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Dialektische Erörterung

Merkmale


Die dialektische Erörterung verlangt die Erarbeitung und Darstellung kontroverser Ansichten zu einem bestimmten Problem, Ereignis oder Sachverhalt. Sie und die lineare Erörterung stellen die Grundtypen der Problemerörterung dar. Die Bezeichnung dialektisch bedeutet in diesem Zusammenhang etwas vereinfacht ausgedrückt: Einer These (Behauptung) wird eine Antithese entgegengestellt. Am Ende werden die dabei vorgebrachten Gesichtspunke gegeneinander abgewogen und für eine Entscheidung herangezogen.

Es geht darum, eine Entscheidung zu fällen

  • Darüber hinaus muss der Verfasser oder die Verfasserin eine eigenständige kritische Stellungnahme auf der Grundlage eigener Überzeugungen und / oder allgemeiner Wertvorstellungen abgeben.

  • Die Entscheidung, die bei diesem Erörterungstyp zu fällen ist, beruht daher letzten Endes stets auf dem subjektiven Wertungshorizont des Verfassers.

  • Bei einer dialektischen Erörterung ist der im Thema formulierte Sachverhalt - grundsätzlich betrachtet - strittig.

  • Die einzunehmende Schreibrolle verlangt demnach nicht Kooperation mit, sondern in konstruktivem Sinn Streit um das Thema. Kennzeichen dieser Rolle ist eine wertbezogene und kritische Einstellung zum Thema.

Themen, die den Schreiber vor eine Entscheidung stellen

  1. Erkennungszeichen der dialektischen Erörterung ist gewöhnlich die Entscheidungsfrage, die in der Themenstellung formuliert wird. Diese kann häufig mit einem einfachen Ja oder Nein beantwortet werden, muss es aber nicht, denn eine Entscheidung kann auch in anderer Weise verlangt werden, z. B. als Alternativfrage. Eine dialektische Erörterung in Form einer Alternativfrage wird z. B. bei folgenden Themen verlangt:
  2. Es gibt aber auch Entscheidungen zwischen zwei Polen, z. B. Vor- und Nachteilen, die nicht als Alternativfrage entschieden werden, sondern lediglich eine abschließende Gewichtung verlangen (z.B. (Überwiegen Ihrer Ansicht nach die Vor- oder die Nachteile ...").
     
  3. Der dialektische Erörterungstyp kann sich auch hinter Formulierungen "verstecken", die häufiger bei dem linearen Erörterungstyp auftreten. So kann ein dialektisches Thema auch im Gewand einer W-Frage auftreten, mit der man häufig direkt aufgefordert wird, eine Beurteilung im Sinne einer Entscheidung abzugeben. Die ist z. B. bei Themenstellungen wie den folgenden der Fall: Warum sollen…, wie beurteilen Sie…, was denken Sie über …?
     
  4. In mehrteiligen Arbeitsanweisungen, die aus einer oder mehreren Ergänzungsfragen und einer Entscheidungsfrage oder der Aufforderung zur kritischen Stellungnahme bestehen, handelt es sich um eine dialektische Erörterung, bei der lediglich schon Sachfragen vorgegeben sind, die ansonsten ja erst erschlossen werden müssten. (Beispiel: "Die Zahl von Jugendlichen, die heute immer länger im Elternhaus wohnen, steigt weiter an. Warum nimmt das "Nesthocken" junger Leute zu? Nehmen Sie zu diesem Verhalten der Jugendlichen Stellung."
     
  5. Und mache Themen, wie z.B. bestimmte →Impulsthemen bzw. Zitatthemen implizieren grundsätzlich eine Entscheidungsfrage nach dem Muster: "Stimmt das?"
     

Ohne Antworten auf Ergänzungsfragen kann man keine Entscheidung fällen

Um am Ende des Aufsatzes die Frage "Soll das Autofahren bei Feinstaubalarm grundsätzlich verboten werden" zu erörtern, die als Entscheidungsfrage eindeutig eine dialektische Erörterung des Themas verlangt, müssen natürlich auch eine ganze Reihe von Ergänzungsfragen beantwortet werden. Das sind im Wesentlichen die Fragen, mit denen das Thema mit seinen verschiedenen Facetten erschlossen werden muss. In diesem Fall also z. B. Fragen, wie

  • Was ist eigentlich Feinstaub?

  • Unter welchen Bedingungen wird Feinstaubalarm ausgelöst?

  • Warum wird Feinstaubalarm ausgelöst?

  • Welche gesundheitlichen Folgen hat eine übermäßige Feinstaubkonzentration in der Luft?

  • ...

Erst auf der Grundlage dieser und ähnlicher Erschließungsfragen kann also die dialektische Themafrage, auf die die ganze Erörterung hinauslaufen soll, sachgemäß und kritisch beantwortet werden.
 
Der Zusammenhang lässt sich an dem nachfolgenden Beispiel verdeutlichen. Die Ergänzungsfragen, die beantwortet werden sollen, dienen der Entscheidungsfrage als Grundlage.

 

Gert Egle, zuletzt bearbeitet am: 12.01.2017

    

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