Home
Nach oben
Zurück
Weiter
 

 

Texterörterung

KMK-Bildungsstandards zur Erörterung pragmatischer Texte


Die Texterörterung hat - unter anderer Bezeichnung - einen festen Platz in den »Bildungsstandards im Fach Deutsch für die Allgemeine Hochschulreife, die von der Kultusministerkonferenz vom 18.10.2012 (Abk. BISTA-AHR-D 2012) verabschiedet worden sind.

Die Erörterung pragmatischer Texte als Standard für die schriftliche Abiturprüfung

Die Abituraufgabe zählt zur Gruppe der Schreibaufgaben, die in den →KMK-Bildungsstandardards als Auseinandersetzung mit pragmatischen Texten bezeichnet werden. (BISTA-AHR-D S.19).

"Die Schülerinnen und Schüler nutzen für den eigenen Erkenntnisprozess vielschichtige, voraussetzungsreiche Sachtexte, darunter auch wissenschaftsnahe und berufsbezogene Fachtexte aus unterschiedlichen Domänen. Sie erschließen, analysieren und beurteilen Gehalt, Kontext und Wirkungsabsicht pragmatischer Texte."

Im Rahmen des textbezogenen Schreibens wird dabei neben der Textinterpretation zwischen der Textanalyse, der Erörterung literarischer Texte und der Erörterung pragmatischer Texte (Texterörterung) unterschieden.

Die Bildungsstandards beschreiben auch, worum es im Kern beim Erörtern pragmatischer Texte geht:

"Ziel einer Erörterung pragmatischer Texte ist im Kern die argumentative Auseinandersetzung mit Problemgehalten pragmatischer Texte, nicht aber die detaillierte, umfassende Analyse dieser Texte. Der jeweils vorgelegte Text ist Grundlage und Ausgangspunkt für eine Erörterung darin enthaltener Auffassungen, Meinungen und Urteile (vgl. Abschnitt 2.4.2: "Sich mit pragmatischen Texten auseinandersetzen"). Voraussetzung ist, dass die Textvorlage etwas Strittiges behandelt und dies von den Prüflingen erkannt wird. Es gehört zu den Bestandteilen einer Texterörterung, die thematisierte Problemstellung erklärend und argumentierend zu entwickeln und die Prämissen der eigenen Argumentation zu reflektieren (vgl. Abschnitt 2.2.2: "Erklärend und argumentierend schreiben"). Der dabei entstehende Text besteht schwerpunktmäßig aus einer strukturiert entfalteten begründeten Stellungnahme. Texterörterungen enthalten auch informierende Anteile (vgl. Abschnitt 2.2.2: "Informierend schreiben").“ (BISTA-AHR-D, S.25)

Die Aufgabenarten

Die Aufgabenarten, die im Bereich der Erörterung pragmatischer Texte gestellt werden, stehen dabei stets auf der Basis der Standards für das erklärende und argumentative Schreiben sowie das informierende Schreiben (explikative und argumentative Themenentfaltung). Im Gegensatz zur Textanalyse ist bei der Texterörterung aber keine detaillierte und umfassende Analyse der Texte erforderlich. Es geht vielmehr um den Problemgehalt und das in einem Text enthaltene Strittige, mit dem sich der Schreiber auseinandersetzen soll.

Wie eine Aufgabe zur Texterörterung aussehen kann, wird in den Bildungsstandards am Beispiel der beiden Texte von Wolf Schneider "Ich habe einen Traum" und von Rudi Keller "Ist die deutsche Sprache vom Verfall bedroht", die beide zusammen die Textgrundlage der Schreibaufgabe darstellen, ausgeführt:

"Erörtern Sie – ausgehend von den beiden vorliegenden Beiträgen (Textvorlage 1 und Textvorlage 2) – in einem strukturierten zusammenhängenden Text, wie der aktuelle Sprachwandel zu bewerten ist. Gehen Sie dabei folgendermaßen vor:

  1. Arbeiten Sie die wichtigsten Argumente der Autoren Wolf Schneider und Rudi Keller heraus und vergleichen Sie ihre zentralen Positionen zum Sprachwandel und zum gegenwärtigen Zustand der Sprache.

  2. Überprüfen Sie die Stichhaltigkeit der vorgestellten Positionen und der Argumentation beider Autoren.

  3. Stellen Sie begründet Ihren Standpunkt zu der Fragestellung dar, ob die aktuellen Veränderungen eher als Gefahr oder als Bereicherung für unsere Sprache zu betrachten sind. Beziehen Sie dabei auch Ihre Erfahrungen und Ihr Vorwissen ein."

Zieht man den Erwartungshorizont hinzu, den die Bildungsstandards formulieren, dann wird - im Gegensatz zu dem nachfolgenden Beispiel - deutlich, worin der Unterschied zwischen der Analyse einer Argumentationsweise besteht (s. u.) und der Erfassung des Problemgehalts und des Strittigen der Textvorlage(n), die den Ausgangspunkt für die Texterörterung darstellen sollen. So wird im Hinblick auf Aufgabe 1 formuliert  (BISTA-AHR-D, S.103):

Auch Mischtypen möglich

Allerdings gibt es auch Aufgaben, die die Analyse und die Erörterung eines pragmatischen Textes verlangen, und als solche mit den entsprechenden Arbeitsaufträgen und Operatoren kenntlich gemacht sind. Dabei muss zugleich klar angegeben werden, ob der Schwerpunkt der Gesamtaufgabe auf der Textanalyse oder der Texterörterung liegt.

In den Bildungsstandards wird dies mit einer exemplarischen Aufgabe zu Tina Klopps Text "Warum das Telefon verschwindet" verdeutlicht (BISTA-AHR-D, S.83f.)

"Analysieren und erörtern Sie Tina Klopps Artikel "Warum das Telefongespräch verschwindet", indem Sie die beiden folgenden Teilaufgaben in einem strukturierten zusammenhängenden Text bearbeiten.

  1. Untersuchen Sie die Argumentationsweise sowie die strukturellen und sprachlichen Mittel des Textes.

  2. Die Autorin wählt „Warum das Telefon verschwindet“ als Überschrift für ihren Artikel. Prüfen Sie die These vom bevorstehenden "Verschwinden" des Telefons auf ihre Berechtigung, indem Sie sowohl auf die Argumentation Tina Klopps Bezug nehmen als auch Ihre eigenen Kommunikationserfahrungen berücksichtigen.

Der Schwerpunkt der gesamten Aufgabe liegt auf der ersten Teilaufgabe, der Analyse der Textvorlage."

Der Unterschied zwischen der Analyse der Argumentationsweise, wie sie hier in Aufgabe 1 gefordert wird, und der Erfassung des Problemgehalts, der Kernaussagen und des Strittigen wie bei der "reinen" Texterörterung gefordert, wird im nachfolgenden Erwartungshorizont deutlich, den wir hier auszugsweise und nur mit dem Fokus auf die Analyse der Argumentationsweise zitieren (BISTA-AHR-D, S.88f.):

Dabei wird auch bei der Analyse der Argumentationsweise von den Schülerinnen und Schülern nicht erwartet, dass sie die Argumentation lückenlos analysieren, aber immerhin sollen sie "eine eine größere Zahl der oben aufgeführten argumentativen Schritte bzw. illokutiven Akte erkennen."
Zudem sollen sie herausarbeiten, "dass These, Argument, Beleg bzw. Beispiel, Schlussfolgerung häufig aufeinander folgen und Behauptungen vor allem durch Faktenargumente aus wissenschaftlichen Studien und Autoritätsargumente untermauert werden." (ebd.)

Weitere Infos zu den Bildungsstandards für die schriftliche Abiturprüfung

»Bildungsstandards im Fach Deutsch für die Allgemeine Hochschulreife, die von der Kultusministerkonferenz vom 18.10.2012 (Abk. BISTA-AHR-D 2012)

Gert Egle, zuletzt bearbeitet am: 20.03.2017
 

    

Center-Map ] Didaktik/Methodik ] Erörterung ] Texterörterung ] Materialgestützte E. ] Literarische Erörterung ] Stellungnahme ]

   

          CC-Lizenz
 

 

Creative Commons Lizenzvertrag Dieses Werk ist lizenziert unter einer Creative Commons Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 International License (CC-BY-SA) Dies gilt für alle Inhalte, sofern sie nicht von externen Quellen eingebunden werden oder anderweitig gekennzeichnet sind. Autor: Gert Egle/www.teachsam.de