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Stellungnahme

Bezahlen mit dem Smartphone

Geldbörse adieu


Manche haben sich längst von ihm verabschiedet und machen nach, was andernorts, z.B. in den USA schon länger gang und gäbe ist: Sie werfen ihr Kleingeld weg. Nicht dass es in der Mülltonne landet, aber die lästigen kleinen Dinger, die den Geldbeutel oder die Hosentasche aufblähen, schwer machen und dazu immer gerne herunterfallen, werden mit einer Gönnergeste sozialen Zwecken zugeführt oder landen in einem großen Sammelglas zu Hause, wo sie als Dekorationsstück herhalten. Da scheint es schon besser, wenn man es großzügig als Trinkgeld verteilt oder eben in eine der Sammelbüchsen für Restgeld wirft, die mittlerweile jede größere Supermarktkasse ziert. Die Tage von Heller und Pfennig, Cent und Euro-Münzen, die so manchem wenig wert sind, scheinen aber auch aus einem anderen Grund gezählt.
Bargeldloses Zahlen ganz anderer Art als das, was wir bisher kennen, das sogenannte Mobile Payment, ist auf dem Vormarsch und wird über kurz oder lang Bargeld und Plastikgeld den Rang ablaufen und vielleicht den Garaus machen. Schon heute zahlen immer mehr Deutsche in Geschäften nicht nur bargeld-, sondern auch kontaktlos, halten einfach nur ihre spezielle Kreditkarte oder Prepaid-Karte vor ein Lesegerät, schon ist die Rechnung bezahlt. Bei Visa, einem der Anbieter solcher Karten, hat sich die Anzahl ihrer Nutzer binnen eines Jahres (2013: 500.000 Karten) mehr als verdreifacht (2014: 1,7 Mio.)1 Und Ende 2014 soll in Deutschland die digitale Geldbörse V.me auf den Markt kommen. In welche Richtung es führt, hat die Einzelhandelskette Edeka vorgemacht: Mit der Edeka-App kann nach Hinterlegung entsprechender Bankdaten bequem bezahlt werden, ohne eine Geldbörse oder Plastikkarte zücken zu müssen.
Das neue bargeldlose Bezahlen beim täglichen Einkauf im Supermarkt ist Bezahlen mit dem Smartphone. Vodafone will es seinen Mobilfunkkunden in den Großstädten schon bald anbieten. Die Technik, die es möglich machen soll, heißt Near Field Communication (NFC). Mit NFC sagt Andreas Cappell, Autor der Lfm-Broschüre „Mobile Payment: Einfach auf den Punkt gebracht“ (2012) kann ein Nutzer "seine Kreditkarte, aber auch Daten von Kunden- oder Punktekarten auf sein Handy übertragen und nutzen, als seien es die originalen Plastikkarten. Hält man nun das Mobiltelefon an das Lesegerät der Kasse, werden alle Daten automatisch übertragen – die Zahlung ist beendet. Gleichzeitig könnte man sich auch die Punkte für den Einkauf etwa bei Payback automatisch gutschreiben lassen. Alternativ dazu ließe sich auf dem Handy ein Geldbetrag digital speichern und per NFC abbuchen. In diesem Fall wäre keine Übertragung von Kartendaten nötig. „(...)
Wohlgemerkt: NFC ist kein Bankkonto oder etwas Ähnliches. NFC ist nur eine Technik, mit der Daten übertragen werden, so wie wir das z. B. von dem Magnetstreifen auf der Bankgiro-Karte kennen. Was aber bringt Mobile Payment seinen Nutzern? Die Antwort der Anbieter ist klar: Wer mit seinem Smartphone bezahlt, gewinnt angeblich Zeit, hat mehr Übersicht über seine Ausgaben und braucht deutlich weniger Platz in Geldbörsen und/oder Brieftaschen für Münzgeld, Scheine oder die verschiedenen Kreditkarten. Aber unumstritten ist Mobile Payment keineswegs. Ob das ganze Verfahren unter dem Aspekt des Datenschutzes wirklich sicher ist, wird sich zeigen. Aber eines ist natürlich schon jetzt klar: Wessen Handyakku leer ist oder wessen Handy nach einem Fall vom Tisch den Geist aufgibt, der hat schlechte Karten, wenn er sich beim Bezahlen allein auf sein Smartphone verlässt. Wer z. B. eine Fahrkarte per Smartphone gekauft hat, und plötzlich ohne funktionierendes Handy dasteht, kann eben seine auf dem Handy gespeicherte Fahrkarte bei einer Kontrolle nicht vorzeigen. Auch wenn man dann bestenfalls die Fahrkarte nachreichen kann, Scherereien sind das allemal. Es soll schon vorgekommen sein, dass bis zur Klärung der Angelegenheit, der Flieger eben weg war.
Trotz alledem. Der Handel vor allem treibt das Projekt Mobile Payment weiter voran. NFC gibt es heute schon in verschiedenen Geräten und Medien (z. B. der neue ePersonalausweis, diverse neue Handymodelle von Nokia und Google sowie spezielle Kreditkarten von Visa und Mastercard). Drei Annwendungsmöglichkeiten verdeutlichen, was NFC im Alltag kann: Handy-Ticket und das "Touch&Travel"-Projekt der Deutschen Bahn. Wer heutzutage ein Ticket für den ÖPNV kaufen will, kann dies mitunter schon mit einer besonderen App auf dem Smartphone. Nach vorheriger Registrierung wählt man vor Fahrtantritt den Fahrschein und bekommt ihn dann aufs Handy gesandt. Bei einer Fahrkartenkontrolle zeigt man dann lediglich auf dem Handydisplay den erhaltenen speziellen QR- Code plus tagesaktuellem Stichwort (z.B. "Baum Auto“), den der Kontrolleur mit einem Lesegerät prüft.
"Die Deutsche Bahn testet im Pilotprojekt "Touch&Travel“ das Bahnreisen der Zukunft. Mit diesem Service kann man ohne vorherigen Kauf eines entsprechenden Tickets mit dem Zug zu seinem Ziel fahren. Vor dem Einstieg in den Zug hält der Fahrgast sein NFC-taugliches Handy an einen sogenannten Touchpoint am Bahngleis und registriert so den Beginn seiner Fahrt. Am Ziel angekommen, checkt er ebenfalls an einem Touchpoint aus. Touch&Travel erhält anschließend vom Mobilfunkbetreiber das Bewegungsprofil des Reisenden und errechnet hieraus den entsprechenden Fahrpreis. Abgerechnet wird anschließend per Bankeinzug.
Dabei ist zu beachten, dass die Reisenden für die komplette Dauer der Fahrt "getracked“, also lokalisiert werden. Der Fahrpreis errechnet sich somit aus Daten, die bisher nur dem Mobilfunkanbieter bekannt waren." (Andreas Cappell, in: „Mobile Payment: Einfach auf den Punkt gebracht“ (2012)
Mobile Payment, schöne neue Welt – wirklich?

Linktipp:
(LfM: MOBILE PAYMENT. einfach auf den Punkt gebracht, 2012)

Gert Egle, www.teachsam.de,  23.01.2014

Worterklärungen:

NFC:  Die Near Field Communication ist ein Übertragungsstandard zum kontaktlosen Austausch von Daten per Funk über kurze Strecken und wurde 2002 gemeinsam von nxP semiconductors (vormals Philips) und sony entwickelt.

YouTube-Videos zum Thema "Mobile Payment"

  1. Mobile Payment (Lfm NRW) 4:38
  2. Edeka -Mobile Payment - (EDEKA-App) 1:54 

  3. Mobiles Bezahlen mit der digitalen Brieftasche (Mobile Wallet) - so funktioniert es (Telekom) - 2:16

  4. The Future of Money ans Mobile Payments - 2:53 (NTC)

  5. Zahlen ohne Bargeld: Per Handy im Vorbeigehen (mittagsmagazin) - 2:23

  6. Bargeldlos bezahlen 1/2 (Alpenparlament. TV) - 15:01

  7. Bargeldlos bezahlen 2/2 (Alpenparlament.TV) - 14:59 

  8. Goodbye Bargeld  (Reportage 3Sat) - 15:29

  9. NFC in Aktion - so kann bargeldlos mit dem Handy bezahlt werden - 6:21

 

    
   Arbeitsanregungen:
  1. Fassen Sie den Text zusammen.
  2. Verfassen Sie eine Stellungnahme zu den im Text genannten Entwicklungen beim bargeldlosen Zahlen.
  3. Nehmen Sie zu den datenrechtlichen Problemen (kritisch) Stellung.
  4. Recherchieren Sie im Internet geeignete YouTube-Videos zum Thema. Arbeiten Sie das Für und Wider zum Mobile Payment mit Hilfe der YouTube-Videos heraus.

Weiterführende Anregungen:

  1. Informieren Sie sich in der Lfm-Broschüre MOBILE PAYMENT. einfach auf den Punkt gebracht, 2012) genauer über Vor- und Nachteile der Technik. Beziehen Sie insbesondere die beiden Interviews in Ihre Betrachtung mit ein.
  2. Sehen Sie sich das Lfm-Video auf YouTube zum Thema Mobile Payment an und machen Sie sich Notizen über die neue Bezahltechnik und ihre Verwendung im Alltag der Menschen.

Thema zur Problemerörterung →→BausteineStoffordnung
ichdiscours: Abschied von der Pfennigfuchserei (Textanalyse)
 

      

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