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Stellungnahme

Bargeld und Plastikgeld ade?

Wie eine neue Bezahltechnik den Alltag der Menschen verändert


"Bargeld lacht" hieß es einmal. Doch inzwischen sind die Tage des Geklimpers in Geldbörsen, Hosentaschen und an den Kassen  offensichtlich gezählt. Der dumpfe Aufschlag einer Münzrolle an der Kasse, um das Wechselgeld zu erhöhen, wird aus der Hörkulisse der Ladengeschäfte verschwinden. Natürlich haben wir uns schon längst daran gewöhnt, bargeldos zu bezahlen. Und auch unsere Löhne und Gehälter werden uns  schließlich nicht mehr am Zahltag, am Zahltisch in einem Umschlag überreicht, sondern landen auf unserem Konto. Aber auch in unserem Alltag hat sich das "Plastikgeld" längst einen festen Platz erobert. Wer heute noch raucht, muss die Kippen schon seit längerem mit der Giro- bzw. der Kreditkarte am Automaten ziehen. Parkuhren schlucken unsere Plastikkarten für eine kleine Weile und an der Tankstelle zücken wir immer häufiger die Giro- oder Kreditkarte. Was also soll dann noch das ganze Bargeld, das ewige Ärgernis mit den 1-, 2- und Fünf-Cent-Münzen, die man in der Hektik des Bezahlalltags an der Discounter-Kasse mit einer Schlange von Kunden hinter sich kaum mehr aus dem Geldbeutel oder der Münztasche in der Jeans herauszupfriemeln sich getraut.

Schon in wenigen Jahren wird alles ganz anders sein: Dann wird man "nur noch sein Handy dabei haben, um den Wochenendeinkauf zu bezahlen und anschließend zum Essen oder ins Kino zu gehen." (Frank-J. Arnold) Der Abgesang auf das herkömmliche Plastikgeld hat schon begonnen. Mit der Near Field Communication (NFC) ist ein Übertragungsstandard im Kommen, der den kontaktlosen Austausch von Daten per Funk über kurze Strecken ermöglicht. Eine Revolution gegen das Kleingeld, und nicht nur das. Trotz allem: Beides hat so seine Vor- und Nachteile, wie die nachfolgende Aufstellung verdeutlicht:

Was sich einfach als Pro- und Contra-Liste so herunterlesen lässt, verdient freilich mehr Aufmerksamkeit als vielleicht zunächst erwartet. Wie Andreas Cappell, Head of Product bei wer-kennt-wen.de und Autor der Lfm-Broschüre betont, haben es vor allem die Aspekte in sich, die sich hinter der Kategorie "neutral" verstecken.
"Am kritischsten", so heißt es da, "sollte man die als neutral bezeichneten Punkte des E-Geldes betrachten. Es kann angenehm sein, wenn alle Geldbewegungen aufgezeichnet werden – lässt sich doch so die Haushaltskasse besser führen oder schneller eine Aufstellung für die Lohnsteuererklärung ans Finanzamt anfertigen. Auch ist es gewiss positiv zu bewerten, dass man zur Sicherheit vor jeder Transaktion eine PIN oder ein Passwort eingeben muss.
Diese Vorteile haben aber auch potenzielle Schattenseiten. Mit dem Argument der Terrorismusbekämpfung werden bereits jetzt digitale Kontobewegungen im Euroraum sowie Fluggastdaten grenzübergreifend ausgetauscht. Durch NFC würden nun auch Kleinstgeldbewegungen erfassbar. Bei dieser Erfassung handelt es sich wohlgemerkt nicht um die Absicht der beteiligten Unternehmen. So interessiert es Google nicht, was eine einzelne Person kauft, jedoch werden bestimmte Verhaltensmuster über mehrere 1 000 Menschen hinweg analysiert, um gleiche Werbung oder Angebote auszugeben. Unternehmen können aber vom Staat dazu instrumentalisiert werden, Daten einer einzelnen Person offenzulegen. Nicht umsonst gehören die Kreditkarteninformationen zum festen Bestandteil von angefragten Fluggastdaten. Wer nun bestimmte Waren mit E-Geld bezahlt, könnte dadurch unter Umständen in das Visier von Ermittlern geraten."

Dazu kommt noch, dass solche Zahlungen selbst ein Milliardengeschäft sind. Wenn mit der Kreditkarte bezahlt wird, dann sind nämliche mehrere Parteien im Spiel, z. B. die Banken von Käufer und Händler sowie das Kreditkartenunternehmen. "Sie prüfen etwa die Zahlung an sich und gleichen ab, ob der Verbraucher kreditwürdig ist oder stellen Kartenlesegeräte und Terminals zur Verfügung. Dafür verdient jeder Akteur am Bezahlvorgang mit – und das System wird potenziell unsicherer. Neben Manipulationen an Kartenlesegeräten und Geldautomaten per Skimming  sind auch die Übertragungswege der elektronischen Zahlung und die Datensicherheit ein wichtiges Thema."


(aus: LfM: MOBILE PAYMENT. einfach auf den Punkt gebracht, 2012)

Zahlen mit dem Smartphone - das ist die Zukunft

Wer heute von NFC spricht, bezieht sich meist auf den Einsatz der neuen Technik im Mobiltelefon, auch wenn es durchaus noch andere Einsatzmöglichkeiten für die Technik gibt.
"Grundsätzlich gibt es für das mobile Bezahlen mittels NFC verschiedene Varianten.
Da NFC offen angelegt ist,  kann der Nutzer z. B. "seine Kreditkarte, aber auch Daten von Kunden- oder Punktekarten auf sein Handy übertragen und nutzen, als seien es die originalen Plastikkarten. Möchte man mittels Kreditkarte zahlen, öffnet man im Handy ein Programm und wählt die entsprechende Karte aus. Hält man nun das Mobiltelefon an das Lesegerät der Kasse, werden alle Daten automatisch übertragen – die Zahlung ist beendet. Gleichzeitig könnte man sich auch die Punkte für den Ein- kauf etwa bei Payback automatisch gutschreiben lassen. Alternativ dazu ließe sich auf dem Handy ein Geldbetrag digital speichern und per NFC abbuchen. In diesem Fall wäre keine Übertragung von Kartendaten nötig. (...)
NFC ist kein Bankkonto oder dergleichen. Es dient nur zur  Datenübertragung, ähnlich wie dies der Magnetstreifen auf der Girokarte tut. "Der Nutzer spart durch das viel schnellere Verfahren Zeit und bei der Anwendung im Mobiltelefon gewinnt er außerdem Übersicht und viel Platz im Geldbeutel – vielfältige Plastikkarten werden somit überflüssig. Doch natürlich gibt es auch Kritikpunkte. Neben datenschutzrechtlichen Themen ist das größte Manko der meisten neuen Lösungen, dass diese auf einem vollen Handyakku basieren. Ist in dem Mobiltelefon eine mobil gekaufte Fahrkarte oder ein Flugticket gespeichert, der Akku währenddessen jedoch leer geworden, kommt man bei einer Kontrolle in Erklärungsnöte. Im besten Fall kann man die Fahrkarte nachreichen – im schlimmsten Fall kann man deswegen den Flug nicht antreten."

NFC gibt es heute schon in verschiedenen Geräten und Medien (z. B. der neue ePersonalausweis, diverse neue Handymodelle von Nokia und Google sowie spezielle Kreditkarten von Visa und Mastercard). Drei Annwendungsmöglichkeiten verdeutlichen, was NFC im Alltag kann: Handy-Ticket und das "Touch&Travel"-Projekt der Deutschen Bahn. Wer heutzutage ein Ticket für den ÖPNV kaufen will, kann dies mitunter schon mit einer besonderen App auf dem Smartphone. Nach vorheriger Registrierung wählt man vor Fahrtantritt den Fahrschein und bekommt ihn dann aufs Handy gesandt. Bei einer Fahrkartenkontrolle zeigt man dann lediglich auf dem Handydisplay den erhaltenen speziellen QR- Code plus tagesaktuellem Stichwort (z.B. "Baum Auto“), den der Kontrolleur mit einem Lesegerät prüft.
"Die Deutsche Bahn testet im Pilotprojekt "Touch&Travel“ das Bahnreisen der Zukunft. Mit diesem Service kann man ohne vorherigen Kauf eines entsprechenden Tickets mit dem Zug zu seinem Ziel fahren. Vor dem Einstieg in den Zug hält der Fahrgast sein NFC-taugliches Handy an einen sogenannten Touchpoint am Bahngleis und registriert so den Beginn seiner Fahrt. Am Ziel angekommen, checkt er ebenfalls an einem Touchpoint aus. Touch&Travel erhält anschließend vom Mobilfunkbetreiber das Bewegungsprofil des Reisenden und errechnet hieraus den entsprechenden Fahrpreis. Abgerechnet wird anschließend per Bankeinzug.
Dabei ist zu beachten, dass die Reisenden für die komplette Dauer der Fahrt "getracked“, also lokalisiert werden. Der Fahrpreis errechnet sich somit aus Daten, die bisher nur dem Mobilfunkanbieter bekannt waren. {...}" (ebd.)

Gert Egle, www.teachsam.de,  17.03.2012

Worterklärungen:

NFC:  Die Near Field Communication ist ein Übertragungsstandard zum kontaktlosen Austausch von Daten per Funk über kurze Strecken und wurde 2002 gemeinsam von nxP semiconductors (vormals Philips) und sony entwickelt.

Skimming: Kopieren des Magnetstreifens, Ausspionieren der PIn am geldautomaten, duplizieren der Karte. dabei wird am schlitz des Zahlungsterminals ein Lesege- rät angebracht, das die daten der einge- schobenen Karte kopiert. Über eine video- kamera, die das Zahlenfeld anvisiert, wird die geheimnummer des Kunden aufgenommen. Mit den daten wird die Karte dupliziert und anschließend zum schaden des rechtmä- ßigen Besitzers missbraucht.

 

    
   Arbeitsanregungen:
  1. Sehen Sie sich das Lfm-Video auf YouTube zum Thema Mobile Payment an und machen Sie sich Notizen über die neue Bezahltechnik und ihre Verwendung im Alltag der Menschen.
  2. Verfassen Sie je einen Vorteil und je einen Nachteil für Bargeld und eGeld in Form einer erweiterten Argumentation.
  3. Nehmen Sie zu den datenrechtlichen Problemen (kritisch) Stellung.
  4. Informieren Sie sich in der Lfm-Broschüre MOBILE PAYMENT. einfach auf den Punkt gebracht, 2012) genauer über Vor- und Nachteile der Technik. Beziehen Sie insbesondere die beiden Interviews in Ihre Betrachtung mit ein.

Thema zur ProblemerörterungArgumente (Zuordnungsübung mit Beispielargumentationen)

      

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