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Privater Geschäftsbrief

Anschreiben für eine Stellenbewerbung

"Sie suchen einen Mitarbeiter ... ich biete das passende Profil."


Wer sich für einen Ausbildungsplatz, eine Arbeitsstelle, ein Praktikum oder für eine andere, z. B. gemeinnützige Tätigkeit bewerben will, wird im Allgemeinen seine Bewerbungsunterlagen in einer Bewerbungsmappe zusammenstellen.

In der Bewerbungsmappe nimmt das Anschreiben (Bewerbungsanschreiben, Bewerbungsschreiben) in der Reihenfolge der angeordneten Unterlagen meistens die erste Position ein. Es liegt also häufig obenauf. Auch wenn es dafür keine feste Regel gibt: Das Anschreiben umfasst gewöhnlich nicht mehr als eine einzige Seite, →Kürze und Prägnanz sind also angesagt. Wenn die Bewerbungsmappe der klassischen Reihenfolge folgt, kommen folgende Bestandteile hintereinander:

  1. Anschreiben

  2. Lebenslauf mit Foto (Seite 1)

  3. Lebenslauf (Seite 2)

  4. Arbeitszeugnis des vorigen Arbeitgebers

  5. Arbeitszeugnis des vor-vorherigen Arbeitsgebers

  6. Ausbildungsabschluss, Meisterbrief, Studienabschluss

  7. Weiterbildungszertifikat

  8. Weiterbildungszertifikat etc.

Man kann das Anschreiben aber u. U. auch an der zweiten Stelle in der Bewerbungsmappe einordnen, wenn man z. B. mit einem Deckblatt mit Foto beginnt, dann das Anschreiben einfügt und dann den Lebenslauf ohne Foto (= Seite 1) anschließt etc.
Auch möglich ist ein obenauf liegendes Anschreiben, gefolgt von einem Deckblatt mit Foto und persönlichen Angaben, an das sich dann der Lebenslauf ohne Foto (Seite 1) etc. anschließt.

Das Anschreiben an das Unternehmen, den Betrieb, die Einrichtung oder Organisation wird nach den Regeln aufgebaut, gestaltet und verfasst, die für den privaten Geschäftsbrief gelten. Und hier herrschen verschärfte Bedingungen. Wer hier "schludert" und formale Fehler macht, hinterlässt bei den Personalverantwortlichen meistens keinen guten Eindruck und die Hoffnung des Bewerbers bzw. der Bewerberin auf eine wohlwollende Prüfung der Bewerbungsunterlagen schwindet schnell dahin.

Daher informieren Sie sich vorher und vor allem genau über

  • die korrekte und vollständige Firmenanschrift bzw. Anschrift der Einrichtung oder Organisation

  • die Rechtsform des Unternehmens/der Einrichtung/Organisation

  • ggf. den vollständigen Namen des Ansprechpartners bzw. Ansprechpartnerin

  • ggf. die Abteilung der Firma oder Organisation

Bei der Bewältigung einer schulischen Schreibaufgabe werden Ihnen dazu Angaben im Situationstext oder in der Arbeitsanweisung gemacht. Sie können darin aber auch aufgefordert werden, entsprechende Angaben plausibel selbst zu erfinden.

Die Briefelemente bei einem Bewerbungsschreiben unterscheiden sich nicht grundsätzlich von denen, die auch in anderen privaten Geschäftsbriefen verwendet werden. Auf drei Briefelemente soll aber hier noch eingegangen werden, weil sie in besonderer Weise für das Anschreiben beachtet werden müssen.

  • Absender:
    Die Absenderadresse muss neben der postalischen Anschrift auch die private E-Mail-Adresse und die Angabe Ihrer privaten Telefonnummer/Handynummer umfassen. Beachten muss man dabei u. U. die neue Position des Datums im Schreiben.

    Man kann aber auch das Absenderfeld, die Zeilen 5-9 nutzen, um die Absenderadresse mit diesen Ergänzungen an der üblichen Stelle zu positionieren. Allerdings empfiehlt es wegen der Übersichtlichkeit sich in diesem Falle die Ergänzungen auf eine Telefon-/Handynummer und die Angabe der E-Mail-Adresse zu beschränken.

    In keinem Fall sollten Sie Ihre derzeitige Firmen-E-Mail-Adresse oder die Telefondurchwahl zu Ihrem derzeitigen Arbeitsplatz angeben, wenn Sie sich auf eine Arbeitsstelle bewerben.

  • Empfängeranschrift:
    Achten Sie bei der Angabe der Empfängeranschrift auf die korrekten Angaben und ihre korrekte Anordnung in dem dafür vorgesehenen Adressfeld, z. B.

  • Anlagenvermerk:
    Wenn Sie eine Bewerbungsmappe erstellt haben, ist es nicht unbedingt nötig, dass Sie im Anlagenvermerk alle beigefügten Anlagen noch einmal unter der Bezeichnung Anlagen gesondert aufführen. Es genügt auch schon, wenn Sie einfach unter Ihre maschinenschriftliche Unterschrift das Wort "Anlagen" setzen. Es ist aber, insbesondere wenn Ihre Bewerbungsmappe nicht eine große Anzahl von Anlagen enthält, durchaus auch möglich die Anlagen einzeln aufzuführen.

Selbstpräsentation im Anschreiben

Im Anschreiben geht es darum aufzuzeigen, dass man als Bewerber/-in die fachlichen Kenntnisse (hardskills)  und die persönlichen Fähigkeiten (soft skills) besitzt, die der Anbieter einer Stelle von einem zukünftigen Mitarbeiter erwartet. Und wer sich auf eine solche Stelle bewirbt, dem geforderten Profil entspricht, steht mit dem Anschreiben vor der Aufgabe, seine Selbstpräsentation in ein möglichst gutes Licht zu stellen, um sich von den Mitwerbern um die Stelle positiv abzuheben.

Um dies erfolgreich bewerkstelligen zu können, muss man bei seiner Selbstpräsentation einen Bezug zur ausgeschriebenen Stelle herstellen. Dazu gehört zunächst, die aktuelle Tätigkeit, die man zum Zeitpunkt der Bewerbung verrichtet, genau zu beschreiben. Profis empfehlen, bei der Selbstpräsentation nicht mit der eigenen Ausbildung, einem Studium oder womöglich noch mit der eigenen Schulzeit zu beginnen. Viel besser ist es, sich von den jetzigen Aufgaben schrittweise zurückzuarbeiten. (vgl. Püttjer/Schnierda 2005, S.70) 

Allgemein empfiehlt sich die folgende Reihenfolge:

  1. Die derzeitigen Aufgaben

  2. Der Bezug zur neuen Stelle

  3. Die berufliche Entwicklung

Am Anfang steht eine umfassende Darstellung der bei Ihrer derzeitigen Stelle von Ihnen zu erfüllenden Aufgaben und ausgeführten Tätigkeiten. Wenn Aufgaben und Tätigkeiten, die Sie derzeit haben und ausführen, in einem deutlichen Bezug zu den Anforderungen der neuen Stelle stehen, sollten Sie diese ausführlicher darstellen. Erwähnt werden sollten dabei nicht nur besondere Aufgaben, sondern auch Routineaufgaben, mit denen Sie sich andauernd beschäftigen. Bezug zur neuen Stelle können aber auch Fort- und Weiterbildungsmaßnahmen herstellen, die Sie absolvieren oder absolviert haben. Im Anschluss daran stellen Sie Ihren beruflichen Werdegang dar. Am besten ist, wenn Sie dabei von Ihrer derzeitigen Stelle rückwärts vorgehen. Also nicht mit der Schulausbildung fortfahren, sondern nennen Sie, wenn vorhanden, die Arbeitsstellen und Betriebe, an denen Sie vor Ihrer jetzigen Stelle gearbeitet haben. Dann können Sie darstellen, mit welcher Stelle oder Position Sie Ihre Berufstätigkeit aufgenommen haben, welche Ausbildung(en) oder welches Studium Sie abgeschlossen haben. (vgl. ebd.)

Grundlegende Tipps:

  • Schaffen Sie einen klaren Bezug zu der angestrebten Stelle/Position.

  • Gehen Sie auf die verlangten Anforderungen ein.

  • Vermeiden Sie allgemeine nichtssagende Floskeln, die in keinem Bezug zu den gewünschten Anforderungen stehen.

  • Setzen Sie sich selbst nicht in ein ungünstiges Licht, in dem Sie ohne Not eigene Schwächen ansprechen, um ihre Ehrlichkeit unter Beweis zu stellen.

  • Verwenden Sie keine Nicht- und Negativformulierungen, mit denen Sie zum Ausdruck bringen, was Sie nicht sind, sondern suchen Sie positive Formulierungen zur Selbstcharakterisierung.

  • Vermeiden Sie "Leerformeln" zur Selbstcharakterisierung, die nicht mit den von Ihnen ausgeführten Tätigkeiten in einem Bezug stehen.

  • Lassen Sie die Finger von übertrieben positiv wirkenden Selbstbewertungen.

  • Auch wenn Ihre Bewerbung Ihrer Ansicht nach nicht 100% zu den in der Stellenanzeige ausgeschriebenen Anforderungen passt, müssen Sie nicht unbedingt darauf herumreiten. Stellen Sie lieber alles das heraus, was zum gewünschten Anforderungsprofil passt.

  • Wenn Sie auf Erlebnisse und Erfahrungen aus Ihrem Berufsleben zurückgreifen, beschreiben Sie diese sachlich und ohne Wertungen.

  • Zeigen Sie bei Ihrer Darstellung, dass Sie auf der Höhe der Zeit sind und verwenden Sie die aktuelle Terminologie und die entsprechenden Schlüsselbegriffe, die ein Stellenbewerber auf die neue Stelle kennen muss. Sie erhöhen außerdem die Informationsdichte Ihres Anschreibens, ohne dass Sie längere Ausführungen dazu machen müssen.
    (vgl. ebd., S.77-88)

Die schulische Schreibaufgabe

Als schulische Schreibaufgabe bzw. →schulische Schreibform wird das Bewerbungsanschreiben beim Thema "Bewerbung" ebenso behandelt wie beim privaten Geschäftsbrief. Im vorliegenden Arbeitsbereich wird es als Teil der Schreibform privater Geschäftsbrief behandelt.

Die Schreibaufgabe besteht dabei im Allgemeinen aus zwei Teilen:

  1. Analyse einer vorgegebenen Stellenanzeige oder Situationsbeschreibung

  2. Arbeitsanweisung (ggf. mit Rollenbiografie)

Bei der Vorgabe einer Stellenanzeige muss man diese analysieren. Oftmals folgen sie dem Aufbauschema Informationen über das Unternehmen, Beschreibung der zukünftigen Aufgaben, Voraussetzungen des Bewerbers/der Bewerberin und Angabe der Kontaktdaten. Dabei sollte man

  • die Anforderungen, die an den neuen Mitarbeiter/die neue Mitarbeiterin gestellt werden, herausarbeiten (Muss- und Kann-Anforderungen)
    • Hard Skills: Berufskenntnisse, Fachwissen, Fremdsprachenkenntnisse, Computerkenntnisse
    • Soft Skills: Teamfähigkeit, Lernbereitschaft, eigenständiges Arbeiten, Flexibilität, Belastbarkeit, Kundenorientierung, Kritikfähigkeit, Fähigkeit zur Projektarbeit
  • die Informationen über das Unternehmen, die in der Stellenanzeige enthalten sind, auswerten
  • die Kontaktdaten erfassen und, wenn z. B. die Kontaktaufnahme telefonisch erwünscht ist, mit dem Ansprechpartner vor der Bewerbung telefonieren, um Genaueres zu den Bewerbungsbedingungen zu erfahren)

Die schulische Schreibaufgabe wird oft auch mit einer kurzen Rollenbiografie versehen. (vgl. Beispiel). Damit werden dem Verfasser Informationen über einen fiktiven Absender gemacht, die er/sie zur Gestaltung seine Geschäftsbriefs verwenden muss. In gewisser Weise wird der private Geschäftsbrief dann zu einer Art literarischem Rollenspiel unter den formalen Regeln der Schreibform.
Immer wieder werden Schreibaufgabenaber auch mit Situationsbeschreibungen gestellt, wie im nachfolgenden Beispiel.

Beispiel aus KBS-Prüfungen in Baden-Württemberg

Sie sind im Juli mit Ihrer Berufsausbildung fertig und werden von Ihrem Betrieb nicht übernommen. Allerdings haben Sie schon einen Arbeitsvertrag in der Tasche: Sie fangen im Oktober bei einem neuen Arbeitgeber an und freuen sich über diese Chance sehr.
Nun möchten Sie die Zeit bis dahin sinnvoll nutzen. Sie haben beim Surfen im Internet entdeckt, dass eine Hilfsorganisation (ProWorld e.V.) Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sucht, die bereit sind, in Gebieten, die von Naturkatastrophen betroffen sind, Aufräumarbeiten zu leisten. Dazu erhält man eine dreiwöchige Schulung und wird dann irgendwo in der Welt eingesetzt.
Auf der Homepage der Organisation (www.proworld.de) lesen Sie, fass man sich für drei Monate verpflichten soll.

Sie interessieren sich sehr für diese Tätigkeit und schreiben an ProWorld e. V. Legen Sie in Ihrem Brief dar,

  • warum Sie sich für diese Tätigkeit interessieren,

  • was Sie sich davon versprechen,

  • inwiefern Sie besonders dafür geeignet sind,

  • welche Einschränkungen Sie machen müssen und

  • fordern Sie konkret alle Informationen an, die Sie benötigen, um sich entscheiden zu können.

Hinweis zur Bearbeitung: Alle notwendigen Angaben, die Sie nicht in der Aufgabenstellung finden, müssen von Ihnen ergänzt werden. (KBS-Abschlussprüfung in Baden-Württemberg, Industriekaufleute, Sommer 2006)

Gert Egle, zuletzt bearbeitet am: 12.07.2015
 

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