Argumente entfalten und gestalten
Bei der •
Niederschrift
der • freien Problem- und Sacherörterung
müssen die zuvor gesammelten und in eine überzeugende Reihenfolge
gebrachten Gesichtspunkte zu Argumentationen "umgestaltet" werden.
Diese betrifft im Grunde genommen alle Teile des Aufsatzes, also
gleichermaßen die ▪ Einleitung,
den ▪
Hauptteil und den ▪
Schluss des Aufsatzes.
Die Gesichtspunkte
müssen dazu •
argumentativ so •
entfaltet werden, dass sie dem Schreibziel, den Leser von den
eigenen Ansicht zu überzeugen, dienlich sind. Dazu gehört auch die
entfalteten Argumente sprachlich-stilistisch schreibrollen- und
textmustergemäß zu gestalten bzw. zu formulieren.
Dabei kann man in
unterschiedlicher Art und Weise vorgehen. Wie man es macht, hängt in
entscheidendem Maße von der jeweils gewählten und/oder bevorzugten ▪
Schreibstrategie
ab, mit der man sich an das Abfassen der Niederschrift macht.
Oft verbinden sie auch mehrere Strategien als "Vorgehenspläne beim
Schreiben" (Becker-Mrotzek/Böttcher
2011, S. 30) miteinander. Das entspricht ohnehin eher dem, wie man
gewöhnlich in der Praxis schreibt.
Die Art und Weise,
wie jemand seine • freien Problem- und Sacherörterung
schreibt, und die • Arbeitsschritte beim
produktorientierten Schreiben, die er/sie dazu durchführt,
hängen von vielen Faktoren ab. Das wird besonders beim Abfassen
des Aufsatzes deutlich.
Manche folgen einfach ihrem
"Gefühl", andere mühen sich von Satz zu Satz, schreiben Konzepte
und versuchen, das, was sich in ihren Augen bzw. ihrer
bisherigen Schreibpraxis als tauglich und mehr oder weniger gut
erwiesen hat, zur Bewältigung der Schreibaufgabe einzusetzen.
Manch einer macht sich schon einmal Gedanken über sein Schreiben
(metakognitive
Kompetenz), andere machen es "halt wie immer".
Auch wenn das
Abfassen des Aufsatzes wie ein Prozess erscheint, der die
eigentliche Niederschrift wie "aus einem Guss" anfertigt, ist das
Schreiben selbst, wenn man genauer hinsieht, doch deutlich
komplexer. Dies schlägt sich schon in der relativen Vielfalt der
unterschiedlichen ▪
Schreibstrategien
nieder.
Zudem werden die
drei Prozesse, die bei einem ▪
Schreibprozess
eine Rolle spielen, nämlich
▪
Planen,
▪
Formulieren und
▪
Überarbeiten (Hayes/Flower 1980)
bei der Bewältigung einer Schreibaufgabe nicht in einem linearen phasenweisen Nacheinander
sukzessiv abgearbeitet oder müssen so abgearbeitet werden.
Stattdessen können und werden sie auf vielfältige Art und Weise
aufeinander bezogen. (Rekursivität)
Sie können sich, z. B. miteinander vermischen, können nach
Belieben und beliebig oft wiederholt werden und finden oft auch
gleichzeitig statt. Dennoch sind es unterschiedliche Prozesse,
die auch Verschiedenes zum Schreiben beitragen.
Dies ist auch der
Grund, weshalb man im Rahmen des Arbeitsschritts der Niederschrift
beim Schreiben seines Aufsatzes auch immer wieder innehalten und kurze Planungs-, Reflexions- und Überarbeitungs"pausen"
einlegen kann , um bestimmte Probleme beim Schreiben zu lösen.
Dazu kann es auch
gehören, dass man bestimmte Argumentationen, vielleicht weil sie
besonders wichtig oder komplex sind, d. h. aus etlichen Bauteilen
bestehen, noch einmal überdenkt und sie in •
Form einer
Argumentationsskizze entwirft, um sie möglichst überzeugend
formulieren zu können. Zudem lassen sich bestimmte Textbausteine (z.
B.
Prozedurausdrücke) für das •
Argumentieren überlegen und für die Formulierung
auswählen, mit
denen man bestimmte •
Formen der
Themenentfaltung (z. B. •
beschreiben, •
argumentieren, •
erklären)
aufbauen und sprachlich gestalten kann. Argumentationsskizzen können
dabei sehr unterschiedlich gestaltet sein und müssen vor allem ihren
Zweck erfüllen. Dieser besteht darin, aus Gedanken, Ideen und
Aussagen (Propositionen)
eine zusammenhängende und überzeugende
Argumentation
zu entwickeln, in der die verwendeten Aussagen eine bestimmte
argumentative Funktion im Textzusammenhang übernehmen, also z. B.
Rollen als These,
Begründung (Argument
i. e.), als
Stützungen des Arguments (z. B. Beweis, Beispiel) oder als
Schlussfolgerung aus dem Ganzen einnehmen (vgl.
Allgemeines
Argumentationsschema der
erweiterten
Argumentation,
▪ Syntax
des Argumentierens)
Im Rahmen des hier vorgestellten •
Fünf-Schritte-Modells bei •
produktorientierten Schreibaufgaben, wie sie vor allem bei
Leistungsaufgaben typisch sind, dient das ▪
Schritt-für-Schritt-Schreiben dazu, einige Aufgaben, die sich
bei der Niederschrift stellen, schon bevor man zur schriftlichen
Formulierung ansetzt, so vorzustrukturieren und vorzubereiten, dass
die Bewältigung der Schreibaufgabe im Rahmen des vorgegebenen
Zeitfensters gelingen kann.

Wer bei den der Niederschrift vorangehenden Arbeitsschritten
seine Aufmerksamkeit von Anfang an auf die
Themafrage(n) und die
Argumentationen zum Thema mit ihren Komponenten wie Thesen,
Argumente mit ihren verschiedenen
Stützungen und Schlussfolgerungen
richtet, hat die am Ende des Schreibprozesses stehende Formulierung
des eigenen Aufsatzes so entlastet, dass, entsprechende Kompetenzen
und Wissen vorausgesetzt,
einer erfolgreichen Bewältigung der Schreibaufgabe nicht mehr allzu
viel entgegenstehen dürfte.
Wer also z. B. seine • Stoffsammlung und
• Stoffordnung so anlegt,
das Thesen, Argumente und Beispiele dabei identifiziert werden, hat
eine wichtige Vorarbeit geleistet. Und wem es gelingt, bei der
Erarbeitung einer • Arbeitsgliederung
der •
Gliederungskonzeption, zumindest in Teilen, dem •
Argumentationsmodell
zu folgen, hat natürlich schon eine solide Grundlage geschaffen.
Gert Egle, zuletzt bearbeitet am:
04.01.2024
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