Home
Nach oben
Zurück
 

 

deu.jpg (1524 Byte)

Privater Geschäftsbrief

Initiativanschreiben für eine Blindbewerbung

"Vielleicht suchen Sie eine Mitarbeiterin ... wie wäre es mit mir?"


Neben dem Weg, sich auf eine z. B. in einer Anzeige ausgeschriebene Stelle zu bewerben, versuchen heutzutage immer mehr, ihre Arbeitskraft auf eigene Initiative einem Unternehmen oder einer Institution anzubieten. Diese Form einer unaufgeforderten Bewerbung wird häufig Blindbewerbung genannt, besser aber als Initiativbewerbung bezeichnet. Die Zunahme solcher Bewerbungen hat auch damit zu tun, dass etliche Stellen heute gar nicht mehr ausgeschrieben werden. Stattdessen können Personalverantwortliche auf Bewerberinnen und Bewerber zurückgreifen, die sich in der letzten Zeit selbst mit Ihrer Bewerbungsmappe vorgestellt haben. Auch wenn das für jede Art von Bewerbung gilt, eine Initiativbewerbung ist eine besondere Form der Werbung in eigener Sache. Wer bei der Jobsuche also selbst initiativ sein will, muss sich besonders gut be-werben und die "Regeln" kennen, die dabei zu beachten sind. "Initiativbewerber", betonen Püttjer/Schnierda (2005, S.265), "müssen von sich aus deutlich machen, was sie bisher geleistet haben und welche Ziele sie für ihre weitere berufliche Zukunft haben. Ihr Anschreiben sollte Ihre Kompetenz zeigen und so viel Interesse bei Personalverantwortlichen wecken, dass Sie eine Einladung zum Vorstellungsgespräch erhalten."
Eine Blindbewerbung ist keine Anweisung dafür, sich blindlings zu bewerben. So macht es überhaupt keinen Sinn, sich mit einem schön formulierten Standardtext bei mehreren verschiedenen Firmen zu bewerben. Anschreiben, die nicht zeigen, dass man sich als Bewerber/-in mit der Frage auseinandergesetzt, warum man ausgerechnet bei diesem Unternehmen oder bei dieser Institution tätig werden will, landen wahrscheinlich schneller im Papierkorb als einem lieb ist. Ebenso wenig ratsam ist es, mit den erstbesten Infos, die man binnen weniger Minuten recherchieren kann, loszulegen. Stattdessen sollte man mit Bedacht alle möglichen Informationsquellen heranziehen, die Aussagekräftiges über das Wunschunternehmen liefern.
Um eine Initiativbewerbung möglichst genau an die Bedürfnisse des Unternehmens anzupassen, für das Sie sich bewerben wollen und zugleich, so weit möglich, dafür zu sorgen, dass Ihre Bewerbung auch auf dem Schreibtisch landet, den Sie sich wünschen, ist es in der Regel sehr hilfreich, vor dem Absenden der Bewerbungsunterlagen einen Telefonkontakt mit dem Unternehmen herzustellen. So können Sie nicht nur erfahren, ob Initiativbewerbungen überhaupt erwünscht sind und an welchen Ansprechpartner Sie es richten können. Vielleicht wird Ihnen auch mitgeteilt, worauf bei einer Bewerbung auf eine bestimmte Stelle bei dieser Firma besonders Wert gelegt wird. Solche Informationen können Sie dann in Ihrem Initiativanschreiben einbauen und auf diese Weise Ihr persönliches Anschreiben noch adressatenspezifischer gestalten, indem Sie die Argumente, die für Ihre Einstellungen sprechen, damit konkretisieren.
Insgesamt sollte man nicht erwarten, dass die erste Initiativbewerbung, insbesondere wenn man auf eine schnelle positive Antwort setzt, schon Erfolg hat. Andererseits sollte man sich auch davon nicht abschrecken lassen. Mit ein wenig Abstand lohnt es daher, vielleicht mit einem Dritten, nicht erfolgreiche Initiativbewerbungen noch einmal durchzugehen, um seine Bewerbungsstrategie zu optimieren.

Was die Position des Initiativanschreibens in der Bewerbungsmappe, seine äußere Form und seine sprachlich-stilistische Gestaltung angeht, gilt, was für jedes →Bewerbungsanschreiben zu beachten ist. Und auch die Selbstpräsentation im Anschreiben erfolgt grundsätzlich nach den gleichen Regeln. Für das Initiativanschreiben sind dabei u. U. die folgenden 5 Regeln besonders wichtig.

" 1. Regel: Auf die Anforderungen der Wunschposition eingehen.
  2. Regel: Individuelles Profil vermitteln.
  3. Regel: Beispiele für persönliche Fähigkeiten geben.
  4. Regel: Beschreiben statt bewerten.
  5. Regel: Schlüsselbegriffe aus dem Tagesgeschäft verwenden."
  (ebd., S.268)

Sie sollten also,

  • bis zu einem gewissen Grad selbst definieren, welches Anforderungsprofil Ihre Wunschstelle hat (Basisprofil) (hilfreich: Analyse von Stellenanzeigen auf ähnliche Stellen)

  • aufzeigen, wie sich Ihre bisherigen Tätigkeiten mit dem Anforderungsprofil Ihrer Wunschstelle verbinden (individuelles Profil) (z. B. Branchenerfahrung)

  • mit aussagekräftigen Beispielen belegen, welche beruflichen Aufgaben Sie mit Ihren Fähigkeiten bis dahin bewältigt haben

  • Ihre Tätigkeiten und Fähigkeiten beschreiben, ohne dabei Bewertungen vorzunehmen

  • wichtige Schlüsselbegriffe aus Ihrem Berufsfeld und Ihrem möglichen zukünftigen "Tagesgeschäft" verwenden, die zeigen, dass Sie auf dem neuesten Stand sind.

Wenn Sie Ihre derzeitige Arbeitsstelle wechseln wollen, sollten Sie die Wechselgründe dafür nur dann angeben, wenn sie einleuchtend sind. Andernfalls sollten Sie darauf verzichten, sie kämen in einem Vorstellungsgespräch ohnehin zur Sprache. Dies gilt im Übrigen auch für Gehaltsvorstellungen, die erst im Vorstellungsgespräch thematisiert werden.

Die schulische Schreibaufgabe

Als schulische Schreibaufgabe bzw. →schulische Schreibform kann das Initiativanschreiben zur Stellenbewerbung beim Thema "Bewerbung" ebenso behandelt wie beim privaten Geschäftsbrief. Im vorliegenden Arbeitsbereich wird es als Teil der Schreibform privater Geschäftsbrief behandelt.

Eine schulische Schreibaufgabe zur Abfassung eines Initiativanschreibens sollte dabei im Allgemeinen aus zwei Teilen bestehen und drei unterschiedliche Texte zur Bearbeitung anbieten (ähnliche Stellenanzeige aus dem Berufsfeld, Informationen über das Wunschunternehmen, Rollenbiografie)

Die Arbeitsaufgabe umfasst:

  1. Analyse einer vorgegebenen Stellenanzeige zum gleichen Berufsfeld und von Informationen über das Unternehmen oder die Einrichtung, an die Blindbewerbung gerichtet wird

  2. Arbeitsanweisung (ggf. mit Rollenbiografie)

Wenn keine Situationsbeschreibung mit den wesentlichen Informationen vorgegeben ist, muss eine Stellenanzeige für eine ähnliche Stelle vorgelegt werden, aus der der Schreiber/die Schreiberin jene Informationen herausarbeiten muss, die das Basisprofil für seine Wunschposition darstellt. Darüber hinaus müssen Informationen über das Unternehmen bzw. die Einrichtung (ggf. Kontaktdaten) in einem Sachtext präsentiert werden, die der Schreiber/die Schreiberin für sein Initiativanschreiben auswerten und verarbeiten muss.  Bei der Analyse der beiden Texte sollte man

  • die Anforderungen, die gewöhnlich an die Wunschposition gestellt werden, herausarbeiten (Muss- und Kann-Anforderungen, Basisprofil)
    • Hard Skills: Berufskenntnisse, Fachwissen, Fremdsprachenkenntnisse, Computerkenntnisse
    • Soft Skills: Teamfähigkeit, Lernbereitschaft, eigenständiges Arbeiten, Flexibilität, Belastbarkeit, Kundenorientierung, Kritikfähigkeit, Fähigkeit zur Projektarbeit
  • die Informationen über das Unternehmen, die in dem Informationstext enthalten sind, auswerten
  • die Kontaktdaten, sofern vorhanden, ermitteln

Die schulische Schreibaufgabe zur Abfassung eines Initiativanschreibens sollte mit einer Rollenbiografie versehen werden, aus der sich, in Kombination mit dem Basisprofil, das aus der beigefügten Stellenanzeige erarbeitet wird, das individuelle Profil des Bewerbers/der Bewerberin erstellen lässt. (vgl. Beispiel).In gewisser Weise wird das Initiativanschreiben dadurch zu einer Art literarischem Rollenspiel unter den formalen Regeln der Schreibform.
Die Rollenbiografie kann inhaltlich, je nach Kompetenzniveau, unterschiedlich ausfallen. So könnte Sie z. B. emotional gefärbt sein, z. B. mit Unmutsäußerungen über die derzeitige Stelle des Bewerbers, könnte Dinge, wie bestimmte Gehaltsvorstellungen thematisieren oder sonstige sachfremde Aspekte, um Auswahl geeigneter Aspekte sowie die Transformation in die sprachlich-stilistische Form des privaten Geschäftsbriefes zu üben.

 

Beispiel

Text 1: Rollenbiografie:

Nach ihrem Hauptschulabschluss haben Sie als Auszubildende eine Ausbildung als Fachkraft für Lagerlogistik abgeschlossen. Als Jahrgangsbeste wurden Sie dabei von der IHK Nürnberg ausgezeichnet. Seit vier Jahren arbeiten Sie bei der Fa. Conrec Medizintechnik GmbH & Co. KG in Nürnberg im Hochregallager, das mit der ERP-Software KUNVISIO verwaltet wird. Mit dieser Software werden alle Geschäfts- und logistischen Prozesse im Unternehmen erfasst. Diese ERP-Lösung unterstützt nicht nur sämtliche Lagertypen vom Festplatz bis zum chaotischen Lager, sondern sorgt durch Funktionen wie Multi-Order-Picking, Barcode-Einsatz oder der zentrale Beschaffung mit automatischem Nachschubmanagement für Filialen für mehr Effizienz. In Ihrer Tätigkeit bei Ihrer derzeitigen Firma sind für die effiziente Abwicklung für Lager- und Kommissionsware, die Lagerzonen- und Lagerplatzverwaltung, das Außen- und Konsignationslager zuständig. Gleichzeitig haben Sie die Verantwortung für die Qualitätssicherung im Wareneingang.
Leider entsprachen weder das Betriebsklima, noch Ihre Bezahlung auf Dauer Ihren Erwartungen, weshalb es immer wieder zu Reibereien mit Ihrem Chef gekommen ist, von dem Sie sich zudem auch das eine oder andere Mal sexuell belästigt gefühlt haben. Zudem haben Sie über das Internet inzwischen einen Mann kennen gelernt, dessen Wohnsitz sich am Standort der Firma befindet, für die Sie sich mit einer Initiativbewerbung bewerben möchten. Die Adresse des Unternehmens (Gutenbrinck Wärmetechnik GmbH, Adolf-Diesel-Str. 23, 31139 Böhlenkamm) und die Informationen über die Firma haben Sie aus dem Internet. (Text 2) Um Ihr Basisprofil und persönliches Profil darstellen zu können, haben Sie sich zu Hilfe eine einschlägige Anzeige (Text 3) zu Hilfe genommen.
In einem Vortelefonat mit der Personalabteilung des Unternehmens haben Sie erfahren, dass die Firma neben den üblichen Softskills vor allem Wert auf Erfahrungen im Umgang mit ERP-Software legt, mit der auch die Lagerverwaltung gesteuert wird. Wenn die Bewerbung erfolgreich sein wird, rechnen Sie angesichts der Probleme mit Ihrem jetzigen Arbeitgeber ggf. schon früher als bei der gesetzlichen Kündigungsfrist vorgesehen bei Ihrem neuen Arbeitgeber anfangen zu können.

Text 2: Aus der Webseite der Firma Gutenbrinck Wärmetechnik GmbH

"Die Firma Gutenbrinck Wärmetechnik GmbH, gegründet 1956, ist ein führender Hersteller von Produkten und Systemen für die Heizungs-, Lüftungs- und Klimatechnik. Das Unternehmen entwickelt und produziert mit 128 Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen hochwertige Produktlösungen im Bereich elektronische Einzelraumregelungen, Unterflurkonvektoren sowie Abdeckroste. Seit mehr als 30 Jahren ist das Familienunternehmen zuverlässiger Partner für seine Kunden. Gutenbrinck wächst dabei kontinuierlich und expandiert auf den weltweiten Märkten. Nachdem 2010 am Standort Böhlenkamm bei Hildesheim unser Forschungs- und Entwicklungszentrum ausgebaut worden ist, haben wir 2014 einen 6.500 Quadratmeter großen Neubau errichtet, der zwei Fertigungshallen und ein Zentrallager umfasst. Damit verfügt das Unternehmen auch langfristig über ausreichende Kapazitäten für sein weiteres internationales Wachstum und sichert den Standort Böhlenkamm bei Hildesheim.
Mit dem Wachstum des Unternehmens steigen natürlich auch die Anforderungen an die interne Logistik. Aus diesem Grund haben wir schon 2014 entschieden, die logistischen Prozesse von Gutenbrinck durchgängig zu optimieren und das manuelle Fachbodenlager durch ein automatisches Kleinteilelager (AKL) zu ersetzen.
In dem neuen AKL kommt die neue Lagertechnik von Kernberger zum Einsatz sowie das Lagerverwaltungssystem FOSS-LVS, das jede Bestandveränderung in Echtzeit an das ERP-System (Enterprise-Ressource-Planning-System) meldet. Dabei muss das System nicht nur mit unterschiedlichen Behälterhöhen, sondern auch mit der doppeltiefen Lagerung umgehen, bei der jeweils zwei Behälter hintereinander gelagert werden. In dem 10 Meter hohen und 36 Meter langen, eingassigen neuen Lager können 4.375 Behälter doppeltief gelagert werden. Um eine hohe Kommissionierleistung zu erzielen, wurde ein Multi-Order-Picking-System installiert. Mit diesem modernen Regalbediengerät (RBG) können bis zu 125 Ein- und Auslagerungen pro Stunde vorgenommen werden."

Im neuen Lager ist arbeiten wir mit dem sogenannte Pick-to-Light-System. Mit seiner Hilfe, weiß jeder Kommissionierer und das zu jeder Zeit, zu welchem Betriebsauftrag das zu kommissionierende Teil gehört.“

(aus: Webseite der Fa. Gutenbrinck Wärmetechnik GmbH, www.gutenbrink.de, abgerufen am: 20.05.2015*)

Text 3:

Gert Egle, zuletzt bearbeitet am: 07.07.2015
 

  Anfrage ] Reklamation ] Kündigung ] Stellungnahme ] Bewerbungsanschreiben ]  
 

          CC-Lizenz
 

 

Creative Commons Lizenzvertrag Dieses Werk ist lizenziert unter einer Creative Commons Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 International License (CC-BY-SA) Dies gilt für alle Inhalte, sofern sie nicht von externen Quellen eingebunden werden oder anderweitig gekennzeichnet sind. Autor: Gert Egle/www.teachsam.de