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Ein Dossier/Kompendium zur materialgestützten Erörterung erstellen

Überblick


Die →Schreibaufgabe, die beim →materialgestützten Erörtern gestellt wird, kann auch eine selbständige Informationsrecherche und die Dossiererstellung umfassen. In einem solchen Falle handelt es sich um eine zwei- bzw. mehrteilige Aufgabenstellung. Das Dossier bzw. Kompendium, das dabei erstellt wird, ist ein freies Dossier. Unter gewissen Aspekten, insbesondere bei der Auswahl von Texten und Materialien, ähnelt der Prozess zur Erstellung eines freien Dossiers bestimmten →Typen bei der Portfolioarbeit. Im Gegensatz zu diesen geht es bei dieser Form der materialgestützten Erörterung aber nicht um die Dokumentation eines Lernprozesses mit entsprechender Gewichtung der Selbstbeurteilung, sondern um die Schaffung einer soliden Wissensbasis für eine bestimmte Schreibaufgabe. (→Methodisch-didaktische Aspekte beim materialgestützten Erörtern)

Ein derartiger Schreibprozess verlangt Lese- und Schreibkompetenz, aber auch Medienkompetenz, die beim Suchen, Sichten und Zusammenstellen relevanter Informationen zu einem Thema (Informationskompetenz) erforderlich ist.

  • Die Erstellung eines Dossiers oder Kompendiums kann dabei integraler Bestandteil einer →produktorientierten Schreibaufgabe beim erörternden Erschließen eines Themas sein. Dies ist z. B. Fall, wenn die Bewältigung der umfassenden Schreibaufgabe als Ganzes zur Benotung im Rahmen einer bewertend-prüfenden Beurteilung herangezogen werden soll. In einem solchen Fall sind die Anforderungen an den einzelnen Schreiber/die einzelne Schreiberin natürlich besonders hoch.

  • Als prozessorientierte Schreibaufgabe, die einzelne Schreibaufgaben aus dem Schreibprozess auf unterschiedliche Art und Weise und ausgliedert, lässt sich das Erstellen eines freien Dossiers am besten →im Rahmen thematischer Projekte realisieren, bei denen in der Regel Prozessorientierung beim Schreiben im Vordergrund steht.
    Entsprechende Hard- und Software-Ausstattung zur Online-Recherche vorausgesetzt, kann der Schreibprozess - je nach Umfang und dem Grad der Selbständigkeit bei der Informationsrecherche - über mehrere Unterrichtsstunden angelegt sein. Dazu lässt sich gerade diese Phase des Schreibprozesses durch schrittweises kooperatives Schreiben, z. B. in →Schreibkonferenzen u. ä., sehr motivierend gestalten.
    Im Übrigen lassen sich solche Schreibaufgaben auch im Kontext eines umfangreichen Schreibportfolios verorten oder in ein allgemeines (Projekt-)Portfolio integrieren.

Was muss ein freies Dossier enthalten?

Ein Dossier bzw. Kompendium sollte eine Auswahl unterschiedlicher kontinuierlicher und diskontinuierlicher Texte zu einem bestimmten Thema bzw. einer bestimmten Fragestellung zu einem Thema enthalten. Die Anzahl der Texte ist dabei nicht festgelegt und hängt natürlich von unterschiedlichen Aspekten ab. Maßgebliches Kriterium für die Menge der im Dossier zusammengefassten Texte ist, ob die Gesamtheit der Texte und Materialien das Thema oder die Fragestellung zu einem Thema ergiebige Informationen liefern und unterschiedliche Perspektiven auf das Thema ermöglichen, die Grundlage und ggf. Ausgangspunkt der eigenen Argumentation werden könnten. Je nach Altersstufe wird man darüber hinaus darauf zu achten haben, dass die verwendeten Texte das Thema hinreichend komplex und anspruchsvoll behandeln, so dass die eigenen Ausführungen sich an dem inhaltlichen Niveau der Dossiertexte orientieren können.
Wenn Angaben zur Anzahl der in einem freien Dossier/Kompendium gemacht werden, sollten sie stets einen quantitativen Rahmen vorgeben, der noch genügend inhaltlichen Freiraum lässt. Dabei empfiehlt sich allerdings eine Vorgabe zu der Art und Anzahl der Texte und Materialien zu machen, die im Dossier vorkommen sollten.
Je nach Thema könnte z. B. bei einer allgemeinen Rahmenvorgabe von 9 bis 12 Texten und Materialien, folgende Vorgaben zur Zusammenstellung des freien Dossiers gemacht werden. So könnte es z. B. enthalten:

  • mindestens eine, höchstens 2 →Infografiken (→Prinzipdarstellungen, →Kartographische Infografiken, →Bildstatistiken)

  • mindestens eine tabellarische Statistik

  • mindestens 3, höchstens 5 Texte mit überwiegend informativer Funktion, darunter

    • höchstens 1 Artikel aus einer Online-Enzyklopädie wie Wikipedia

    • darunter 1 Artikel aus einem allgemein zugänglichen Presseerzeugnis (Artikel, Bericht, Reportage)

  • mindestens 1 Interview mit einem Experten/einer Expertin zum Thema

  • mindestens 2 diskursiv angelegte Texte mit überwiegend kommentierender Funktion (z. B. journalistische Texte wie Kommentar, Leitartikel, Glosse)

Selbstverständlich sind dies nur Empfehlungen, die sich nicht auf jedes Thema in der gleichen Art und Weise anwenden lassen. Die Vorgabe bestimmter Anforderungen sorgt jedoch dafür, dass das Dossier/Kompendium seine Funktion, nämlich Bereitstellung von Wissen, das in die eigene Erörterung einfließen soll, entsprechend erfüllen kann.
Und: Natürlich kann bei entsprechender Leistungsstärke von Schülerinnen und Schülern und entsprechender Erfahrung mit dieser Schreibaufgabe auch die Erstellung eines freien Dossiers in die eigene Verantwortung der Schülerinnen und Schüler übergehen.

In jedem Fall empfiehlt es sich für Lehrkräfte und Schüler sich möglichst genau zu verständigen. Im prozessorientierten Schreibunterricht könnten dabei auch die Auswahlentscheidungen, die Schülerinnen und Schüler fällen müssen, um ihr Dossier zusammenzustellen, Gegenstand der Schreibberatung sein, die die Lehrkraft den Schülerinnen und Schülern zur Bewältigung der Schreibaufgabe anbietet. Dazu empfiehlt sich z. B. das Verfahren der →Lehrer-Schüler-Schreibkonferenz (Teacher-student Writing Conderence)

Die Erstellung eines Dossiers als ausgegliederte Schreibaufgabe

Die Erstellung eines Dossiers/Kompendiums im Rahmen thematischer Projekte muss dabei keineswegs immer als zusammenfassende Schreibaufgabe erfolgen, an dessen Ende die schriftliche Abfassung einer Erörterung auf der Basis verschiedener Textmuster stehen muss. Insbesondere →im Rahmen thematischer Projekte lässt sich diese Teilhandlung im Rahmen materialgestützten Erörterns immer wieder sinnvoll ausgliedern und mit unterschiedlichen Aufgaben verknüpfen, z. B. Erarbeitung von Textmustermusterwissen, Übungen zum mündlichen Argumentieren, unterschiedliche Formen der Textarbeit zur inhaltlichen und gedanklichen Erfassung von Texten. Auf diese Weise könnten die Schülerinnen und Schüler wichtige Kompetenzen erwerben, die auch im Rahmen einer umfassenden mehrteiligen Schreibaufgabe mit vorgelagerter Recherche und Dossier- bzw. Kompendiumserstellung unverzichtbar sind. Aufgaben, welche die Informationsrecherche z. B. im Internet an bestimmte Textmuster bindet, können dabei die freie Dossier- bzw. Kompendiumsarbeit auf unterschiedlichen Anforderungsniveaus und in unterschiedlichen Altersstufen vorbereiten.

(vgl. auch: Abschlussprüfung im Fach Deutsch an den Realschulen in Baden-Württemberg, →Aufgabentyp 3: Texte lesen, auswerten, schreiben (Kompendiumaufgabe zu einem Rahmenthema)

Gert Egle, zuletzt bearbeitet am: 29.09.2013

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