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Erweiterte Argumentation

Wie sich Jugendliche über Gott und die Welt informieren

Eine Argumentation entfalten


Bis 2008 war die Welt für viele Zeitungsmacher einigermaßen in Ordnung, was die Anzahl der jugendlichen Leser von Tageszeitungen anbelangte. Zwar war schon damals klar, dass die Tageszeitungen im Mediencocktail der Jugendlichen eine immer geringere Rolle spielten und spielen würden (vgl. z. B. JIM-Studie 2006, vgl. Zukunft der Zeitung: Forschungsergebnisse zur Zielgruppe Jugend 2007) Doch noch immer konnte noch gesagt werden, dass die Tageszeitungen vor allem bei 18- und 19-Jährigen wichtiger Themenlieferanten für Gespräche im Bekanntenkreis waren .

Wenn junge Leute sich heutzutage „über Gott und die Welt“ um sie herum informieren, tun sie das immer weniger mit Hilfe einer Tageszeitung. Seit 2010 verlieren diese unter den jungen Leuten zwischen 12 und 25 Jahren kontinuierlich Leser. Heutzutage greifen nur noch 25% der befragten Jugendlichen im Alter zwischen 12 und 25 Jahren (je älter sie sind, desto mehr) zur Tageszeitung. (1) Umso erstaunlicher ist bei alldem, dass 40% der für die JIM-Studie 2014 befragten Zwölf- bis 19-jährigen Jugendlichen angaben, dass sie im Falle einer widersprüchlichen Berichterstattung der Tageszeitung am ehesten Glauben schenken würden. (2)
Neben den Kosten und dem Format, sind es meistens zwei Dinge, die junge Leute vorbringen, wenn sie begründen, warum sie nicht zur Zeitung greifen. Das ist zunächst die wenig Anreize schaffende Aufmachung vieler traditioneller Tageszeitungen. Bleiwüsten (man nennt das so, weil früher einmal jeder Buchstabe in Blei gegossen und für den Druck gesetzt werden musste) stoßen junge Leserinnen und Leser geradezu ab. Daneben geben Jugendliche an, dass in Zeitungen einfach zu wenig steht, was sie interessiert.

Die Kritik, dass Zeitungen zu wenig Themen aufgreifen, die Jugendliche interessieren, ist allerdings nicht neu. Eigentlich war das immer so und galt für früher natürlich noch vielmehr. Das allein kann die mangelnde Attraktivität von Zeitungen für junge Leute von heute also nicht erklären. Trotzdem: 45 Prozent der Jugendlichen erklärten schon vor zehn Jahren, als die Zeitungen bei Jugendlichen noch nicht so unten durch waren, dass die Themen Diskos, Musik, Nebenjobs, Mode, Gewalt unter Jugendlichen, Kinofilme und Unterhaltung in diesen Printmedien zu kurz kämen. (3)
Junge Leute beschaffen sich Informationen, die sie interessieren im Zeitalter des Internets auf anderen Wegen als früher. Oft machen sie sich gezielt auf die Suche nach Informationen zu einem Thema oder Sachverhalt und wählen dann das Medium aus, von dem sie annehmen oder durch Erfahrung wissen, dass sie diese Informationen auch dort finden. Geht es um die sogenannten soft news (z. B. Themen: Musik, Stars, Mode) dann nutzen sie meistens das Internet. Wollen sie dagegen etwas über Sport und politische Themen oder lokalpolitisch Interessantes wissen, dann ziehen sie auch die anderen Medien heran. Beim nationalen und internationalen Sport hat das Fernsehen mit 40% (die Nase vorn Internet 35%, Tageszeitungen 14%)und bei Fragen der Bundespolitik (hard news i. e. S.) holt sogar die herkömmliche Tageszeitung wieder auf, landet aber auch dort mit 22% immer noch deutlich hinter dem Fernsehen (43%) und sogar noch hinter dem Internet (24%). Allerdings gehen manche derjenigen, die im Internet auch etwas über die hard news erfahren wollen, auch auf die Internetseiten herkömmlicher Pressemedien und lesen die Meldungen und Berichte online. Geht es um Lokalpolitik, dann geht allerdings die Tageszeitung mit 44% vorneweg. (4)

Infografik: Zeitungen verlieren dramatisch an Reichweite | Statista
Mehr Statistiken finden Sie bei Statista - http://de.statista.com/infografik/3610/reichweite-gedruckter-tageszeitungen-in-deutschland  lizensiert unter: creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/legalcode

Eine besondere Rolle spielen mittlerweile soziale Netzwerke für die Informationsgewinnung.. Von den Internetnutzern im Alter zwischen 14 und 29 Jahren informiert sich fast ein Drittel (32%) in sozialen Netzwerken wie Facebook, Xing oder Twitter über aktuelle Nachrichten. Von denen, die das tun, nutzen fast die Hälfte (46%) Facebook (Xing 31%, twitter 30% ). Fast ein Fünftel (19%) schaut Nachrichtensendungen auf YouTube, 18% nutzen LinkedIn und 10% Google+. Bei WhatsApp holen sich 8% Informationen über Aktuelles und bei Instagram 7 Prozent. (5)
Bei einer Umfrage mit der Frage: „Sie haben angegeben, dass Sie sich in sozialen Netzwerken über Nachrichten informieren. Was genau machen Sie dabei?“ kam heraus, dass 45% von denen, die sich in sozialen Netzwerken aber aktuelle Nachrichten informieren, dies eigentlich nur im Rahmen der Community tun. Ein kleinerer Teil ist dabei auch selbst aktiv und shared (teilt) bestimmte Nachrichten oder Videos (17%), ein kleiner Prozentsatz (14%) kommentiert sie auch mit eigenen Beiträgen. (6)
Das Informationsverhalten der jungen Leute hat die Anbieter von Nachrichten inzwischen dazu bewegt, ihr Angebot der Nachfrage anzupassen. Immer mehr Inhalte werden internet- und netzwerkkompatibel aufbereitet und damit so präsentiert, dass sie genauer auf die Informationsbedürfnisse der Internetnutzer ausgerichtet sind. Dementsprechend nehmen auch auf Nachrichtenportalen aller Art die Angebote von Nachrichtenvideos zu, die von 39% derjenigen, die sich in sozialen Netzwerken informieren, gesehen werden. Und auch die Bereitschaft, das Netzwerk einmal zu verlassen, und sich mit einem externen Link auf eine andere (Nachrichten-)Seite locken zu lassen, steigt, wenn der Anreiz von einem Video ausgeht. (7) Ein Beispiel dafür ist die Huffington Post im Internet, die ihren Webauftritt sehr genau den Nutzungswünschen und Informationsbedürfnissen im Netz angepasst hat.

Zwischen der Offline-Lektüre und der Online-Nutzung von Zeitungen bzw. Nachrichtenangeboten besteht aber doch ein wichtiger Unterschied, wie Prof. Gregor Daschmann von der Universität Mainz weiß, denn "in Online-Zeitungen wird weniger gelesen als in der gedruckten Ausgabe. Dort wird immer die ganze Seite gescannt, wenn man einen Artikel liest. Und dann fallen auch andere Überschriften ins Auge, die man vielleicht sonst nicht gesehen hätte. Das ist ein großer Vorteil der gedruckten Zeitung. Im Netz müssen Sie aktiv werden und einen solchen Artikel anklicken. Das passiert seltener. In der Online-Gesellschaft weiß man nur gezielt - das, wofür man sich sowieso interessiert. Allgemeinbildung geht verloren."

Anmerkungen

1) vgl. http://de.statista.com/statistik/daten/studie/168014/umfrage/nutzungsentwicklung-von-printmedien-bei-jugendlichen-seit-2004/ 
2) JIM-Studie 2014 - http://www.mpfs.de/fileadmin/Studien/JIM2004.pdf
3) vgl. Zukunft der Zeitung: Forschungsergebnisse zur Zielgruppe Jugend 2007 , http://www.bundesregierung.de/Content/DE/_Anlagen/BKM/2008-10-10-nationale-initiative-printmedien-rager-zukunft-der-zeitung.pdf?__blob=publicationFile 
4) vgl. JIM-Studie 2015 - http://www.mpfs.de/fileadmin/JIM-pdf15/JIM_2015.pdf  , S.17ff.
5) vgl. BITKOM-Studie (2015): Jeder fünfte nutzt soziale Netzwerke als Nachrichtenquelle, Umfrage im Auftrag des Digitalverbands Bitkom unter 1.042 Internetnutzern, http://www.bitkom.org/Presse/Presseinformation/Jeder-Fuenfte-nutzt-soziale-Netzwerke-als-Nachrichtenquelle.html 
6) vgl. ebd.
7) vgl. ebd.
8) Prof. Gregor Daschmann im Interview mit Sabine Ränsch, Frankfurter Neue Presse, 20.11.2013) - http://www.fnp.de/nachrichten/kultur/Zeitungen-fuer-Lesekultur-unabdingbar;art679,688046 

Gert Egle, zuletzt bearbeitet am: 01.12.2016

 


   Arbeitsanregungen:
  1. Arbeiten Sie die Gründe heraus, die im Text dafür genannt werden, dass Jugendliche zur Zeitung greifen.

  2. Erläutern Sie die dargestellten Informationspräferenzen mit eigenen Beispielen.

  3. Sammeln Sie Argumente Pro und Contra Zeitunglesen.

  4. Führen Sie eine vollständige Argumentation nach dem Muster der erweiterten Argumentation durch, mit der Sie die These: Wenn ich mich über .... informieren will, nutze ich ...., weil ...

  5. Erörtern Sie die Frage: Hat die Tageszeitung im Zeitalter des Internets noch eine Zukunft? - Setzen Sie sich dabei auch mit den Äußerungen von Daschmann auseinander.

  6. Beschreiben Sie das Schaubild.

  7. Visualisieren Sie den Text in Form einer Infografik.

Download des nebenstehenden Arbeitsblattes (4 S.): docx- pdf

    

                            
Überblick ] Schema ] Argumente stützen ] Argumentkette ] "Syntax" der Argumentation ] Beispiele ] Stammtischparolen ] Bausteine ]
                      

 


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