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Unterrichts-/Seminarprotokoll

Überblick


Das Unterrichts- oder auch Seminarprotokoll stellt eine Sonderform des Protokolls dar. Es enthält wie die anderen Protokollformen, Verlaufs- und Ergebnisprotokoll, die nötigen Basisinformationen zu
  • Ort

  • Zeit (Datum, Anfang und Ende)

  • Teilnehmer(zahl)

  • Gegenstand (z.B. Unterrichtsstunde)

  • Tagesordnung bzw. Themen, die behandelt wurden

  • Datum der Abfassung des Protokolls

  • Unterschrift des Protokollanten

Grundsätzlich basiert das Unterrichts-/Seminarprotokoll auf einer systematisch angelegten →Mitschrift, bei der man nicht Wort für Wort, also stenographisch festhalten muss, was gesagt wird. Allerdings muss man die Technik des Mitschreibens schon einigermaßen gut beherrschen, um am Ende ein Protokoll schreiben zu können.

Das Unterrichts-/Seminarprotokoll kann abgesehen von den genannten Basisinformationen in seiner inhaltlichen Gestaltung unterschiedlich ausfallen. Dies hängt von der jeweiligen Problemstellung, dem Zweck und u. U. den spezifischen fachlichen Voraussetzungen ab. In der Regel handelt es sich um ein Ergebnisprotokoll, das 

  • Arbeitsschritte, 

  • behandelte Fragestellungen, 

  • Teil- und Gesamtergebnisse 

  • Tafelbilder, Folienabbildungen, Abbildungen, Textauszüge, Thesenpapiere o. ä. (im Anhang!)

der unterrichtlichen Behandlung eines Themas zusammenfasst. Neben dem Ergebnisprotokoll sind aber auch Mischformen gebräuchlich.

Die sprachliche Gestaltung des Protokolls ergibt sich aus seiner informativen Funktion. Ohne Schnörkel, sachlich, möglichst neutral, vollständig, präzise und dazu übersichtlich muss der Text gestaltet sein, damit er seine Funktion erfüllen kann.

Unterrichtsprotokoll als Lernwegsprotokoll

Es gibt aber auch die Auffassung, dass Unterrichtsprotokolle grundsätzlich eine Mischform aus Verlaufs- und Ergebnisprotokoll darstellen. (vgl. Moll 2003, Gross 2012)
So betont Moll (2003, S.74), das Unterrichtsprotokoll sei "kürzer, stärker verdichtet und stärker strukturiert als ein Verlaufsprotokoll". Zugleich komme es aber darauf an, dass der "'rote Faden', d. h. der Argumentationsverlauf und der Weg des Erkenntnisgewinns für die LeserInnen nachvollziehbar bleiben" müsse. Außerdem müssten Zusammenhänge explizit gemacht werden, weshalb das Unterrichtsprotokoll auch ausführlicher ausfalle als ein Ergebnisprotokoll. Es spricht einiges dafür, in einem →kompetenzorientierten Deutschunterricht die Aufmerksamkeit des Protokollanten und der möglichen Leserinnen und Leser nicht nur auf das in einer Unterrichtsstunde thematisierte deklarative Fachwissen zu fokussieren, sondern in der Tat auch "die bewusste Wahrnehmung von Lernwegen und Lernsituationen (Wissen wie und wozu)" (Gross 2012, S.139) zu fördern, indem auch diese zu Gegenständen des Protokolls gemacht werden. Da auf diese Weise die "Erkenntniswege" (Bitterlich/Bünting/Pospiech 1998/2000, S.31) wesentlicher Protokollinhalt werden, wird die Ausrichtung des Protokollschreibens über die ansonsten dominierende konservierende Funktion (Schreiben zur Gedächtnisentlastung) hin zu selbstreflexiven und heuristischen Funktionen vollzogen. (→Schreibfunktionen) Voraussetzung dafür ist aber auch eine ausgeprägte Methodenkompetenz auf Seiten der Protokollanten, wenn das Protokoll zu einem, sagen wir etwas verkürzt, zu einem Lernwegsprotokoll werden soll. Und was das für die Planung und Organisation des Unterrichts bedeutet stellt auch an die Lehrperson hohe Anforderungen: Der Unterrichtsverlauf muss sehr transparent angelegt sein, wodurch das Protokoll eine geradezu "erzieherische Wirkung" (Gross 2012, S.149) auf Lehrpersonen entfalten kann, sich um eine gute und nachvollziehbare Strukturierung ihres Unterrichts zu bemühen.
Unterrichtsprotokolle, wie sie Gross (2012), zumindest für die Sekundarstufe II vorschlägt, sollen im Schreiben eines "schlüssigen Textes unter Beachtung des argumentativen Diskurs(es), von Kohärenz und Kohäsion" (ebd., S.140) münden. Die dabei geforderten Darstellungskompetenzen zeigen sich auf unterschiedlichen Niveaus, die vor allem auf der unterschiedlichen →Strukturierungskompetenz beruht, mit der ein Protokollant/eine Protokollantin u. U. auch unter bewusster Abweichung vom chronologischen Prinzip ein diskursiv angelegtes Unterrichtsgeschehen strukturiert.(→Schreibkompetenz) Gross (2012, S.142-148) hat dazu drei Beispiele analysiert.

  • Im ersten Beispiel, das von einem schwächeren Schüler stamme, sei das Protokoll chronologisch nach dem Muster eines Berichts strukturiert, wenn es nach Angabe von Basisinformationen über die Behandlung von "Effi Briest" im Unterricht ausführt:
    "In dieser Stunde wurden zunächst die in Gruppen erstellten Plakate, auf denen Hohen-Cremmen mit Hilfe der im Roman gegebenen Beschreibungen verbildlicht werden sollten, vorgestellt. Die Plakate wiesen deutliche Gemeinsamkeiten auf. (...)
    Im Anschluss haben wir die signifikanten Gegenstände und Plätze genannt und nach ihrer Bedeutung gefragt. (...)
    Abschließend haben wir noch (...)" (ebd. S.142)

  • Das zweite Beispiel verzichte auf die explizite Beschreibung des chronologischen Ablaufs, könne aber durch seinen Fokus auf den Argumentationsverlauf und den Weg des Erkenntnisgewinns eine Strukturierung vornehmen. wenn z.B. Fontanes "Irrungen und Wirrungen" ausgeführt werde: "Wir besprachen die Hausaufgaben: Tagebucheintrag Bothos
    (im Anschluss an die Kapitel 5,6 und 9). Tobias las seinen Tagebucheintrag vor, der dann von dem Kurs inhaltlich überprüft wurde.
    Richtig ist, dass Botho Lenes Natürlichkeit, ihre Treue und Zuverlässigkeit schätzt (S.38. Z. 9).
    Nicht belegen konnten wir die Vermutung, dass Botho jetzt schon wissen, dass seine Beziehung zu Lene bald zu Ende sein werde. Wir hielten dagegen fest (...)
    Fazit unserer Untersuchungen zu "Lene und Botho im Glück": (...)"

  • Im dritten Beispiel, aber auch noch Mängel in der Argumentation aufweise, bewege sich der Schreiber deutlich auf die Anforderungen der schriftlichen schulischen Leistungsanforderungen in der Sekundarstufe II zu. Dies sei zunächst einmal daran zu erkennen, dass der Verfasser "auf die explizite Nennung des chronologischen Verlaufs und der unterrichtlichen Handlungsschritte" verzichte und stattdessen die Ergebnisse der Erarbeitung darstelle und diese inhaltlich gliedere (In diesem Fall wieder bezogen auf Fontanes Irrungen und Wirrungen z. B. Lage des Gasthauses und ihre Bedeutung, Bedeutung der Giebelstube und ihrer Ausstattung, Name des Gasthauses u. ä. m.). Im Protokoll steht z. B.:
    "'Hankels Ablage' erscheint dem Leser zunächst als einsamer Ort, abgeschieden vom gesellschaftlichen Leben Berlins. Man gelangt von der nächstgelegenen Zugstation am Waldrand in 10 Minuten Fußweg bis zu dem Gasthaus. Das Gasthaus liegt abseits, direkt am Wasser. Es hat eine idyllische Veranda (...)
    ABER:
    Die Lage an der Spree bringt es mit sich, dass die Spreedampfer aus Berlin 240 Gäste auf einmal 'ausspucken'.
    Die Spree geht durch Berlin, mit den Spreedampfern gelangt also die Berliner Gesellschaft an 'Hankels Ablage' und der vermeintlich einsame Ort wird so zum öffentlichen Ort. Damit ist der Konflikt zwischen Botho und Lene vorprogrammiert.
    Botho und Lene bewohnen ein Giebelstübchen des Gasthauses. (...)
    FAZIT: (....)
    Weiterführung: Überprüfung der These von Bothos Verrat an Lene (...)"

Auf jeden Fall empfiehlt es sich, vor der Abfassung eines Protokolls die nötigen Informationen über die inhaltliche Gestaltung einzuholen oder entsprechende Verabredungen zu treffen. 

Gert Egle, zuletzt bearbeitet am:29.09.2013
 

      
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