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Stoffsammlung

Überblick


Der zweite Arbeitsschritt bei der Erarbeitung einer freien Erörterung ist die Stoffsammlung. Dieser Arbeitsschritt kann in einem produktorientierten individuellen Schreibprozess auf der Grundlage einer planenden Schreibstrategie, wie er meistens bei Klassenarbeiten und Klausuren, aber vor allem bei Prüfungsarbeiten verlangt wird, allein bewältigt werden, oder aber in einem schrittweise kooperativen Schreibverfahren in Zusammenarbeit mit anderen, z. B. in einer Schreibgruppe wie z. B. einer Schreibkonferenz. Bei ersterem steht das zur Leistungsmessung heranzuziehende Textprodukt, bei dem zweiten der Prozess des Schreibens im Vordergrund.
Während bei einem individuellen Schreibprozess unter den Bedingungen der herkömmlichen Leistungsmessung (Notengebung) gewöhnlich nur auf das dem einzelnen zum Prüfungszeitpunkt verfügbare Vorwissen zurückgegriffen werden kann, können in einem kooperativen Schreibprozess über den gemeinsamen Wissensbestand einer Schreibgruppe auch noch Möglichkeiten zur Online- oder Offline-Recherche integriert sein.

Produktorientierte Stoffsammlung im Rahmen eines individuellen Schreibprozesses

Der Stoff, der zu einem Thema oder, noch präziser gefasst, zu einer bestimmten Themafrage, gesammelt werden kann, besteht hier in den im Gedächtnis des Schreibers/der Schreiberin gespeicherten Kenntnissen und Erfahrungen (Vorwissen). Auf die gilt es zurückzugreifen, wenn man sich für die Bearbeitung eines bestimmten Themas auf der Grundlage einer bei der Betrachtung und Erschließung ermittelten Themafrage, die das Schreibziel der Schreibaufgabe präzisiert, entschieden hat.

Bei der Stoffsammlung versucht man darauf zurückzugreifen, indem man das eigene Vorwissen aktiviert. Dieses umfasst

Aus dem Gedächtnis abzurufen, was man zu einem bestimmten Thema weiß, ist allerdings manchmal leichter gesagt als getan. Manchmal fehlen einem einfach die Schlüssel dazu, um daran, insbesondere zu einem festgelegten Zeitpunkt, heranzukommen. Was einem gewöhnlich schnell einfällt, kann unter anderen Umständen praktisch nicht verfügbar sein. Solche Denkblockaden wachsen sich, wenn sie mit einer Schreibaufgabe wie der freien Erörterung auftreten, entsprechend schnell zu Schreibblockaden aus.
Das im Gedächtnis gespeicherte Vorwissen ist kein statischer Wissensbestand, der irgendwo abgelegt ist und nur hin und wieder abgerufen wird. Unser Gehirn verknüpft nämlich solche Gedächtnisinhalte beim Denken immer wieder mit Neuem. Das bedeutet für die Stoffsammlung eben auch, dass es spontane Einfälle gibt, die beim Aktualisieren des vorhandenen Vorwissens entstehen und damit vielleicht ganz andere andere, neuartige Sichtweisen auf ein Problem ermöglichen (implizites Wissen). Um das vorhandenes Vorwissen zu aktivieren und u. U. dabei neue Einfälle zu provozieren kann man sich auf verschiedene kreative Techniken zur Ideenfindung stützen. Sie eignen sich auch in besonderer Weise dazu, Denk- bzw. Schreibblockaden im Zusammenhang mit der Stoffsammlung zu überwinden. In der Kombination zwischen vorhandenem Vorwissen und spontanen Einfällen entstehen schon bei diesem Arbeitsschritt u. U. neue gedankliche Konzepte, die, obschon sie noch nicht oder nur wenig ausformuliert sind, sondern "im Kopf geschrieben sind" (Prätexte), verdeutlichen, dass in einem Schreibprozess neue gedankliche Konzepte entstehen können, über die man vorher jedenfalls so noch nicht verfügt hat (epistemisch-heuristisches Schreiben)

Bei der Stoffsammlung kann man im Rahmen eines individuellen, produktorientierten Schreibprozess verschiedene Verfahren und Methoden anwenden:

Die Methoden stützen sich bei der Aktivierung von Vorwissen und der Förderung von spontanen Einfällen mehr oder weniger stark auf assoziative Techniken, mit denen man den Verknüpfungen eines Gedankens oder eines Gefühls mit einem Objekt oder einem anderen Gedanken oder Gefühl auf die Spur kommen kann, ohne dass einem dabei der Grund für die Verknüpfung völlig klar sein muss.
Die dargestellten Methoden sind wichtige Elemente der Methodenkompetenz im Allgemeinen und der Schreibkompetenz vor allem in den Bereichen der beiden Teilkompetenzen inhaltliche Kompetenz und Strukturierungskompetenz.

Gert Egle, zuletzt bearbeitet am:08.01.2017

    
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