junge Menschen aus den Autowracks. Statistiken zeigen, dass das Risiko für junge Fahrer zwischen 18 und 25 Jahren, im Straßenverkehr zu verunglücken, dreimal höher ist als das der anderen Autofahrer. Etwas besser sieht es bei den 25- bis 35-jährigen aus, obwohl auch deren Unfallzahlen laut Deutscher Verkehrswacht über dem Durchschnitt liegen. Ziemlich genau untersuchte die Verkehrswacht die Gründe für die Unfälle junger Menschen und fand drei Problembereiche heraus. Erstens haben die jungen Fahrer eine höhere Risikobereitschaft. Sie überschätzen ihr Können am Steuer und testen gern, wie schnell sie mit dem Wagen durch die Gegend brausen können. Nicht selten mit dem großen Wagen von Papi. Als zweiter Punkt spielt das Umfeld der Fahrer eine Rolle. Junge Leute wollen sich gegenüber anderen beweisen, wollen in der Gruppe Stärke und Kompetenz zeigen. Das geht mit einem aufgemotzten Auto natürlich bestens. Wer schnell fährt, zeigt Mut und steigt bei vielen Kumpels im Ansehen. Prahlereien ("Mensch, gestern auf der Autobahn mit 160 Sachen fast auf eine Ente draufgerutscht!") kommen gut an, heben das Selbstwertgefühl. Doch kombiniert mit dem dritten Punkt, der mangelnden Routine, wird die Mischung gefährlich: Fahranfänger wollen mehr zeigen, als sie können. Gefährliche Situationen werden nicht rechtzeitig genug vorausgesehen, das Feingefühl für die berühmte Schrecksekunde fehlt. Die Statistik-Fachleute fanden noch mehr heraus. Junge Frauen verursachen weit weniger schwere Verkehrsunfälle als ihre männlichen Altersgenossen. Und auch bei den Männern rasen nicht alle wie die wild gewordenen Eber über die Piste. Nur etwa jeder dritte junge Fahrer, so ergab eine umfangreiche Befragung, gehört zur "Risikogruppe", fährt also gern zu schnell und oft zu riskant. Diese Gruppe wird von den Fachleuten aus der Soziologie in drei Typen eingeteilt. Zunächst gibt es den "Action-Typ". Dieser vertreibt sich die Freizeit am liebsten außer Haus, besucht gern Kneipen, Discos und Kinos. Action-Filme findet er geil, im Cassettenrekorder des Autos läuft bei ihm hauptsächlich Rock. Der "Fan-Typ" steht auf Fußball und Disco, flitzt gern mit dem Auto durch die Gegend und macht, wenn er gerade nichts zu tun hat, am liebsten einfach nichts. Schließlich der "Kontra-Typ": Ihn könnte man gewissermaßen als moderne Variante des Rockers einstufen. Vereine hasst er, Wandern findet er ätzend. Seine Vorliebe gilt der lauteren Musik, Rock, Punk oder Heavy Metal muss es schon sein, was da aus den Boxen brummt. Interessant sind auch die Statistikzahlen in Sachen Alkohol: Betrunkene junge Autofahrer zwischen 18 und 35 Jahren, die in einen Verkehrsunfall verwickelt waren, machen insgesamt mehr als zwei Drittel aller betrunkenen Fahrer insgesamt aus. Im Jahr 1992 wurden knapp 30 000 alkoholisierte Unfallfahrer ermittelt, mehr als 20 000 waren unter 35 Jahre alt, berichtet die Verkehrswacht. (aus: Südkurier, Wochenendmagazin, Nr.11, 15./16.1.1994)
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Arbeitsanregungen zur Texterörterung:
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