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Inhaltlich-thematische Analyse

Analyse der Textfunktion

Kontinuierliche Sachtexte analysieren

 
FAChbereich Deutsch
Glossar Schreibformen Schreibformen in der Schule
Überblick Didaktische und methodische Aspekte Texte zusammenfassen SACHtexte analysieren (Textanalyse) ▪ Didaktische und methodische Aspekte ▪ Überblick Kontinuierliche Sachtexte analysieren Didaktische und methodische Aspekte Quickie für EiligeÜberblick Aspekte der Schreibaufgabe Überblick ▪ Textanalyse und Texterörterung Funktionszusammenhang der Schreibhandlungen [ Inhaltlich-thematische Analyse kontinuierlicher Texte ▪ Überblick Analyse der Kommunikationssituation und der Kommunikationspartner Analyse der dargestellten Sachverhalte Analyse der Textfunktion Analyse der argumentativen Strukturen Ideologiekritische Analyse ]Sprachliche Analyse kontinuierlicher Texte ArbeitsschritteAufbau der schriftlichen Textanalyse Schreibaufgaben Politische Reden analysieren Textauswahl BausteineSelbsteinschätzung und Feedback ▪ Diskontinuierliche Sachtexte analysieren BeispieleTextauswahl Häufig gestellte Fragen ▪ Texte erörtern (Texterörterung) Texte interpretieren (Textinterpretation) ▪ Materialgestütztes Schreiben Offizielle Briefe schreibenErzählenBerichtenBeschreiben SchildernErörtern: Erörterndes Erschließen und Schreiben Einen Essay schreiben Kreativ schreiben Sonstige schulische Schreibformen Operatoren im Fach Deutsch
 

KMK-Abiturstandards (2012): Sich mit pragmatischen Texten auseinandersetzen
Liste der Bildungsstandards mit Textmarken zur Verlinkung
Aufgabenart: Analyse pragmatischer Texte »

Die Aufgabe, zu ermitteln, welche kommunikative Funktionen ein kontinuierlicher Sachtext erfüllt und welche dieser Funktionen in einem konkreten Text dominiert, stellt bei der ▪ Analyse kontinuierlicher Sachtexte eine der zentralen Aufgaben dar, die im Rahmen der inhaltlich-thematischen Analyse bewältigt werden muss. Da die Aufgaben der inhaltlich-thematischen Analyse im Einzelfall nicht streng voneinander abzugrenzen sind, kommt es dabei auch zu Überschneidungen.

Die Analyse und Bestimmung der dominierenden ▪ Textfunktion wird hier als Aufgabe angesehen, die sich am besten auf der Grundlage der ▪ Analyse der Kommunikationssituation und der Kommunikationspartner und der Analyse der dargestellten Sachverhalte bewältigen lässt.

Allgemein betrachtet geht es bei dieser Teilaufgabe um die Frage, was der Text als Kommunikat in der jeweiligen Kommunikationssituationen intendiert oder anders ausgedrückt: worauf der Text in einer bestimmten Kommunikationssituation für mehr oder weniger bestimmte Kommunikationspartner insgesamt hinauswill. (vgl. Brinker 92018, S.95). Schon das macht klar, dass man in den meisten Fällen auch auf textexterne (außertextliche) Faktoren zurückgreifen muss. Man muss also dazu ▪ den Kontext heranziehen (▪ situativ, ▪ institutionell).

Bei der ▪ Analyse kontinuierlicher Sachtexte im ▪ Deutschunterricht soll dabei geklärt werden, ob ein Text im Ganzen betrachtet, hauptsächlich eine der nachfolgenden ▪ Textfunktionen erfüllt, die auch der im Mind Map dargestellten Typologie von Texten zugrunde liegt.

  • informieren

  • kommentieren/argumentieren

  • appellieren

  • instruieren

  • regulieren/normieren


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Um herauszufinden, ob ein Text als einer dieser oder jener Typen von Sachtexten anzusehen ist, kann man sich auf verschiedene Faktoren stützen. Dazu zählt zunächst einmal das eigene Wissen über Texte, das man im Umgang mit den unterschiedlichen Sachtexttypen erworben hat.

  • So wissen wir aus Erfahrung natürlich schnell, wenn es sich um ein Kochrezept oder die Aufbauanleitung für einen Gartengrill handelt, dass der Text uns darüber instruieren will, wie man das ein bestimmtes Gericht zubereitet oder wie die verschiedenen Teile des zerlegt verpackten Grills zusammengehören.

  • Und auch bei einem Wetterbericht wird es uns gewöhnlich nicht im Traum einfallen, er wolle unsere Meinung über das Wetter beeinflussen und nicht bloß über das Wetter informieren.

  • Und wenn man ein Lexikon nutzt, um einen Begriff wie »Spende nachzuschlagen oder Wikipedia nutzt, erwarten wir möglichst sachliche Information und keinen Aufruf für eine bestimmte Sache zu spenden.

Aber nicht immer ist die Sache, weil wir über bestimmte Erfahrungen verfügen, vergleichsweise einfach. Es gibt nämlich auch viele Sachtexte, die Textteile mit ganz unterschiedlicher Funktion enthalten, die also z. B. über einen Sachverhalt informieren, ihn gleichzeitig kommentieren und in seinem Zusammenhang auch zu einem bestimmten Handeln auffordern. Wie dieser Funktionsmix im einzelnen aussieht, kann dabei sehr verschieden ausfallen.

In jedem Fall sollte man auch bei der ▪ Analyse kontinuierlicher Sachtexte im ▪ Deutschunterricht etwas darüber wissen, woran man die Textfunktion erkennen kann und wie man diese plausibel beschreiben kann.


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Gibt es sprachliche Äußerungen, die die Textfunktion signalisieren?

Natürlich kommt es vor, dass die dominierende Textfunktion in einem Text ausdrücklich formuliert wird. Dies geschieht mit sprachlichen Formulierungen, die dem Textrezipienten direkt sprachlich signalisieren, worauf es dem Autor bzw. der Autorin des Textes bei der Kommunikation mit dem Text ankommt.

So könnte im Text stehen: "Ich informiere dich (den Leser/die Leserin) darüber, dass..., Damit will dich davor warnen, dass ..., Ich finde es schlecht, dass..., Gut finde ich, dass..., Ich appelliere an..., Die Argumente für meine These sind ... Daher ziehe ich den Schluss..., Ich bedaure, dass..., Einzuräumen ist...

Solche performativen Ausdrücke und Strukturen stellen eine Auswahl sogenannter Prozedurausdrücke dar, die als ▪ Textprozeduren bestimmten Texthandlungen wie z. B. dem ▪ Argumentieren, Informieren oder Konzedieren zugeordnet werden und die entsprechenden Texthandlungen signalisieren und vollziehen.

Allerdings sind die Textprozeduren, die beim Argumentieren verwendet werden, nicht in allen Kommunikationsbereichen, Handlungsfeldern und den ihnen zugeordneten Textsorten gleich. So unterscheiden sich die Textprozeduren des Argumentierens in einem wissenschaftlichen Aufsatz zum Teil von denen, die bei einem ▪ journalistischen Kommentar zum Einsatz kommen. (vgl. Feilke 2014, S.25)

Dennoch: Lässt man den Fall außer Betracht, dass der Textproduzent seinen Leser in die Irre führen will, werden seine kommunikativen Absichten mit solchen explizit ausgedrückten Formulierungen gewöhnlich deutlich und der Leser/die Leserin wird davon entlastet, diese Absichten erst zu erschließen. Das bedeutet aber nicht zwingend, dass ihre einmalige Verwendung in einem bestimmten Textabschnitt auch zugleich die dominierende Textfunktion markiert.

Eine wichtige Rolle bei der Bestimmung der Textfunktion spielen auch ▪ textstilistische Aspekte. Bei den oben dargestellten Indikatoren der Textfunktion werden sie als implizite Signale verstanden, die zum Ausdruck bringen, welche ▪ thematische Einstellung der Textproduzent zum Textinhalt einnimmt. (vgl. Brinker 1997, S.103). So kann er, wenn er eine evaluative Einstellung einnimmt, auf verschiedene stilistische Art und Weise (▪ Registerwahl, ▪Stilfärbungen etc.) ▪ Bewertungen vornehmen.

Im Grunde lässt sich die Textfunktion nämlich, wie die ▪ pragmatisch-textlinguistische Stilistik (Sandig 1986, 22006) herausgearbeitet hat ▪ ohne einen einheitlichen Stil nicht präzise erkennen. So kann z. B. Text, der unmotiviert ständig zwischen verschiedenen Stilebenen hin- und herwechselt, mal ▪ normalsprachlich, mal ▪ gehoben-sprachlich, mal ▪ salopp-umgangssprachlich gestaltet ist bis hin zu ▪ vulgären Redewendungen und Redewendungen, wohl kaum als Zeitungskommentar mit dominierender Argumentationsfunktion angesehen werden. Als politischer "Kommentar" in einem weiteren Sinne, z. B. bei der Kundgabe politischer Meinung im Internet, mag ein solches "Textmuster" hingegen durchaus durchgehen, wenngleich es dabei wohl stärker auf appellative und expressive Textfunktionen hinausläuft.

In den meisten Fällen wird die dominierende kommunikative Funktion eines Textes jedenfalls nicht explizit markiert, sondern kann nur bestimmt werden, wenn textexterne (außertextliche) Faktoren herangezogen werden und der Text als Ganzes einer ▪ kontextuellen Analyse unterzogen wird. Dazu gehört auch das entsprechende Vorwissen (z. B. Weltwissen, Handlungswissen, Textmusterwissen etc.)

Wer in der Schule einen Sachtext z. B. mit einer textsortentypischen Überschrift, einem ihm bekannten Autor, aus einer bestimmten journalistischen Publikation (z. B. einer Wochenzeitung wie "Die Zeit" oder einer "seriösen" Tageszeitung) zur Analyse vorgesetzt bekommt, wird zunächst einmal erfahrungsgemäß davon ausgehen, dass es sich um einen politischen Kommentar handelt und diese These im Vergleich mit anderen ▪ journalistischen meinungsbildenden Texten wie z. B. der ▪ Glosse im weiteren Verlauf der Rezeption erhärten oder entsprechend korrigieren.

In der überwiegenden Zahl der Fälle werden im Deutschunterricht nämlich im Zusammenhang mit Schreibaufgaben zur Analyse kontinuierlicher Sachtexte argumentierende bzw. kommentierende Texte untersucht. Auch die ▪ Aufgabenarten für die schriftliche Abiturprüfung rücken argumentative Texte in den Mittelpunkt. (▪ BISTA-AHR-D 2012)

Im Allgemeinen werden also kontinuierliche Sachtexte analysiert, in denen die argumentierende Textfunktion die übrigen dominiert. Die Annahme einer dominanten Textfunktion schließt aber auch ein, dass ein überwiegend kommentierender Text auch andere Textfunktionen (z. B. über bestimmte Sachverhalte, Ereignisse oder Personen zu informieren) erfüllen kann. Und selbstverständlich können dabei auch Texthandlungen eine Rolle spielen, die den Leser/die Leserin zu einer Handlung auffordern, eine Empfehlung geben u. ä. m.

So enthält z. B. ein politischer Kommentar in einer Zeitung, mit der ein Autor oder eine Autorin zu einem Thema Stellung bezieht, in der Regel auch Informationen über das Thema oder eine Werbeanzeige, bei der insgesamt die appellative Funktion überwiegt, wird oft auch Informationen über das beworbene Produkt oder die beworbene Dienstleistung enthalten. Und eine politische Rede, mit der ein Redner/eine Rednerin z. B. an den politischen Zusammenhalt der Gesellschaft appelliert, wird auch Textteile enthalten, in denen der er/sie Argumente für seine Meinung vorbringt und ggf. auch Informationen zum Thema vermitteln.

Handelt es sich bei dem kontinuierlichen Sachtext um einen argumentierenden bzw. kommentierenden Text kommt der ▪ Analyse der argumentativen Strukturen des Textes besondere Bedeutung zu. Untersucht wird dabei, wie der Text sein ▪ Thema argumentativ entfaltet.

Wo andere vorwiegend appellierende Texte wie z. B. (kontinuierliche) ▪ politische Reden oder (diskontinuierliche) ▪ Infografiken und ▪ Werbeanzeigen (vgl. ▪ Diskontinuierliche Sachtexte analysieren) Gegenstand von Textanalysen in der Schule werden, muss die Analyse (auch) andere Aspekte ins Zentrum der Untersuchung rücken.

Gert Egle, zuletzt bearbeitet am: 30.12.2023

 
 

 
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