teachSam- Arbeitsbereiche:
Arbeitstechniken - Deutsch - Geschichte - Politik - Pädagogik - PsychologieMedien - Methodik und Didaktik - Projekte - So navigiert man auf teachSam - So sucht man auf teachSam - teachSam braucht Werbung


deu.jpg (1524 Byte)

 

Protokollieren

Didaktische und methodische Aspekte

Schulische Schreibformen

 
FAChbereich Deutsch
Glossar Schreibformen   Schreibformen in der Schule
Überblick Didaktische und methodische Aspekte Texte zusammenfassen  ▪ Sachtexte analysieren (Textanalyse) Texte erörtern (Texterörterung) Texte interpretieren (Textinterpretation) Materialgestütztes Schreiben Offizielle Briefe schreibenErzählen Berichten Didaktische und methodische Aspekte ÜberblickAspekte der Schreibform [ Protokollieren Didaktische und methodische Aspekte ÜberblickAspekte der SchreibformMusterbeispiele Bausteine VorlagenHäufig gestellte Fragen( FAQ's) ] • Bausteine Beschreiben SchildernErörtern: Erörterndes Erschließen und Schreiben Einen Essay schreiben Kreativ schreiben Sonstige schulische Schreibformen   Operatoren im Fach Deutsch
 

Mitschreiben
Unterrichts-/Seminarprotokoll

Als schulische Schreibaufgabe geht es beim Protokollieren vor allem um das Verfassen eines • Unterrichtsprotokolls.

Damit verbunden können die verschiedenen Formen sein, mit denen sich die • Gruppenarbeit mit ihren verschiedenen Prozessen protokollieren lässt.

Es gibt Auffassung, dass Unterrichtsprotokolle grundsätzlich eine Mischform aus • Verlaufs- und • Ergebnisprotokoll darstellen sollten. (vgl. Moll 2003, Gross 2012)

So betont Moll (2003, S.74), das Unterrichtsprotokoll sei "kürzer, stärker verdichtet und stärker strukturiert als ein Verlaufsprotokoll". Zugleich komme es aber darauf an, dass der "'rote Faden', d. h. der Argumentationsverlauf und der Weg des Erkenntnisgewinns für die LeserInnen nachvollziehbar bleiben" müsse. Außerdem müssten Zusammenhänge explizit gemacht werden, weshalb das Unterrichtsprotokoll auch ausführlicher ausfalle als ein Ergebnisprotokoll.

Unterrichtsprotokoll als Lernwegsprotokoll

Es spricht einiges dafür, in einem • kompetenzorientierten Deutschunterricht die Aufmerksamkeit des Protokollanten bzw. der Protokollantin und der möglichen Leserinnen und Leser nicht nur auf das in einer Unterrichtsstunde thematisierte deklarative Fachwissen zu fokussieren, sondern in der Tat auch "die bewusste Wahrnehmung von Lernwegen und Lernsituationen (Wissen wie und wozu)" (Gross 2012, S.139) zu fördern, indem auch diese zu Gegenständen des Protokolls gemacht werden.

Da auf diese Weise die "Erkenntniswege" (Bitterlich/Bünting/Pospiech 1998/2000, S.31) wesentlicher Protokollinhalt werden, wird die Ausrichtung des Protokollschreibens über die ansonsten dominierende • konservierende Funktion (Schreiben zur Gedächtnisentlastung) hin zu selbstreflexiven und heuristischen Funktionen vollzogen. (• Schreibfunktionen)

Voraussetzung dafür ist aber auch eine ausgeprägte Methodenkompetenz auf Seiten der Protokollanten, wenn das Protokoll zu einem, sagen wir etwas verkürzt, zu einem Lernwegsprotokoll werden soll.

Und was das für die Planung und Organisation des Unterrichts bedeutet, stellt auch an die Lehrperson hohe Anforderungen: Der Unterrichtsverlauf muss sehr transparent angelegt sein, wodurch das Protokoll eine geradezu "erzieherische Wirkung" (Gross 2012, S.149) auf Lehrpersonen entfalten kann, sich um eine gute und nachvollziehbare Strukturierung ihres Unterrichts zu bemühen.

Unterrichtsprotokolle, wie sie Gross (2012), zumindest für die Sekundarstufe II vorschlägt, sollen im Schreiben eines "schlüssigen Textes unter Beachtung des argumentativen Diskurs(es), von Kohärenz und Kohäsion" (ebd., S.140) münden.

Die dabei geforderten Darstellungskompetenzen zeigen sich auf unterschiedlichen Niveaus, die vor allem auf der unterschiedlichen • Strukturierungskompetenz beruht, mit der ein Protokollant/eine Protokollantin u. U. auch unter bewusster Abweichung vom chronologischen Prinzip ein diskursiv angelegtes Unterrichtsgeschehen strukturiert.(• Schreibkompetenz)

Gross (2012, S.142-148) hat dazu drei Beispiele analysiert.

  • Im ersten Beispiel, das von einem schwächeren Schüler stamme, sei das Protokoll chronologisch nach dem Muster eines Berichts strukturiert, wenn es nach Angabe von Basisinformationen über die Behandlung von "Effi Briest" im Unterricht ausführt:
    "In dieser Stunde wurden zunächst die in Gruppen erstellten Plakate, auf denen Hohen-Cremmen mit Hilfe der im Roman gegebenen Beschreibungen verbildlicht werden sollten, vorgestellt. Die Plakate wiesen deutliche Gemeinsamkeiten auf. (...)
    Im Anschluss haben wir die signifikanten Gegenstände und Plätze genannt und nach ihrer Bedeutung gefragt. (...)
    Abschließend haben wir noch (...)" (ebd. S.142)

  • Das zweite Beispiel verzichte auf die explizite Beschreibung des chronologischen Ablaufs, könne aber durch seinen Fokus auf den Argumentationsverlauf und den Weg des Erkenntnisgewinns eine Strukturierung vornehmen. wenn z.B. Fontanes "Irrungen und Wirrungen" ausgeführt werde: "Wir besprachen die Hausaufgaben: Tagebucheintrag Bothos
    (im Anschluss an die Kapitel 5,6 und 9). Tobias las seinen Tagebucheintrag vor, der dann von dem Kurs inhaltlich überprüft wurde.
    Richtig ist, dass Botho Lenes Natürlichkeit, ihre Treue und Zuverlässigkeit schätzt (S.38. Z. 9).
    Nicht belegen konnten wir die Vermutung, dass Botho jetzt schon wissen, dass seine Beziehung zu Lene bald zu Ende sein werde. Wir hielten dagegen fest (...)
    Fazit unserer Untersuchungen zu "Lene und Botho im Glück": (...)"

  • Im dritten Beispiel, aber auch noch Mängel in der Argumentation aufweise, bewege sich der Schreiber deutlich auf die Anforderungen der schriftlichen schulischen Leistungsanforderungen in der Sekundarstufe II zu. Dies sei zunächst einmal daran zu erkennen, dass der Verfasser "auf die explizite Nennung des chronologischen Verlaufs und der unterrichtlichen Handlungsschritte" verzichte und stattdessen die Ergebnisse der Erarbeitung darstelle und diese inhaltlich gliedere (In diesem Fall wieder bezogen auf Fontanes Irrungen und Wirrungen z. B. Lage des Gasthauses und ihre Bedeutung, Bedeutung der Giebelstube und ihrer Ausstattung, Name des Gasthauses u. ä. m.). Im Protokoll steht z. B.:
    "'Hankels Ablage' erscheint dem Leser zunächst als einsamer Ort, abgeschieden vom gesellschaftlichen Leben Berlins. Man gelangt von der nächstgelegenen Zugstation am Waldrand in 10 Minuten Fußweg bis zu dem Gasthaus. Das Gasthaus liegt abseits, direkt am Wasser. Es hat eine idyllische Veranda (...)
    ABER:
    Die Lage an der Spree bringt es mit sich, dass die Spreedampfer aus Berlin 240 Gäste auf einmal 'ausspucken'.
    Die Spree geht durch Berlin, mit den Spreedampfern gelangt also die Berliner Gesellschaft an 'Hankels Ablage' und der vermeintlich einsame Ort wird so zum öffentlichen Ort. Damit ist der Konflikt zwischen Botho und Lene vorprogrammiert.
    Botho und Lene bewohnen ein Giebelstübchen des Gasthauses. (...)
    FAZIT: (....)
    Weiterführung: Überprüfung der These von Bothos Verrat an Lene (...)"

Mitschreiben
Unterrichts-/Seminarprotokoll

Gert Egle, zuletzt bearbeitet am: 30.12.2023

 
 

 
ARBEITSTECHNIKEN und mehr
Arbeits- und ZeitmanagementKreative ArbeitstechnikenTeamarbeit ▪ Portfolio ● Arbeit mit Bildern  Arbeit mit Texten Arbeit mit Film und VideoMündliche KommunikationVisualisierenPräsentationArbeitstechniken für das Internet Sonstige digitale Arbeitstechniken 
 

 
  Creative Commons Lizenzvertrag Dieses Werk ist lizenziert unter Creative Commons Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 International License (CC-BY-SA)
Dies gilt für alle Inhalte, sofern sie nicht von
externen Quellen eingebunden werden oder anderweitig gekennzeichnet sind. Autor: Gert Egle/www.teachsam.de
-
CC-Lizenz