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Stellung nehmen zum Text

Formen

 
 
Man kann grundsätzlich drei verschiedene Formen der Stellungnahme unterscheiden, die im Rahmen der Texterörterung abgegeben werden können. Sie müssen den vertretenen Standpunkt klar und ausreichend begründen.

In der Praxis kommt es natürlich häufig zu Mischformen. Denn es kommt schließlich oft vor, dass man einer Sache zustimmt, eine andere aber nur unter Einschränkungen akzeptiert oder eine andere gänzlich ablehnt.

Stellung nehmen bedeutet allerdings keineswegs, Sachverhalte negativ zu beurteilen. Die zustimmende Stellungnahme hat nämlich grundsätzlich das gleiche Gewicht wie eine ablehnende. Dies ist für die Texterörterung in der Schule von besonderer Bedeutung. Denn bei der Auswahl der Themen für Prüfungen hat sich mehr und mehr die Tendenz ergeben, dass die ausgewählten Texte in der Regel mehr zur Zustimmung reizen (sollen), denn Ablehnung hervorrufen. So gesehen hat die zustimmende Stellungnahme also eine gewisse Konjunktur. Um so wichtiger also, genau zu wissen, was in einem solchen Fall eigentlich verlangt ist.

1. Die zustimmende Stellungnahme

Nicht selten mündet die kritische Auseinandersetzung mit einem Text (vgl. zustimmen) in einer zustimmenden Stellungnahme, die sich auf verschiedene Gegenstandsbereiche erstrecken kann. Und wer einem Text zustimmt, kann damit den Text als Ganzes meinen, aber genau so gut nur einen bestimmten Textabschnitt ins Auge fassen. Was im Rahmen der Zustimmung geleistet werden soll, wird allerdings häufig unterschätzt.

Wer nämlich einem Text im Allgemeinen zustimmt, tendiert häufig dazu, einfach nur das zur Begründung heranzuziehen, was ohnehin schon im Text steht. Heraus kommt dann bestenfalls eine Paraphrase des Textes, die die Übereinstimmung mit den Textaussagen signalisieren soll. Dies kann aber keineswegs mit einer begründeten Stellungnahme gleichgesetzt werden. (vgl. Sprechakt Paraphrase)

Es reicht bei einer zustimmenden Stellungnahme natürlich nicht, einfach zu artikulieren, dass man einen Text "gut" findet. Denn die Stellungnahme ist immer eine begründete Stellungnahme. Wer der Gesamtaussage eines Textes grundsätzlich zustimmt, sollte dies mit

  • zusätzlichen Argumenten begründen,

  • Beispiele aus dem eigenen Erfahrungsbereich heranziehen,

  • Belege aus anderen geschichtlichen Epochen anführen,

  • auf Belege aus anderen Wissensgebieten verweisen oder

  • auf weitere vom Verfasser nicht genannte positive Konsequenzen hinweisen.

Aus den genannten Möglichkeiten ist deutlich zu ersehen, dass Zustimmung zu einem Text immer auch über das unmittelbar im Text Vorhandene hinausgehen muss. Die Erörterungsstrategie, die in einem solchen Fall zu verfolgen ist, muss daher das textimmanente und texttranszendierende Erörtern miteinander verbinden. Andernfalls würde man ja nur die schon im Text geäußerten Gedanken wiederholen.

2. Die einschränkende Stellungnahme

Im Zuge einer kritischen Auseinandersetzung mit einem Text kann die Stellungnahme, die man abgibt, darauf hinauslaufen, dass man gewisse Einschränkungen (vgl. einschränken) vornehmen will.

In einem solchen Fall kann es also sein, dass man

  • der Grundtendenz eines Textes durchaus zustimmt,

  • einen Großteil der gemachten Aussagen unterstützt,

  • nur bestimmte einzelne Aussagen richtig findet oder

  • der Kernaussage beipflichtet.

Allerdings erstreckt sich die Zustimmung dann eben nur auf Teile der im Text gemachten Ausführungen, d. h. es müssen Einschränkungen vorgenommen werden. Solche Einschränkungen können größer oder kleiner, gewichtiger oder weniger gewichtig ausfallen. Daher muss dargestellt werden, bis zu welchem Grad bzw. bis zu welchem Punkt man einer Aussage zustimmt und wo die mögliche Ablehnung beginnt.

Diese Einschränkungen können sich auf verschiedene Gegenstandsbereiche erstrecken. Und die Einschränkungen können für den Text als Ganzes oder nur für einen oder mehrere Textabschnitte gelten.

Wenn man eine einschränkende Stellungnahme zum Text abgeben will, muss man

  • seine Meinung abgrenzen und 
  • ein differenziertes, im Vergleich zur Vorlage sogar differenzierteres Urteil über den Sachverhalt fällen. 

Dafür gibt es verschiedene Möglichkeiten. Einschränkungen kann man u. a. dadurch vornehmen, dass man

  • Argumente zurechtrückt,
  • Vereinfachungen und Irrtümer zurückweist,
  • die vertretenen Ansichten relativiert.

3. Die ablehnende Stellungnahme

Im Zuge einer kritischen Auseinandersetzung mit einem Text kann die Stellungnahme, die man abgibt, auf eine Ablehnung des Textes oder einzelner Teile hinauslaufen. Diese Art der Stellungnahme wird oft als die einzig kritische angesehen, weil sie u. U. auf einem gänzlich entgegengesetzten Verständnis eines Sachverhaltes oder Problems bzw. von Problemlösungen beruht.

Eine ablehnende Stellungnahme kann sich wie alle anderen Formen auch auf verschiedene Gegenstandsbereiche erstrecken. Und die Einschränkungen können für den Text als Ganzes oder nur für einen oder mehrere Textabschnitte gelten. Meistens wird es sich um eine Ablehnung einzelner Aussagen handeln. Dies hat auch vor allem damit zu tun, dass bei schulischen Schreibformen wie der Texterörterung im Allgemeinen weniger Themen ausgewählt werden, die auf eine Ablehnung als Ganzes stoßen könnten. Außerdem finden sehr vergröbernde, plakative Texte, die sich einseitig  mit einem Problem befassen, und die u. U. eher Ablehnung hervorrufen könnten, meist wenig Eingang in die bevorzugten überregionalen Tages- und Wochenzeitungen, die meist als Quelle zu erörternder Texte dienen.

Wenn man zu der Auffassung gelangt ist, dass die gesamte Aussage eines Textes falsch ist, müssen

  • die wesentlichen und wichtigsten Thesen und Argumente widerlegt werden,

  • Gegenargumente zu einer eigenständigen Gegenargumentation entwickelt werden.

Dabei muss man natürlich auch beachten, ob die eigenen Argumente stichhaltig und schlagkräftig genug sind, um die im Text vorgenommene Argumentation wirklich zu entkräften. Ferner sollte man bei der Gegenargumentation natürlich genau prüfen, wo man ansetzen und wohin die Argumentation im Vergleich zur Textvorlage führen soll.

Gert Egle, zuletzt bearbeitet am: 28.03.2017

        
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