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Modelle der Argumentation

Schließen und Argumentieren

Klaus Bayer


  Ein großer Teil unserer Überzeugungen geht nicht auf unmittelbaren Augenschein oder direkte Mitteilungen anderer, sondern auf Schlüsse zurück. Wenn jemand sagt, seine Frau sei erkrankt, dann schließen wir daraus, dass er verheiratet ist. Wenn wir hören, Herr Zhao sei ein Chinese, dann schließen wir daraus, dass er die chinesische Sprache beherrscht. […] Und wenn wir lesen, dass regelmäßiges Zähneputzen die Zähne gesund erhält, dann schließen wir, dass wir unsere Zähne putzen sollten. […] Wenn wir so schließen, dann vollziehen wir jeweils einen Übergang von etwas, das wir schon wissen oder zu wissen glauben, zu etwas Neuem. Schon die wenigen Beispiele zeigen, dass wir in fast jedem Augenblick auf derartige Übergänge angewiesen sind. Wir müssen Schlüsse ziehen, wenn wir unser allgemeines Wissen auf einen speziellen Fall anwenden […]. Allerdings sind wir uns dieser Schlüsse in vielen Fällen nicht bewusst. […]
Etwas ganz anderes ist es, wenn unseren Schlüssen sprachliche Form geben und sie anderen mitteilen, um Behauptungen zu begründen oder zu widerlegen, um etwas zu erklären oder vorauszusagen, um uns zu rechtfertigen oder um Regeln für das soziale Zusammenleben plausibel zu machen. Wenn wir den Übergang von Bekanntem zu Neuem sprachlich ausformulieren, dann wird aus einem individuellen, häufig diffusen und noch vorsprachlichen Gedankenbündel ein Argument. Ein Argument besteht immer aus mehreren Sätzen: der Konklusion, dem Satz, den wir begründen wollen, und aus einer oder mehreren Prämissen, welche die Konklusion stützen sollen. In dem Argument

Alle Katzen können klettern.

Tina ist eine Katze.

► Also kann Tina klettern.

Sind "Alle Katzen können klettern." und "Tina ist eine Katze." die Prämissen und "Also kann Tina klettern." die Konklusion.
Argumente sind also Mengen von Sätzen; Argumentationen sind dagegen sprachliche Handlungen, bei deren Vollzug wir ein Argument oder auch mehrere verknüpfte Argumente äußern. Wir argumentieren, um Behauptungen zu begründen oder Entscheidungen zu rechtfertigen.

(vgl. Bayer (1999, S. 15ff., gekürzt)
 

 
   
   Arbeitsanregungen:
  1. Nennen Sie 5 weitere Beispiele, bei denen wir in unserem Alltagsverhalten auf Schlüsse angewiesen sind.

  2. Was unterscheidet nach Ansicht des Autors Schlüsse von Argumenten.

  3. Woraus besteht nach Ansicht des Autors ein Argument?

  4. Stellen Sie die folgenden Argumente nach obigem Muster mit ihren Konklusionen und Prämissen dar:

    • Peter ist in der Schule fleißig.

    • Sokrates ist sterblich.

    • Motorsport ist gefährlich.

    • Das Internet ist unkontrollierbar.
       

 
      
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