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Stellungnahme: Didaktische und methodische Aspekte

Überblick

 
FAChbereich Deutsch
Center-Map Glossar Schulische Schreibformen Erörterndes Schreiben Freie Erörterung (Problem- und Sacherörterung Didaktische und methodische Aspekte
Kompetenzen beim Erörtern Merkmale Erörterungstypen ▪ Grundtypen: linear oder dialektisch Weitere Typen der freien Problem- und Sacherörterung Kommentierender Leserbrief (textungebunden) Stellungnahme [ Didaktische und methodische Aspekte Überblick Stellungnahme als erörterndes SchreibenSchreibaufgabe ohne globales TextmusterSchreibaufgaben konzipieren ] Quickie für EiligeÜberblick Aspekte der Schreibaufgabe Musterbeispiele Textauswahl Bausteine Selbsteinschätzung und Reflexion Links ins Internet ]  Literarische Erörterung Texterörterung Materialgestützte Erörterung ● Operatoren im Fach Deutsch

Stellungnahme als erörterndes Schreiben
Didaktische und methodische Aspekt des schulischen Umgangs mit der Schreibform

Die Ausführungen in dem Arbeitsbereich zu den ▪ didaktischen und methodischen Aspekten der Stellungnahme als ▪ schulische Schreibform erörternden Schreibens beansprucht nicht, eine umfassende Didaktik zu dieser Schreibform  zu liefern. Stattdessen sollen verschiedene Aspekte und Facetten des schreibdidaktischen und schulischen Umgangs damit dargestellt werden.

Schreiberfahrung und Schreibentwicklung berücksichtigen

Schreibaufgaben zur schriftlichen Stellungnahme werden in der Schule im Allgemeinen ab der 7. Klasse gestellt.

Sie stellen damit den Einstieg in und quasi eine Vorstufe für das erörternde Schreiben dar. Dieses wird in den nachfolgenden Klassen- bzw. Jahrgangsstufen inhaltlich und strukturell mit bestimmten Textmustern wie z. B. ▪ freie Problem- und Sacherörterung oder ▪ kommentierender Leserbrief immer anspruchsvoller.

Allerdings macht es auch nicht viel Sinn, die Stellungnahme als Schreibform auf ein bestimmtes Lebens- bzw. Schulalter festlegen zu wollen, zumal unter ▪ schreibdidaktischer Perspektive betrachtet die individuelle Schreibentwicklung viel wichtiger ist. Das ▪ Schreibalter ist also oftmals entscheidender ist als das Lebensalter.

In allen Schularten und in allen Jahrgangsstufen gängige Schreibaufgabe

Auch die schulische Praxis hat diesen Überlegungen längst Rechnung getragen.

So finden sich entsprechende Schreibaufgaben, die in der Abgabe einer begründeten Stellungnahme zu einem problematischen Sachverhalt ohne Textgrundlage oder mit Textgrundlage, mit oder ohne Vorgabe eines bestimmten Textmusters münden, mittlerweile in etlichen Prüfungsaufgaben unterschiedlicher Schularten. Die Schreibform selbst wird in nahezu allen Jahrgangsstufen praktiziert.

So definiert die Handreichung "Neues Schreiben" des Staatsinstituts für Schulqualität und Bildungsforschung in München definiert die Schreibform für die 7. und 8. Klasse wie folgt:

"Die begründete Stellungnahme ist eine persönlich geprägte Argumentationsform und dient entweder der Meinungsäußerung oder der Klärung eines Sachverhalts. Sie ist in kommunikative Situationen eingebettet. Je nach Schreibanlass erscheint sie als Leserbrief bzw. Brief an eine bestimmte Person oder Institution, als Bitte, Vorschlag, Beschwerde, Kommentar, Richtigstellung usw. und ist entsprechend der jeweiligen Textart zu gestalten. In vielen Fällen ist die Stellungnahme eine Reaktion auf eine Meinungsäußerung oder einen vorgefundenen Sachverhalt und wird deshalb in der Einleitung auf den Anlasse Bezug nehmen, in dem sie zentrale Gedanken oder wörtliche Zitate aus dem Bezugstext verwendet und sie zum Ausgangspunkt einer dann folgenden Argumentation macht. (...) Das Ziel des Verfasser ist es, einen Standpunkt zu vertreten, die eigene Meinung dabei einsichtig zu machen und damit die Ansichten bzw. Handlungen anderer zu beeinflussen." (ISB (Hg.) 2010, Bd. 1, S.149).

Der didaktische Akzent liegt dabei auf dem Erlernen einfacher Argumentationsstrukturen (einfache Argumentation, erweiterte Argumentation) und logischer Schlussverfahren ( Argumentationsmodelle). Dabei geht es um die Einnahme eines begründeten Standpunktes zu Fragen, die möglichst dem unmittelbaren Bezugsfeld der Schreibenden, ihren realen und medialen Lebenswelten zugeordnet werden können.


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In Kommunikationssituationen, die der Realität sehr nahe kommen, sollen Schülerinnen und Schüler zeigen, dass sie der Kommunikationssituation angepasst und an dem jeweiligen Schreibziel orientiert, sachliche von unsachlichen Argumenten unterscheiden können, ohne dass dabei die persönlich gefärbte Sicht auf die Dinge grundsätzlich aufgegeben werden muss. ( Regeln vernunftorientierter Argumentation)

Die Kommunikationssituation führt im Übrigen auch dazu, dass sich die Schreiberinnen und Schreiber dabei der ▪ Partnerorientierung bzw. dem Partnerbezug  beim schriftlichen Argumentieren bewusst werden. So lernen sie auch den Unterschied zwischen partnerschaftlichem und nicht-partnerschaftlichen Argumentieren kennen.

Die besondere Schreibrolle bei der schriftlichen Stellungnahme

Während des Schreibprozesses einer Stellungnahme müssen die Schreiberinnen und Schreiber eine bestimmte Schreibrolle einnehmen. Diese ist in diesem Fall nicht am Ideal eines distanziert, nur nüchtern abwägenden Schreibers orientiert, der seine Sach- und Werturteile auf sein Fach- und moralisches Wissen stützt und in selbstreflexiver Weise einbringt.

Auch wenn "in einer bestimmten Kommunikationssituation (z. B. ▪ Leserbrief) auch mögliche Einwände (= Gegenargumente) durch stichhaltigere Argumente entkräftet werden, (...) handelt es sich bei der begründeten Stellungnahme noch nicht um das sachliche Abwägen von Gründen und Gegengründen." (ISB (Hg.) 2010, Bd. 1, S.149).

Dieser Verzicht auf das schon eingangs erwähnte mehrperspektivisch angelegte Erörtern ist sogar mehr noch als die subjektive Akzentuierung Kennzeichen der Stellungnahme, zumal die Autoritätsfixierung dieser kognitiven Entwicklungsphase oft den Zugang zu einer mehr der Selbstklärung verpflichteten Schreibrolle erschweren kann.

Und doch kann gerade die situative und kommunikative Einbettung und die dafür nötige Rollenübernahme durch den tatsächlichen Schreiber auch helfen, die oben genannte Autoritätsorientierung zu überwinden. Insofern ist es wirklich notwendig, Schreibanlässe zu finden, die motivierend sind und in einem argumentativen Kontext zu einer Problemlösung beitragen können.

Argumentationen ohne den Anspruch auf Mehrperspektivität

Schriftlich zu einem Problem oder Sachverhalt Stellung zu nehmen, ohne gleich verschiedene Perspektiven einnehmen und kontroverse Standpunkte gegeneinander abwägen zu müssen, ist trotz der oben ausgeführten Überlegungen geradezu "jugendgemäß".

Insbesondere jüngere Jugendliche können sich zwar schon in fremde Perspektiven versetzen und von anderen Positionen aus als der eigenen argumentieren, tun sich aber insbesondere schriftlich noch schwer damit. (vgl. Fritzsche 1994, S.124)

Die Art der Argumentation, die bei der schriftlichen Stellungnahme verlangt wird, entspricht den Fähigkeiten, die Jugendliche im frühen und mittleren Jugendalter unter enwicklungspsychologischen Aspekten besitzen (vgl. ebd.).

  • Sie befinden sich nämlich nach »Lawrence Kohlbergs (1927-87) »Entwicklungsmodell des Moralbewusstseins in der konventionellen, konkret-operationalen Phase ihrer kognitiven Entwicklung.

  • In dieser Phase fürchten sich die Heranwachsenden vor dem Urteil der anderen (Braves-Kind-Orientierung) und halten sich an Gesetze und soziale Regeln aus dem einfachen Grund, weil es sich um Gesetze und Regeln handelt (Autoritäts-Orientierung) (vgl. Myers 2005, S.174).

  • In einer Phase der kognitiven Entwicklung, in der Jugendliche sich beim Argumentieren entwicklungsgemäß am liebsten auf Autoritäten, Gesetze und Normen in der Auseinandersetzung mit Sachverhalten berufen, ist die schriftliche Stellungnahme daher regelrecht jugendgemäß. (vgl. Fritzsche 1994, S.124)

Gert Egle, zuletzt bearbeitet am: 03.06.2020

     
 

 
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