Bei der
ideologiekritischen
Analyse von Texten ist es wichtig, auf so genannte Leerformeln
zu achten.
Man kann nach Ernst
Topitsch
(1971) drei verschiedene Arten von Leerformeln unterscheiden:
Pseudoempirische Leerformeln
-
Aussagen mit totalem oder sehr weitem Spielraum
-
Aussagen, die mit fast jedem Sachverhalt vereinbar sind
Beispiele:
- ceteris-paribus-Kausel = Aussage über ein Verhältnis; aus
"methodischen" Gründen werden außer einem einzigen Faktor
alle anderen Faktoren abgelehnt
- Der Mensch ist "letzten Endes" eben doch ein Tier.
Pseudonormative Leerformeln
-
Normative Aussagen mit totalem oder sehr weitem Spielraum
-
Normative Aussagen, die mit fast allen konkreten Verhaltensformen
und Verhaltensregeln vereinbar sind
Beispiele:
- Der Goldene Mittelweg
- Das Gute tun und das Böse lassen
Zirkelschlüsse
Beliebige moralisch-politische Wertungen werden der Welt oder dem
Einzelnen unterstellt und dann als "ewige", schon immer geltende
Aussagen auf die Gesellschaft bezogen
Beispiele:
- Die Frauen waren schon immer mehr für die Familie da.
- Fressen und Gefressen werden ist das Lebensprinzip auf diesem
Planeten.
(vgl.
Hussong
1973, S.104, dort nach
Topitsch
,
1971)
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