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Stellungnahme

Merkmale

 

 

 
FAChbereich Deutsch
Center-Map Glossar Schulische Schreibformen Erörterndes Schreiben Freie Erörterung (Problem- und Sacherörterung:  Didaktische und methodische Aspekte
Kompetenzen beim Erörtern Merkmale Erörterungstypen ▪ Grundtypen: linear oder dialektisch Weitere Typen der freien Problem- und Sacherörterung   Kommentierender Leserbrief (textungebunden) [ Stellungnahme Didaktische und methodische AspekteMerkmale Beispiele ] Literarische Erörterung  ▪ Texterörterung Materialgestützte Erörterung ● Operatoren im Fach Deutsch 

 


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Arbeitsauftrag "Sich mit einem Text (kritisch) auseinandersetzen
Arbeitsauftrag "Zu einem Text (kritisch) Stellung nehmen"

Die einfachste Variante: Signalisieren, wo man steht

Wer Stellung nimmt, kann das natürlich auch einfach dadurch, dass er ein Statement abgibt. Im engeren, alltagssprachlichen Gebrauch besteht dies im knappsten Fall einfach aus einer Behauptung (These).
Wer so zu einem strittigen Problem Stellung bezieht, will vor allem zeigen, wo er steht. So signalisiert man damit z. B. einfach, ob man zu den Befürwortern oder den Gegnern einer bestimmten Konfliktlösung zählt.

Die schulische Stellungnahme ist eine schriftliche Argumentation

Die Stellungnahme als schulische Schreibform kann als eine Form schriftlichen Erörterns aufgefasst werden (freie Problem- und Sacherörterung, Texterörterung, ...)

Das bedeutet, dass zu einem strittigen Problem oder einem Sachverhalt Standpunkte schriftlich eingenommen werden sollen. Diese Standpunkte müssen begründet, entfaltet und überzeugend dargelegt werden. Schließlich soll ja mit Thesen und Argumenten, um es vereinfacht auszudrücken, herauszufinden sein, was nach Ansicht des Schreibers stimmt.
Bei einer Stellungnahme muss also schriftlich argumentiert werden.(Argumentative Themenentfaltung)

Das nebenstehende Schaubild zeigt, wie eine begründete Stellungnahme, die mit einer einzigen These zum Problem auskommt, mit unterschiedlich weit entwickelten Argumenten - einfache Argumentation, erweiterte Argumentation - zu einem Problem Stellung nimmt. Dabei wird auch die Dreigliedrigkeit der Stellungnahme deutlich.

Daneben sind natürlich auch andere Aufbauprinzipien denkbar, die sich mehr an der mündlichen rhetorischen Praxis orientieren, aber für eine schriftliche Stellungnahme ohne Weiteres verwendet werden können.

Der auf Helmut Geißner (1968) zurückgehende Fünfsatz kann dabei mit seinen Strukturierungen wie Kette (Standpunktformel), vom Allgemeinen zum Besonderen 1 (Linearform), vom Allgemeinen zum Besonderen 2 (dialektische Form), Vergleich, Dialektik, Kompromiss oder Ausklammerung für den argumentativen Aufbau gut verwendet werden. Solche Modelle können eine große Hilfe beim Aufbau einer insgesamt kohärenten Argumentation im Rahmen einer schriftlichen Stellungnahme sein.

Das macht die Stellungnahme aus

Die Stellungnahme kann auf der Grundlage verschiedener Textordnungsmuster beim Argumentieren strukturiert werden. Sie lässt sich nicht verbindlich auf eines dieser Muster festlegen, auch wenn ihr das linear-entwickelnde Textordnungsmuster gut zu Gesicht steht. (s. Abb. unten)

Sie

  • besteht aus drei Teilen, die man als Einleitung, Hauptteil und Schluss bezeichnen kann

  • stellt verschiedene geeignete Behauptungen (Thesen) zum Problem auf, die mit Argumenten begründet werden

  • entfaltet im Hauptteil (B) die Argumente und berücksichtigt u. U. auch Gegenargumente und gewichtet sie (Argumentation und Gegenargumentation)

  • entfaltet, je nach Bedarf, diese Argumentation von These und Argument weiter durch Stützungen des Arguments mit Beweis und Beispiel. (Schlüssigkeit)

Schreibrolle, Schreibanlass und Kommunikationssituation

Bei der schriftlichen Stellungnahme ist neben dem Problem manchmal auch ein bestimmter Schreibanlass oder eine bestimmte Kommunikationssituation vorgegeben. Dann wird von dem Schreiber/der Schreiberin erwartet, dass er/sie zu dem Problem oder Sachverhalt in einer bestimmten Schreibrolle Stellung bezieht.

  • Das kann z. B. dadurch sein, dass man seine Stellungnahme in Form eines persönlichen Briefs (≠ privater Geschäftsbrief) an eine bestimmte Person abgeben soll.

  • Es kann auch im Schreibauftrag stehen, dass man beim Stellungnehmen eine bestimmte (Sprach-)Handlung einnehmen soll. Das ist beispielsweise dann der Fall, wenn erwartet wird, dass man sich bei seiner Stellungnahme z. B. über etwas beschweren, Vorschläge machen oder eine Bitte vortragen soll.

  • Und schließlich wird durch die Vorgabe eines Adressaten, an den sich die Stellungnahme richten soll, auch noch erwartet, dass sich der Schreiber/die Schreiberin inhaltlich und sprachlich auf den Empfänger der Stellungnahme einstellt.

Argumentativer Aufbau einer begründeten Stellungnahme

Um seine Argumentation überzeugend gestalten und entfalten zu können, kann man dem Muster der erweiterten Argumentation (Allgemeines Argumentationsschema) folgen, wie es das unten stehende Schema modellhaft vorgibt. Dabei muss nicht jedes Argument in dem dargestellten Sinn entfaltet werden. Die Entscheidung darüber, ob oder ob nicht, liegt also beim Schreiber.
Thesen und Argumente, die ihm besonders wichtig sind oder aber auch besonders strittig sind, lohnt es jedenfalls ausführlich zu entfalten.

Wichtig ist dabei auch, dass dies Argument für Argument geschieht und kein Durcheinander unterschiedlicher Argumente bei diesem linear-entwickelnden Textordnungsmuster entsteht.

Die schriftliche Stellungnahme kann sich dabei auf die argumentative Entfaltung von einigen wenigen Gesichtspunkten beschränken. Sie muss sich nicht unbedingt mehrsperspektivisch mit dem Thema befassen, also Argumente und Gegenargumente ausführen und gegeneinander abwägen. Sie muss aber auch nicht Ausdruck der rein subjektiven Sicht ihres Schreibers sein.

Textordnungsmuster der Stellungnahme

Unterschiedlich gehandhabt wird, wie und inwieweit die begründete Stellungnahme ihre Argumente auf der obersten Textebene, dem Textaufbau insgesamt, strukturieren muss.

  • Man kann durchaus vertreten, dass eine Anordnung von Argumenten, wie sie bei der herkömmlichen freien Problem- und Sacherörterung häufig verlangt wird (z. B. Reihenfolge vom Unwichtigen zum Wichtigen bzw. umgekehrt) nicht erforderlich sein sollte, um den Schreibprozess weiter zu entlasten. Dies entspricht der linear-entwickelnden Variante der Textordnungsmuster.

  • Allerdings spricht natürlich auch nichts dagegen, dies, oder zumindest eine linear-logische Reihenfolge der Argumente, auch bei einer Stellungnahme zu wählen. Dann verschiebt sich das Textordnungsmuster hin zu seiner formal-systematischen Variante.

Arbeitsschritte mit der Schreibstrategie des Schritt-für-Schritt-Schreibens

Eine schriftliche Stellungnahme kann mit unterschiedlichen Schreibstrategien verfasst werden. Zielführend könnte das Schritt-für-Schritt-Schreiben in fünf Arbeitsschritten sein, aber auch eine planende Schreibstrategie.

 Beim Schritt-für-Schritt-Schreiben könnte man  - in aller Kürze dargestellt - in folgenden Schritten vorgehen:

  1. Problemstellung erfassen (Schreibanlass, Kommunikationssituation analysieren)

  2. These(n) formulieren

  3. Argumente sammeln (u. U. auch Pro und Contra)

  4. Argumente entfalten und skizzieren (Stützungen zu den Argumenten finden: Beweis - Beispiel)

  5. Stellungnahme niederschreiben und am Ende ein Fazit aus der Argumentation ziehen.

Typische Schreibaufgaben bei der schulischen Schreibform

Beispiele für Aufgabenstellungen zur Schreibform

Thema 1:
Immer wieder wird gefordert, dass junge Menschen bereits mit 17 Jahren in Begleitung eines Führerscheininhabers fahren dürfen. Die Führerschein-Ausbildung könnte dann mit sechzehneinhalb Jahren begonnen werden. Mit 17 Jahren gäbe es die Prüfbescheinigung und mit 18 den Führerschein.
Verfassen Sie eine Stellungnahme, aus der hervorgeht, was Sie von diesen Vorschlägen halten.

Thema 2:
Es gibt kaum ein Thema, das die Menschen so erregt wie die Frage, ob es nicht vernünftig wäre, von einem bestimmten Alter an den Führerschein zurückzugeben. Die Befürworter einer Altersgrenze für Autofahrer verlangen Gesundheitstests, die Gegner weisen darauf hin, dass Ältere viel weniger Unfälle verursachen als jüngere Menschen.
Was meinen Sie zu den Argumenten der Befürworter und Gegner? Wie stehen Sie im Allgemeinen zu einer Altersgrenze für Autofahrer?

Thema 3:
Die illegale Nutzung von Smartphones am Steuer ist ein bekanntes und sehr hohes Unfallrisiko.
Was halten Sie davon, diese Ordnungswidrigkeit mit einem dreimonatigen Fahrverbot zu bestrafen? (Texting while driving)

Gert Egle, zuletzt bearbeitet am: 17.10.2018

     
 

 
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