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Stellungnahme

Merkmale


Wer Stellung nimmt, kann das natürlich auch einfach dadurch, dass er ein Statement im engeren, alltagssprachlichen Gebrauch, abgibt, das im knappsten Fall einfach eine Behauptung/These ist. Wer so in in einer strittigen Problemlage Stellung bezieht, will vor allem zeigen, wo er steht. So signalisiert man damit z. B. einfach, ob man zu den Befürwortern oder den Gegnern einer bestimmten Konfliktlösung zählt.

Eine Stellungnahme als →schulische Schreibform ist eine Form schriftlichen Erörterns. (→Problemerörterung, →Texterörterung, ...) Das bedeutet, das zu einem strittigen Problem oder einem Sachverhalt Standpunkte schriftlich eingenommen werden sollen. Diese Standpunkte müssen begründet, entfaltet und überzeugend dargelegt werden. Schließlich soll ja mit Thesen und Argumenten, um es vereinfacht auszudrücken, herausgefunden werden können, was nach Ansicht des Schreibers stimmt. Bei einer Stellungnahme muss also schriftlich argumentiert werden.(→Argumentative Themenentfaltung)

Die Stellungnahme

  • besteht aus drei Teilen, die man als Einleitung, Hauptteil und Schluss bezeichnen kann

  • berücksichtigt im Hauptteil (B) Argumente und Gegenargumente und gewichtet sie

  • stellt verschiedene geeignete Behauptungen (Thesen) zum Problem auf, die mit Argumenten begründet werden (→Argumentation und →Gegenargumentation)

  • entfaltet, je nach Bedarf, diese Argumentation von These und Argument durch Stützungen des Arguments mit Beweis und Beispiel. (→Schlüssigkeit)

Schreibrolle und Schreibanlass

Bei der schriftlichen Stellungnahme ist neben dem Problem manchmal auch ein bestimmter Schreibanlass vorgegeben. Dann wird von dem Schreiber/der Schreiberin erwartet, dass er/sie zu dem Problem oder Sachverhalt in einer bestimmten Schreibrolle Stellung bezieht.

  • Das kann z. B. dadurch sein, dass man seine Stellungnahme in Form eines persönlichen Briefs (≠ privater Geschäftsbrief) an eine bestimmte Person abgeben soll.

  • Es kann auch im Schreibauftrag stehen, dass man beim Stellungnehmen eine bestimmte (Sprech-)Handlung einnehmen soll. Das ist beispielsweise dann der Fall, wenn erwartet wird, dass man sich bei seiner Stellungnahme z. B. über etwas beschweren, Vorschläge machen oder eine Bitte vortragen soll.

  • Und schließlich wird durch die Vorgabe eines Adressaten, an den sich die Stellungnahme richten soll, auch noch erwartet, dass sich der Schreiber/die Schreiberin inhaltlich und sprachlich auf den Empfänger der Stellungnahme einstellt.

Aufbau einer begründeten Argumentation

Um seine Argumentation überzeugend gestalten und entfalten zu können, kann man dem Muster der erweiterten Argumentation (→Allgemeines Argumentationsschema) folgen, wie es das nebenstehende Schema modellhaft vorgibt. Dabei muss nicht jedes Argument in dem dargestellten Sinn entfaltet werden. Die Entscheidung darüber, ob oder ob nicht, liegt also beim Schreiber. Thesen und Argumente, die ihm besonders wichtig sind oder aber auch besonders strittig sind, lohnt es jedenfalls ausführlich zu entfalten.

Wichtig ist dabei auch, dass dies Argument für Argument geschieht und kein Durcheinander unterschiedlicher Argumente entsteht.
Die schriftliche Stellungnahme kann sich dabei auf die argumentative Entfaltung von einigen wenigen Gesichtspunkten beschränken, die in Argumentation und Gegenargumentation ausgeführt werden. Im Idealfall beziehen sich Argumentation und Gegenargumentation direkt aufeinander. Dies ist aber nicht grundsätzlich vorauszusetzen.

Unterschiedlich gehandhabt wird, wie und inwieweit die begründete Stellungnahme ihre Argumente auf der obersten Textebene, dem Textaufbau insgesamt, strukturieren muss. Man kann durchaus vertreten, dass eine Anordnung von Argumenten, wie sie bei der herkömmlichen Problemerörterung häufig verlangt wird (z. B. →Reihenfolge vom →Unwichtigen zum Wichtigen bzw. umgekehrt) nicht erforderlich sein sollte, um den Schreibprozess weiter zu entlasten. Allerdings spricht natürlich auch nichts dagegen, dies, oder zumindest eine →linear-logische Reihenfolge der Argumente, auch bei einer Stellungnahme zu wählen.

Das obenstehende Schaubild zeigt, wie eine begründete Stellungnahme, die mit einer einzigen These zum Problem auskommt, mit unterschiedlich weit entwickelten Argumenten - einfache Argumentation, erweiterte Argumentation - zu einem Problem Stellung nimmt. Dabei wird auch die Dreigliedrigkeit der Stellungnahme deutlich, die aber nicht den Anforderungen an die Teile entspricht, wie sie bei der Problemerörterung oder, mit gewissen Einschränkungen, auch an den kommentierenden Leserbrief gestellt sind. (→Unterschied Problemerörterung und begründete Stellungnahme) Daneben sind natürlich auch andere Aufbauprinzipien denkbar, die sich mehr an der mündlichen rhetorischen Praxis orientieren, aber für eine schriftliche Stellungnahme ohne Weiteres verwendet werden können. (→Fünfsatz) Diese auf Helmut Geißner (1968) zurückgehenden Strukturierungen wie Kette (Standpunktformel), vom Allgemeinen zum Besonderen 1 (Linearform), vom Allgemeinen zum Besonderen 2 (dialektische Form), Vergleich, Dialektik, Kompromiss oder Ausklammerung können auch eine große Hilfe beim Aufbau einer insgesamt kohärenten Argumentation im Rahmen einer schriftlichen Stellungnahme sein.

Arbeitsschritte

Je nach erwarteter Ausführlichkeit der Stellungnahme können unterschiedlich viele Arbeitsschritte anfallen. Normalerweise kann man nach den folgenden Schritten vorgehen:

Beispiele für Aufgabenstellungen zur Schreibform

Thema 1:
Immer wieder wird gefordert, dass junge Menschen bereits mit 17 Jahren in Begleitung eines Führerscheininhabers fahren dürfen. Die Führerschein-Ausbildung könnte dann mit sechzehneinhalb Jahren begonnen werden. Mit 17 Jahren gäbe es die Prüfbescheinigung und mit 18 den Führerschein.
Verfassen Sie eine Stellungnahme, aus der hervorgeht, was Sie von diesen Vorschlägen halten.

Thema 2:
Es gibt kaum ein Thema, das die Menschen so erregt wie die Frage, ob es nicht vernünftig wäre, von einem bestimmten Alter an den Führerschein zurückzugeben. Die Befürworter einer Altersgrenze für Autofahrer verlangen Gesundheitstests, die Gegner weisen darauf hin, dass Ältere viel weniger Unfälle verursachen als jüngere Menschen.
Was meinen Sie zu den Argumenten der Befürworter und Gegner? Wie stehen Sie im Allgemeinen zu einer Altersgrenze für Autofahrer?

Thema 3:
Die illegale Nutzung von Smartphones am Steuer ist ein bekanntes und sehr hohes Unfallrisiko.
Was halten Sie davon, diese Ordnungswidrigkeit mit einem dreimonatigen Fahrverbot zu bestrafen? (→Texting while driving)

vgl. auch:

Gert Egle, zuletzt bearbeitet am: 13.03.2016
 

    

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